Zarische Truppen, Krasnaja Poljana, 21.5.1864

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Dienstag, 19. September 2017

Grezels Traum - Putingegner als Pegida light I

Im Tichy-Umfeld wähnt man sich in einem identitären Abwehrkampf - Rechtslibertäre und ihre Schnittmengen mit AfD- und Pegida-nahen Diskursen


[Vorbemerkung zur provisorischen Publikation eines Artikels, der erstmals am 3. November 2016 erschien - kann gerne übersprungen werden:

Ich habe in letzter Zeit viel Kritik an den Grünen geübt, u.a. wegen ihrer mangelnden Abgrenzung zu Rechtspopulisten. Ich möchte allerdings nicht,  daß anstelle der Grünen mit ihren in Menschenrechtsfragen, Geschichtspolitik und auch genereller in demokratischen Werten aufgeweichten Strukturen die FDP als eine  Art "AfD light" in den Bundestag einzieht. Aufgrund ihrer Oppositionsrolle und mangelnden politischen Gewichts in den letzten Jahren wird di FDP einigen Wahlberechtigten in ihren aktuellen Tendenzen nicht geläufig sein; quasi in letzter Minute möchte ich zumindest auf indirekte Weise noch einmal auf die Verschränkungen zwischen nach rechts gerutschten "liberalen" bzw. libertären und rechtslibertären Diskursen und denen der AfD verweisen. D.h. dies soll ein kleiner Beitrag zum Wahlkampf-Endspurt sein.

Der folgende Beitrag ist der erste Artikel aus einer ursprünglich vierteiligen Serie, von der zwei Teile zunächst im Herbst/Winter 2016 erschienen. Sie mußten kurz darauf wieder vom Netz genommen werden, da mehrere der Thematisierten mit ihren Anwälten drohten, es ging primär darum, daß eine gewisse Person, die ansonsten darauf zu achten schien, daß ihre Posts oft geteilt werden, nicht öffentlich von mir, und auf korrekt belegte Weise, von mir zitiert werden wollte - weder mit Facebook-Posts noch mit einem von ihr verfaßten Gastartikel. Es schien damit zunächst zu aufwändig, das Erscheinen unter deutschem Impressum auch durchzufechten, obwohl auch bei größeren und professionelleren Medien wie der TAZ regelmäßig aus Facebook zitiert wird - dann aber im Problemfall auch bessere anwaltliche Betreuung zur Verfügung steht.  Generell will ich allerdings nicht darauf verzichten, meine Artikel auch direkt im deutschen Gebiet zu publizieren. 

Leider haben sich gerade auch Grüne angesichts dieser Problematik nicht kooperativ gezeigt, sich mit Häme, Verharmlosung, Geringschätzung und Arroganz geäußert, es wäre sonst ein gemeinschaftliches Vorgehen gegen die Gewichtszunahme rechtspopulistischer Diskurse durchaus möglich gewesen. Dafür, daß dies nicht geschehen ist, ist u.a. auch Viola von Cramon verantwortlich. Zur eigenen Nähe mancher osteuropapolistisch involvierter Grünen oder Grünen-Naher zu Tomas Spahn, einem der Tichy-Autoren, siehe bitte auch meinen vorausgegangenen Blogbeitrag. Ich meine, daß aktuelle Umfragewerte, mit großen Verlusten für die Grünen und steigenden Werten für die rechtspopulistische bis rechtsextreme AfD, zeigen, daß eine solche Politik generell doch in die falsche Richtung geführt hat. Trotzdem, d.h. trotz der mir in den Weg gelegten Hindernisse möchte ich hier weiter, jenseits von parteilichen Grenzen, aufklären und über rechtspopulistische Verstrickungen und Gefahen informieren und sollen hier denn auch mal FDP-nahe Kreise und Netzwerke ins Blickfeld rücken. Die übrigen Artikel werden dann in ordnungsgemäßer Form erscheinen, wenn dafür gesellcshaftliche Unterstützung zu mobilisieren ist bzw. eingesehen wird, daß die Möglichkeit zu Kritik und solcher Recherche für demokratische Verhältnisse wichtig ist und diese Aufgabe auch nicht umfassend von einigen wenige medial bekannten "Allround-Experten" warhgenommen wirx, auch hier Pluralität notwendig ist.]




Der Autorenblog „Tichys Einblick“ existiert seit 2014 als Internetprojekt und soll nun zusätzlich monatlich als Printausgabe erscheinen. Vernichtende Kritik wurde ihm u.a. von Uebermedien zuteil. In „Sperrfeuer aus dem Schützengraben der Nachdenklichkeit“ hieß es: „Wenn das die Stimme der Nachdenklichen ist, kann man sich die Stimme der nicht ganz so Nachdenklichen nicht einmal mehr vorstellen, ohne einen Tinnitus zu bekommen.. Djure Meinen nannte den Stil des Herausgebers „mindestens verschwurbelt, aber irgendwie auch jenseits einer Grenze“. Zusammen mit Analysen, die die rechtspopulistischen Argumentationsmuster des Blogs ins Visier nehmen, hätte sich das Projekt für Menschen mit halbwegs klarem politischen Verstand damit auch bereits erledigt haben können. Eigentlich.

Chefredakteur Roland Tichy führt mit Beiträgen wie „Merkel oder die große Umwälzung“ an die neurechten Angstphantasien eines Renaud Camus oder Akif Pirinçci heran und läßt damit sein Medienorgan in die Nähe der sogenannten Identitären Bewegung rücken. Das Ex-Model Anabel Schunke treibt sich u.a. in der Bibliothek des Konservatismus, Schnittstelle zwischen rechtskonservativem Rand und extremer Rechten, herum. Seit Sommer 2015 veröffentlicht auch ein gewisser Tomas Spahn für Tichys Blog Beiträge unter Headlines wie „Merkel verliert ihre Souveränität“, „Zensurindustrie auf dem Vormarsch“ und - dezent verschwörungstheoretisch - Der Weltbürgerkrieg und der Islam“. Spahns Steckenpferd der letzten Wochen bestand darin, sich der Reihe nach muslimische Intellektuelle und Vertreter deutscher Islamverbände vorzuknöpfen und für sie im Zuge einer personalisierten „Islamkritik“  negative Charakterogramme anzufertigen.

Trotz allem höre ich gerade auch von Historiker-Kollegen (Osteuropa-Wissenschaftlern), man sei in Bezug auf „Tichys Einblick“ zwar nicht mit allem einverstanden, schätze aber gerade die profunden Rußlandanalysen des Tomas Spahn. Dieser Mangel an tiefergehender Beschäftigung mit „Tichys Einblick“ in Fachkreisen verwundert, könnte man doch bereits anhand der allgemeinen Themengebung manchmal meinen, man habe es bei „Tichys Einblick“ mit einen Ableger von Jürgen Elässers (bekanntermaßen putinfreundlichem) Compact-Magazin zu tun. Eine Kritik unter dem Gesichtspunkt regionaler Kompetenzen und Interessen ist allerdings bislang ausgeblieben. Dies soll hier nachgeholt werden. Die gerade auch von Akademikern gern angenommene „Rußlandkritik“ eines Tomas Spahn dient, so die hier aufgeworfene These, dem neurechten Blog als eines seiner bürgerlichen Standbeine.

Von besonderem Interesse dürfte auch für die Zukunft die Frage sein, wie die „russlandkritischen“ Seiten des Tichy-Blogs mit der dezidiert putinfreundlichen Ausrichtung übriger Teile des Blogs zusammenpassen und ob hier tatsächlich - im landläufigen Sinne - eine Form medialen Pluralismus' praktiziert wird. Mein Opfer der Wahl heißt hier Gregor Grezel, bislang bei Tichy lediglich als Gastautor präsent, dafür aber umso besser geeignet, Einblicke in Weltbild und politische Gesetzmäßigkeiten der Tichy-Kreise jenseits von glatten PR-Fassaden zu liefern. Ein Einblick über das Randständige ist oft faszinierend, liefert es doch Aufschluß über Abgrenzungs- und Identitätsfindungsprozesse. Besonders hilfreich ist die Betrachtung des Marginalen ohnehin da, wo es um ein Verständnis rechtspopulistischer Strategien geht, sich langsam in die gesellschaftliche Mitte vorzuschieben. Ich werde also sozusagen (mit Slavoj Žižek) über Gregor Grezel einen schiefen Blick auf den Herausgeber Roland Tichy, seinen Autor Tomas Spahn und die Osteuropa-Schiene von „Tichys Einblick“ werfen.

Die Vorstellung des Gastautors Gregor Grezel bei Tichys Einblick ist offenbar seiner Selbstbeschreibung an anderer Stelle entnommen; vollständig lautet sie:
Verfechter der Werte der Aufklärung, ein Feind der Egalitarier, Etatisten, Fiskalisten und Sozialkleptokraten. Mein liberales Glaubensbekenntnis "Der Liberalismus ist die einzige politische Philosophie, die den individuellen Bedürfnissen des Menschen entspricht. Der Liberalismus will die freie Entfaltung des Menschen: Liberalismus ist daher auch Humanismus"“. Sein Tichy-Artikel mit dem Titel „Noch ist Polen nicht verloren“ stellt im wesentlichen eine Replik an einen vorangegangenen Tichy-Beitrag über rechtspopulistische Entwicklungen in seinem Heimatland Polen dar.

Grezel vertritt auf Tichy die Auffassung, daß die Machtzunahme der PiS-Partei keinen wesentlichen Anlaß für Sorge und Pessimismus biete. Proteste gegen diese Partei seien in Polen nicht spontan entstanden, sondern u.a. von einem „Angestellten des Springer Verlages Polen“ „sorgfältig vorbereitet“ worden. Der Start der neuen polnischen Regierung sei zwar zugegebenermaßen „etwas holprig“ verlaufen, das „mediale Bashing“ aber wäre einer kontraproduktiven Berliner Politik zuzurechnen, die angesichts des neuen polnischen Selbstbewußtseins und des Verlustes einer ihr „hörige[n]“ polnischen Regierung „frustriert“ gewesen sei. Polen, so kommentiert Grezel ironisch, werde als Teil von „Dunkeleuropa“ dargestellt. Ansonsten enthält der Artikel wenig Weltbewegendes und muß auch nicht im Detail analysiert werden. Polen stelle, so schließt der Autor, weiterhin eine „Oase der Ruhe und Rechtsstaatlichkeit in Europa“ dar. Was allerdings den 'Oasencharakter' Polens – gerade auch im Vergleich mit Deutschland und Frankreich – ausmache, wird im Artikel selbst nicht näher erläutert.

Auf Facebook wird Grezel expliziter. Dort schrieb er etwa am 18. Juli 2016:
Wer noch kurzfristig nach einem Urlaubsort sucht. Wir laden Euch alle nach Polen ein.
Vorsicht! Nichts für Menschen die nach Abenteuern suchen, als Frau kann man sogar ganz alleine, auch Abends, durch die Stadt gehen, ohne die für Westeuropa üblichen Allüren der orientalischen Männer.
Wir sind auch was die Architektur betrifft langweilig, keine schönen Moscheen wie in Köln, sondern gotische Kathedralen, Jugendstil und Synagogen vor den keine schwer bewaffneten Polizisten stehen.
Auch was das Essen angeht, gibt es bei uns keine Dönner Budden auf jeder Ecke, sondern Pierogi und Barszcz.
Leider können wir Euch auch nicht die Kopftücher und Burkas samt ihren bärtigen Bodyguards anbieten, die ihr aus eurer Heimat kennt.
Wir sind für die EU Verhältnisse ein langweiliges Land, dass die Freiheit, gutes Essen, Spaß und Natur liebt.”
Es ist hier nicht eine friedliche, plurale und demokratische Gesellschaft mit einer Koexistenz unterschiedlicher Interessensgruppierungen, sondern ein weitgehend „moslemfreies“ Polen, das Grezel als modellhaft evoziert. Überhaupt scheint es in entsprechenden Kreisen gerade schwer in Mode zu sein, von Ländern zu träumen, die von muslimische Traditionen unberührt geblieben seien und in denen folglich – im Vergleich mit dem verhaßten Multi-Kulti-Deutschland Angela Merkels – (noch) geradezu idyllische Zustände herrschten. Die Autorin Inge Borchert-Busche, eine Facebook-Freundin von Grezel, laut Eigenbeschreibung ebenfalls der Toleranz, Freiheit und einer offenen Gesellschaft verpflichtet, verwies neulich auf einen Artikel namens „Japan – das Land ohne Moslems“ und zitierte:
Japan lehrt die ganze Welt eine interessante Lektion: Es gibt eine direkte Korrelation zwischen nationalem Erbe und der Erlaubnis zur Einreise: ein Volk, das ein solides und klares nationales Erbe und eine Identität hat, wird nicht zulassen, dass die Arbeitslosen der Welt sie überrennen. Und Menschen, deren kulturelles Erbe und deren nationale Identität schwach und zerbrechlich sind, haben keine Abwehrmechanismen, um einer fremden Kultur das Eindringen in ihr Land und ihr Leben zu verwehren.

Wie weitergehende Kommentare zeigen, hätte Inge Borchert-Busche allerdings nicht lediglich gerne einzelne islamfreie Länder, sondern wünscht sich zusammen mit ihrer Facebook-Gemeinde gleich eine ganze „Welt ohne Muslime“. Vor diesem Hintergrund gesehen erweist sich Grezels Titel für seinen Tichy-Artikel als überaus doppelbödig. Seine begriffliche Unschärfe ist allerdings typisch für neurechte Kreise und erfüllt eine Scharnierfunktion. So ruft er mit „Polen ist noch nicht verloren“ einerseits einem deutschen Bürgertum zu, es müsse sich nicht übermäßig Sorgen machen angesichts einer rechtspopulistischen Wende in Polen. Andererseits ist seine Aussage anschlußfähig für PiS-Partei-Anhänger und AfDler, die gerade in einer solchen Wende einen Hoffnungsschimmer sehen und sendet er in ihre Richtung die Botschaft aus, daß in Polen – anders als in Frankreich und Deutschland – noch Widerstand gegen eine 'Überfremdung' Europas geleistet werde.

Über die politische Verortung Gregor Grezels und seine politisch-medialen Aktivitäten sowie Vernetzungen findet sich bislang wenig im Netz. Präsent ist er vor allem über soziale Netzwerke, u.a. mit einem Profil bei „VK“, das bekanntlich nicht nur russischsprachigen Menschen als facebook-Alternative, sondern zunehmend auch deutschen Rechtsextremen (wie etwa Tatjana Festerling) als weniger stark kontrolliertes Ausweichsmedium dient. Des weiteren findet sich ein Veranstaltungshinweis der rechtspopulistischen Partei „Die Freiheit“, mittels dessen Parteimitglieder aufgefordert wurden, die Lesungen Thilo Sarrazins aus seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ im Mai 2011 mit ihrer Anwesenheit zu unterstützen. Erhofft wurde sich offenbar eine Win-Win-Situation: Der neudeutsche Untergangsprophet und die politisch marginale „Freiheit“ sollten sich gegenseitig stützen und so für erhöhte öffentliche Sichtbarkeit sorgen. Als Ansprechpartner für die Region Düsseldorf sind „Gregor Grezel und Andreas Pokladek“ aufgeführt. Aber ist das der gleiche Gregor Grezel, der den Gastartikel für „Tichys Einblick“ schrieb? Werfen wir hierzu einen Blick auf den als Mitstreiter aufgeführten Andreas Pokladek.

Pokladek selbst hatte im Oktober 2011 den Landesverband Nordrhein-Westfalen von „Die Freiheit“ gegründet. Diese Kleinpartei, die sich selbst als „wertekonservativ“ bezeichnete und Ende 2013 ihre überregionalen Aktivitäten zugunsten der AfD einstellte, orientierte sich u.a. an dem holländischen Rechtspopulisten und „Islamkritiker“ Geert Wilders sowie dem SVP-Politiker Oskar Freysinger. Unterstützung fand „Die Freiheit“ von Anfang an beim rechten Hetzblog „Politically Incorrect“. Beide Institutionen wurden zeitweilig vom deutschen Verfassungsschutz beobachtet.

Charakteristisch für die neugegründete „Freiheit“ war allerdings ein bügerliches Image und die Sorge darum, Distanz zu klassischen rechtsradikalen Positionen zu wahren. Mit der Wahl des PI-Autors Michael Stürzenberger zum Bundesvorsitzenden rückte die Partei Ende 2011 weiter nach rechts. Diese Wende vollzog Pokladek nicht mehr mit. Nachdem er das schlechte Image der Partei und Kontakte zu NPD-Funktionären bemängelt hatte, legte er bereits im Dezember 2011 das Amt des Landesvorsitzenden wieder nieder. Das Vorhaben, eine „islamkritische Partei“ mit bürgerlichem Antlitz zu gründen bzw. die Hoffnung in eine„neue bürgerliche, demokratische und freiheitliche Kraft“, die – so Pokladek im O-Ton – „die Fesseln der politischen Korrektheit […] sprengen“ würde, „ohne dabei extrem, volkstümelnd oder dümmlich-populistisch aufzutreten“, war für ihn wohl nicht aufgegangen.

Wie es der Zufall will, steht auch der Tichy-Grezel mit einem Andreas Pokladek aus Düsseldorf in Kontakt. Auf Facebook erfolgt ein Austausch über Themen wie die „Fruchtbarkeitsziffern der muslimischen Familien“, die dazu führen würden, daß es kein Problem sei „eine muslimische Mehrheit innerhalb von zwei bis drei Generationen in Deutschland zu erreichen, die nichtmuslimische Mehrheit von Jahre 2016 [sic!] gemäßen an der Gesamtbevölkerung […] dann schon lange weggestorben“ sei und man diesen unerbittlichen mathemathischen Fakt „nicht mit politischen PC Gequatsche eliminieren” könne. Überhaupt scheint der heutige Gregor Grezel noch viel mit der politischen Ausrichtung, den Themenvorlieben und auch dem Sprachgebrauch der damaligen „Freiheit“ gemein zu haben.

Als typische Diskusstrategien und -elemente der alten „Freiheit“ wurden u.a. herausgearbeitet: Die Vorstellung, man befinde sich in einem Kampf um Überleben oder Untergang des eigenen Landes oder der eigenen Kultur; Muslime als Hauptverursacher/Hauptübel zeitgenössischer Probleme; die Vorstellung einer von der „Elite“ machtlos gehaltenen Bevölkerung; das Szenarium einer de-facto-Meinungsdiktatur; der Vorwurf an Gegner, selbst faschistisch und antisemitisch zu sein. Allgemein für Rechtspopulisten charakteristisch sind zudem die Bekenntnis zum „christlichen Abendland“, das Interesse an einer Law & Order-Politik, die Fokussierung auf einen vermeintlichen „Volkswillen“, der von der „Elite“ nicht angemessen vertreten würde, eine Ablehung der EU, das Eintreten gegen Pluralismus, Minderheitenschutz und Religionsfreiheit. Gemessen an diesen Kriterien ist Gregor Grezel ein Rechtspopulist, wie er im Buche steht.

Grezel hält etwa, in seinen Worten, „das typische Gestammel über Frauenrechte, Menschenrechte, Demokratie, Klimarettung, Islamophobie, Rassismus, Flüchtlinge, Flüchtlinge, Kaczynski, Orban“ für eine Beschäftigung mit bloßen „Wohlfühl- und Ersatzthemen“. Er meint auch, ein „alter, weisser und katholischer Mann der die AfD wählt“ werde benachteiligt gegenüber „Islamismus“, der als „ausländisch und daher irgendwie gut“ gelte. Eine Talkshow mit dem österreichischen Außenminister Sebastian Kurz beschreibt Grezel als „epochalen Kampf des Lichts gegen die Kräfte der Finsternis” , ihn selbst als „Katechon“ (Bewahrer vor dem Antichristen). In Ungarn sei die Bevölkerung gegen eine „durch die EU vorgeschriebene Zwangsansiedlung von moslemischen Migranten”. Vom ungarischen Ministerpräsidenten Victor Orbán übernimmt Gregor Grezel den Gedanken, die europäische Elite sei von einer nihilistisch geprägten Minderheit „okkupiert“ worden und benutze die Flüchtlingskrise, um „das auf Nation und Christentum beruhende Europa zu zerstören“.

In Bezug auf Deutschland zitiert Grezel Autoren, die eine „politisch korrekte Kaste von Journalisten und Politikern“ am Werk wähnen oder spricht selbst abfällig von einer „PC-Kirche“ (gmeint ist Political Correctness). Im mittleren Spektrum beheimatete Politiker werden von ihm als „Leichtmatrosen“ und „Politapparatschiks“ verunglimpft und Mitbürger, die sich über „Bild, Spiegel, taz, ZEIT, SZ und GEZ“ informieren, sind für ihn „Systemtrottel“. Damit sind zwar die für Rechtspopulismus charakteristischen Diskurselemente nicht alle voll ausgeprägt - so hebt Grezel eher auf den fehlenden Realitätssinn „der deutschen Politiker“ denn auf bewußte Repression ab - aber doch mehrheitlich vorhanden. Grezel argumentiert denn auch keineswegs so eigenständig, individualistisch und originell, wie die Anti-Mainstreamler das von sich denken mögen.

Grezel gibt sich dezidiert proeuropäisch, nimmt aber eine Anti-EU-Haltung ein. Dieser feine, aber bedeutsame Unterschied wird leicht übersehen - ähnlich der Doppeldeutigkeit seiner Tichy-Headline. Er stimmt ein in das EUdSSR-Gerede, demzufolge sich die EU in eine Zwangsgemeinschaft sozialistischer Staaten verwandele, bemüht die „Eurabien“-Verschwörungstheorie und übernimmt auch schon mal ein Facebook-Meme, das Merkel als weibliche nordkoreanische Führerin in Rosa, die für ein buntes Deutschland wirbt, verulkt. Im Original-Grezel-Sound heißt es auch:
Martin Schulz hat mit Europa so viel gemeinsam wie Bushido mit Kunst.
Grundsätzlich ist ein Linker immer ein Antieuropäer, denn man kann nicht Europa mit sozialistischen Ideen vereinbaren. Sozialismus ist Byzanz, ist Asien. Sozialismus ist eine primitive Stammeskultur in der das Individuum und seine Freiheit nichts zählen.”

Anstelle der bestehenden EU hat es ihm ein angestaubter Richard Coudenhove-Kalergi angetan mit einer tief christlich geprägten „Paneuropa“-Konzeption. Dagegen ließe sich weniger einwenden, wenn Grezel seinen „Helden“ auch tatsächlich historische Gestalt sein ließe und sich nicht gerade auf dessen problematische Aspekte beziehen würde, um seine eigene, exklusiv-christliche Europavision und ein apokalyptisches Weltbild zu bekräftigen. So zitiert er etwa in einer Facebook-Notiz folgende Ausschnitte aus Coudenhove-Kalergis „Paneuropa“-Konzeption:
Trotz aller Kämpfe zwischen Rittern, Fürsten und Städten waren sich damals (15 Jahrhundert) alle Europäer bewusst, dass sie den Sarazenen gegenüber eine große Einheit, eine Schicksalsgemeinschaft bildeten, deren militärischer Ausdruck die Kreuzzüge waren. Kaiser und Könige, Herzöge und Ritter kämpften in diesem päpstlichen Heerbann der Kirche, der Deutsche und Franzosen, Italiener und Spanier, Polen und Ungarn, Normannen und Engländer in brüderlicher Eintracht zusammenschloß. In diesen gewaltigen Kriegszügen kämpften nicht nur die Christenheit gegen den Islam, sondern auch Europa gegen Asien”
Und Grezel fügt selbst hinzu:
500 Jahre später ist es wieder so weit. Aber diesmal kämpfen die Europäer nicht nur gegen die islamischen Heerscharen, sondern auch gegen die politischen Eliten, die sich gegen das eigene Volk gewendet und die europäische Kultur verraten haben.”
Um auf Grezels Tichy-Artikel und sein Polen-Bild zurückzukommen: Die Kombination einer antirussischen Haltung mit rechtspopulistischen Anti-Islam-Diskursen trifft besonders muslimische Bevölkerungsgruppen an der ehemaligen Peripherie des Russischen Reiches. Der rechtsklerikal ausgerichtete Patriotismus eines Gregor Grezel nimmt, zusammen mit der dezidiert putinfreundlichen Haltung linksautoritärer Kreise, von Rußland bedrängte, muslimisch geprägte Minderheiten in eine Art Zangengriff, der kaum noch demokratischen Rangierraum für solch mehrfach Benachteiligte übrig läßt. Das Gerede über eine von muslimischen Bevölkerungsgruppen ausgehende „Gefahr“ und deren inhärente Neigung zu „Terrorismus“ und militärischer Aggression konvergiert oftmals sogar so gut wie lückenlos mit den Ordnungsinteressen und Rechtfertigungsstrategien des russischen Staates gegenüber seinen nicht-russischen Peripherien.

Für einen selbstbewußten, ostmitteleuropäischen Patrioten weist Grezel ohnehin ein merkwürdig defizitäres, um nicht zu sagen schizophrenes Geschichtsbild auf - schizophren in dem Sinne, daß
Teile der polnischen Geschichte und Kultur, die nicht zum gewünschten Zuschnitt europäisch-polnischer Identität passen, abgespalten und verdrängt oder geleugnet werden. Begrifflich bestens auf den Punkt gebracht hat Grezel dieses Verfahren mit seinen Phantastereien über Polen als orientfreier „Oase“. Das große, mächtige Polen-Litauen, das er beschwört, um dann im gleichen Text davor zu warnen, „unsere Grenzen für kulturfremde Migranten“ aufzumachen, reichte zu seiner Blütezeit bis fast an die Krim heran. Über die pontischen Steppen, das sogenannte „Wilde Feld“, standen die Polen über Jahrhunderte hinweg mit den angrenzenden Steppenvölkern, u.a. den Nogai- und Krimtataren wie auch mit dem Osmanischen Reich in Kontakt. Teils waren die Berührungen kriegerischer Natur, es entwickelten sich aber auch politische Allianzen und symbiotische Beziehungen.

In Polen selbst existiert bis heute – neben den turksprachigen, aber jüdisch geprägten Karäern – eine tatarisch-muslimische Minderheit. Die sogenannten Lipka-Tataren hatten sich seit dem 14. Jahrhundert auf dem Territorium des damaligen Großfürstentums Litauen niedergelassen und bildeten dort u.a. eine wichtige Stütze für die polnische Armee. Sie könnten ein historisches Beispiel liefern für die friedliche Koexistenz zwischen Juden, Christen und Muslimen bzw. für einen europäisch ausgestalteten Islam.

Wie eng die Geschichte Polens (bzw. Litauens) und die der Tataren aneinander geknüpft waren, zeigt sich u.a. auch daran, daß das krimtatarische Herrschergeschlecht der Girejs von einem Lipka-Tataren abstammte. Hacı Devlet Giray hatte zunächst im Zuge von Kämpfen um die Vorherrschaft im zerfallenden Mongolenreich in Litauen Zuflucht gefunden und erreichte dann auch mit litauischer Unterstützung die Ernennung zum Khan der Krimtataren. Innerhalb Polens wurde den Lipka-Tataren der Status einer rechtlich geschützten muslimischen Minderheit zugestanden. Dies verschweigt Gregor Grezel, während er Polen-Litauen als „demokratisch und freiheitlich“ charakterisiert und bis zu einem gewissen Grad als Vorbild für heutige Europäer hinstellt.

Auch ist das historische Polen-Litauen generell nicht für eine wie auch immer geartete 'kulturelle Reinheit' bekannt, sondern für eine „Sarmatismus“ genannte Mischung aus Traditionen unterschiedlicher geographischer Herkunft. Von ihr ließ sich u.a. der Schriftsteller Henryk Sienkiewicz, erster polnischer Nobelpreisträger, inspirieren. Insbesondere der polnische Adel war fasziniert von der osmanischen Kultur, bestellte sich seine Kleidung in Istanbul, dekorierte sein Haus mit islamischer Kunst und freute sich über von den Osmanen erbeutete oder ihnen nachgearbeitete Zelte, die für Geschäftsreisen oder Jagdausflüge genutzt wurden. Grezel unterschlägt oder weiß nicht, daß polnische Adlige auf Gesandtschaft in Westeuropa gerade aufgrund ihrer osmanisch und tatarisch inspirierten Pracht und Extravaganz auffielen.

Mit dem Osmanischen Reich führte Polen im 17. Jahrhundert etwa mehrere Kriege, beide Staaten unterhielt aber auch über 400 Jahre hinweg enge diplomatische Beziehungen. Im Zuge der polnischen Teilungen, die vom Osmanischen Reich nicht anerkannt wurden, suchten polnische Emigranten u.a. bei der Hohen Pforte Unterstützung und Zuflucht. Nach dem fehlgeschlagenen „Novemberaufstand“ gegen Russland gründeten sie 1842 bei Istanbul die polnische Siedlung Adampol – das heutige Polonezköy.

Ein exotisches und wenig bekanntes Kapitel der polnischen Außenpolitik stellen Beziehungen zu den westkaukasischen Tscherkessen dar. Es heißt, daß bereits Mitte des 16. Jahrhunderts fünf kabardinische Prinzen in Polen Zuflucht vor dem russischen Eroberungsdruck Ivans des Schrecklichen suchten und damit die Petyhorcy entstanden, eine leichte Kavallerie. Der Name leitet sich ab von der Herkunftsregion der nordkaukasischen Kämpfer, den „fünf Bergen“, auf russisch „Pjatigorsk“, woraus dann per Verballhornung das polnische „Petyhorcy“ wurde.

Sehr viel klarer umrissen sind die tscherkessisch-polnischen Beziehungen des 19. Jahrhunderts und die Beteiligung polnischer Freiwilliger am tscherkessischen Unabhängigkeitskampf gegen Russland. Nach der russischen Niederschlagung des polnischen Aufstandes wurden viele Polen gezwungen, sich innerhalb der russischen Armee an der Eroberung des Nordkaukasus zu beteiligen.
Polnische Deserteure siedelten sich unter den Tscherkessen an und kämpften mit diesen zusammen gegen die russischen Truppen. In etwa zur gleichen Zeit nahmen Exilpolen um Prinz Czartoryski über Istanbul Kontakt zu den Tscherkessen auf. Eine polnisch-tscherkessische Allianz sollte den gemeinsamen Feind Rußland schwächen und so zu beider Nutzen sein. Militärische Vorbereitungen wurden u.a. im erwähnten Adampol/Polonezköy getroffen. Der polnische Offizier Teofil Lapinski landete 1856 mit einer polnischen Division im tscherkessischen Tuapse. Seine Erlebnisse und Beobachtungen zur dramatischen Lage der Tscherkessen in den letzten Kriegsjahren publizierte er 1863 in Hamburg als „Die Bergvölker des Kaukasus und ihr Freiheitskampf gegen die Russen“. Nach der endgültigen Niederlage des Westkaukasus sollen auch Polen zusammen mit den Tscherkessen ins Osmanische Reich geflohen sein.
Sicherlich kann man in Bezug auf die polnische Geschichte nicht von einem spannungsfreien West-Ost-Verhältnis sprechen. Raubzüge, Versklavung und Schlachten gehörten ebenso dazu wie Koexistenz, kultureller Austausch und politische Allianzen. In Gregor Grezels Äußerungen ist allerdings für die Vielschichtigkeit einer solchen „durchmischten“ Geschichte an der pontischen Peripherie kein Platz. Die religiöse Terminologie vom „epochalen Kampf des Lichts gegen die Kräfte der Finsternis“, derer sich Gregor Grezel, gerade in Bezug auf die Frage der Zugehörigkeit des Islams zu Europa, bedient, erinnert auf ihre Weise an die Strategie des IS, sämtliche Zwischentöne und Grauzonen auszulöschen, um dann beide Lager mit unverminderter Wucht aufeinanderprallen zu lassen. Anstatt Polen als Brückenkopf zu sehen, als Scharnier zwischen westlichen und östlichen Traditionen, wird es zum kreuzritterlichen Bollwerk zurechtgestaucht.

Auch von europäischen Rechtspopulisten wird, was sich nicht in das Schema rasiermesserschaft gezogener Trennlinien zwischen 'humanistischem Abendland' und 'expansionistisch-aggressivem Islam' fügen läßt, weggelassen bzw. nachträglich wegretuschiert. Man arbeitet so lange mit Reduktion von Detailfülle und Kontrasterhöhung, bis ein maximal plakatives Bild entsteht, ein Schwarzweißrelief mit nur wenigen, grob geschwungenen Linien. Letztendlich könnte man selbst auf Gregor Grezels geliebte Pierogi noch einen kulturhistorischen Blick werfen und über eine etwaige mongolische oder chinesische Provenienz nachdenken, aber man soll gutes Essen ja bekanntlich nicht zerreden.

Bei Grezels Ansichten, und das soll im zweiten Teil der Anaylse deutlicher werden, bestehen – trotz deutlicher Kritik an der russischen Politik – oftmals wenig Unterschiede zur Ideologie eines Putin oder dem Weltbild der AfD. Es ist kein echte demokratische Vielfalt, die „Tichys Einblick“ hier bietet, vielmehr fügt sich die Gastautorenschaft eines Polen, der einem deutschsprachigen Publikum über Entwicklungen in seinem Heimatland und seine Perspektiven hierauf berichten darf, ein in das Anliegen eines rechten Ethnopluralismus.


Sonntag, 17. September 2017

Grüne, die sich nicht von Fake News, Rechtspopulismus und Islamhaß distanzieren

Grenzen nach rechts werden nicht mehr gezogen, stattdessen werden Krtiiker von rechtspopulistischen Zusammenhängen delegitimiert. 

Um was auch man Grünen-Vertreter fragt, sie reagieren fast nie angemessen, schauen systematisch weg, widmen sich gesellschaftlichen Fehlentwicklungen nicht, auch da, wo sie eigentlich bequem gegensteuern könnten; meine dokumentiert Erfahrung zeigt, daß sie sich regelmäßig ihrer eigenen politischen Verantwortung entziehen. Dies zeigt sich auch im Bereich rechtspopulistischer Medien und extremistischer, unsere Gesellschaft polarisierender Stimmungsmache. Nicht nur der Völkermord an den Tscherkessen erscheint als ein zu "schwieriges" und gleichzeitig zu  unbedeutendes Thema, so daß Grüne meinen, sich damit nicht damit beschäftigen würden. Dieselben Schweige- und Ausblendmechanismen, mangelnde Abgrenzung gegenüber rechten Akteuren, das Fehlen klarer demokratischer Signale gegenüber migrantenfeindlicher Stimmungsmache, Geschichtsrevisionisten, Verschwörungstheoretikern.... , zeigen sich an allen Ecken und Enden. Sie sind zu beobachten
vom niedrigschwelligen Alltagsbereich bis hin in die ganz große, bedeutsame  internationale Politik.

Ein medialer Akteur, von denen sich Grüne oder Grünen-Fans nicht distanzieren, ist Tomas Spahn, der für "Tichys Einblick" und gelegentlich auch für die islamophobe "Achse des Guten" schreibt. Der frühere Kommunikationsberater war, bevor er dank Tichy eine größere rechtspopulistische  Plattform erhielt, als Autor ziemlich unbedeutend. Er verbreitet alarmistische Fake-News über die "Untaten" von Migranten und/oder muslimischen Flüchtlingen, nimmt in seinen eigenen Statements verschwörungstheoretische Perspektiven ein und hat sich als Publizist der Reihe nach an prominenten muslimischen Stimmen in der deutschen Öffentlichkeit abgearbeitet (siehe auch bei hier  unter "Tomas Spahn"). Seine politischen Gegner und Kritiker werden von Spahn und Freunden ausgestellt, beleidigt, verleumdet, er sorgt für weitere Pöbeleien. Geduldet wird er in "putinkritischen" Kreisen vermutlich, weil er als "scharfer Hund" gegenüber Rußland gelten kann und somit nützlich erscheint. Eine vermeintliche "klare Kante" gegenüber Putin bringt allerdings hinsichtlich der tatsächlichen Verhältnisse wenig, wenn er gleichzeitig,  über die Rückhand, die AfD bedient und auf ähnliche Weise auf Fake News und entzweiende Desinformation verbreitet werden, wie das die pro-putinschen Kreise selbst tun.

Ich habe mehrfach versucht, meine russlandkritischen Facebook-Freunde (u.a. diejenigen, bei denen mir Facebook angezeigt hat, daß sie gleichzeitig mit Tomas Spahn befreundet sind), auf die Art der publizistischen Aktivitäten Tomas Spahns hinzuweisen, ich betrachte die Tichy-Texte sogar als eine Art "Einstiegsdroge" für den AfD- und Pegida-Bereich. Im konkreten Falle waren es auf Grünen-Seite Ralf Fuecks und Jens Siegert gewesen, die von mir freundlich und höflich angesprochen wurden, sich aber bis heute nicht in dieser Sache geregt haben:



Jens Siegert hat von 1999-2015 das Moskauer Büros der grünennahen Boell-Stiftung geleitet (bzw. mitaufgebaut) und trägt damit auch Verantwortung für das umfänglicheNichtthematisieren des Völkermordes an den Tscherkessen beim russischen Ableger dieser Stiftung. Er wird außerdem als Berater der Menschenrechtsorganisation "Memorial" aufgeführt und hat sich auch direkt bei den Grünen engagiert. Ralf Fücks war von 1996 bis 2017 Vorstandsmitglied der Boell-Stiftung, er war seit 1982 bei den Grünen tätig. Über ihn heißt es auf der Webpräsenz der Boell-Stiftung: "Als Mitglied der Grundsatzprogramm-Kommission und anderer Beratungsgremien von Bündnis 90/Die Grünen hält er die Verbindung zwischen Stiftung und Partei.".Offiziell will Bündnis 90/Die Grünen Rechtspopulismus "auf allen Ebenen" bekämpfen und "Menschenwürde schützen" - das geht aber nicht, wenn man mit Menschen koopieriert, die systematisch die Rechte Anderer verlezten und man diese dabei nicht in ihre Grenzen verweist.

Daß beide auf mein Anschreiben hin gar nicht reagierten, sich auch anderweitig keine Distanzierungen oder Korrekturversuche finden lassen, zeigt meines Erachtens, daß sie in diesem Bereich keine Widerständigkeit gegenüber rechtspopulisitschen Diskursen praktizieren, kein werteorientiertes Handeln vorweisen und da keine echte, mühselige politische Arbeit stattfindet. Parallel zu einem abstrakten Hantieren mit (theoretischen) Positionen, Memes und Slogans werden tatsächlich die eigenen Netzwerkinteressen bedient. Auf gleiche Weise setzen auch andere Grüne immer wieder ungünstige Akzente, werden Weichen falsch gestellt, werden das Aussitzen, Wegducken, Kungeln aus Opportunismus heraus oder einfach Gleichgültigkeit als politisches Modell  vorgelebt. Es würde jedoch durchaus gesellschaftlich einen Unterschied machen, ob sich Personen des öffentlichen Lebens von hetzerischen Medien wie "Tichys Einblick" oder "achgut" und islamophoben Publizisten wie Tomas Spahn distanzieren. Stattdessen findet mit der Beehrung des rechtspopulistischen Umfeldes durch die eigene Person eine Normalisierung und gesellschaftliche Legitimierung derartiger Positionen statt. Durch den Unwillen, gleiches gleich zu behandeln, allgemein verbindliche Regeln durchzusetzen (Fake News etwa unabhänig von Thema und Anliegen als berufsethisches " no go" zu brandmarken...), vollzieht sich eine weitere gesellschaftliche Zersplitterung.

Einzelhandlungen, mittels derer rechtspopulistische Akteure gestärkt bzw. entschuldigt werden, setzen sich auf Dauer zu ganzen Handlungsmustern zusammen, diesen verfestigen sich  letztendlich zu gesellschaftlichen Strukturen (siehe auch Berger/Luckmann in "Die gesellschaftliche Konstruktion von Wirklichkeit"). Während auf der einen Seite legitimiert wird, findet hinsichtlich derer, die mit rechtspopulistischen Diskursen nichts anfangen können, davon negativ berührt werden, sukzessive ein Ausschluß statt., werden diese aus einem (u.a.., da gewisse Regeln nicht mehr für alle geltend gemacht werden) gemeinschaftlichen Raum hinausgedrängt. Den Grünen fehlt offenbar auch ein Sinn für Ansatzpunkte, für konkretes politisches Tätigwerden und ein Verständnis bzw. Interesse dafür, daß ein Einschreiten gerade auch im Detail  gesellschaftliche Dynamiken insgesamt beeinflussen würde und wieder in eine positivere Richtung kehren könnte. Es wird mit abstrakten Bekundungen gegen "Rechtspopulismus" dann im Grunde ein mächtiger, schlecht anzugreifender, ferner Anderer erzeugt, wie das in etwa auch bei Verschwörungstheorien der Fall ist. Bezogen auf die eigentlichen, zu lösenden gesellschaftlichen Probleme und politischen Mißstände wirkt dies entpolitisierend und handlungslähmend. Offensichtlich kommen hier Korrelationen zwischen Wirklichkeit und Programm und das Verständnis für gesellschaftliche Dynamiken und Zusammenhänge abhanden.

Bündnis 90/Die Grünen tragen damit letztendlich auch selbst Schuld an ihren schlechten Umfragewerten und dem Stimmengewinn am rechten Rand, sie haben gewohnheitsmäßig rechtspopulistische Kräfte begünstigt, sie besänftigt, a-demokratische Zugeständnisse gemacht, rechtspopulistische Stimmungsmacher über verschiedene Mechanismen eingebunden und sozial legitimiert, während sie etwa auf Muslime und muslimische Interessen keine Rücksicht genommen haben, während sie anderen Menschen eine sinnvolle Kommunikation verweigern und damit auch konsequenter vorgehende, demokratischere Kräfte an den Rand drängen, ihnen zunehmend gesellschaftliche Solidarität und demokratische Teilhabe entziehen.

Fuecks und Spahn etwa sind heute noch miteinander befreundet:

Donnerstag, 7. September 2017

Rebecca Harms - Menschenrechte und Freiheiten als individuelle Glückssache

Folgender Post zeigt, wie deutsche Politiker reagieren, wenn sie per freundlicher Anfrage angeschrieben werden und eigentlich handeln müßten

Im hier gezeigten Beispielfall habe einmal nicht ich eine öffentliche Person angeschrieben, sondern hat sich meine Mutter als meine Fürsprecherin an eine bekannte Politikerin, die EU-Abgeordnete Rebecca Harms gewandt und sie gefragt, ob sie nicht mich und mein Anliegen unterstützen könne. Es ging im Kern um die Ermöglichung von Vergangenheitsaufarbeitung und die Beseitigung der Folgen von Mobbing und recht schwerwiegender Diskriminierungen, die sich direkt gegen meine Forschungsarbeit gerichtet hatten sowie um wenig durchlässige, eher a-demokratische Strukturen, die zum Zeitpunkt der Anfrage (vor etwas mehr als zwei Jahren) weiterhin einen halbwegs normalen, zivilen Umgang mit dem Völkermord an den Tscherkessen auf deutscher, wie auch auf europäischer Ebene insgesamt blockiert halten.

Rebecca Harms hat, da meine Mutter zum damaligen Zeitpunkt noch keinen Computer benutzte, ihre Antwort per email an mich addressiert. Sowohl Anfrage als auch Antwort sind im Folgenden wiedergegeben. Ich war zunächst freudig überrascht davon, daß überhaupt eine Antwort erfolgte, denn heutige politische Umgangsformen werden so schlecht, daß auch dies oftmals keine Selbstverständlichkeit mehr ist.Schreiben, die unangenehme, verstrickte, vertrackte politische Verhältnisse betreffen, bei deren Angehen/Lösung man die eigenen Bündnispartner konsternieren oder politisch etwas riskieren könnte, bleiben immer öfter ohne jegliche Reaktion liegen. Hier klang die Antwort aber freundlich.  Frau Harms schien den Kern der Problematik erfaßt zu haben und als Sachlage zu bestätigen. Jedoch überraschte mich dann umso mehr die abrupte Endung.

Die Frage bzw. Bitte meiner Mutter nach Unterstützung in einer wirklich mißlichen Situation - man schreibt solche Briefe nicht leichtfertig - blieb im Antwortschreiben von Rebecca Harms komplett ausgeklammert. Der Text wirkt so, als ob Harms gar nicht realisiert hätte  (bzw. sie unfähig zu begreifen gewesen sei), daß  in solch einer Lage doch zumindest Lösungsmöglichkeiten oder Handlungsoptionen hätten benannt oder erwogen werden sollen, man weitere Ansprechspartner hätte benennen  können,  zuallermindest, meines Erachtens, aber doch ein entschuldigendes "Leider kann ich nicht helfen" fällig gewesen wäre.  Die email schien, auf keineswegs bösartige Weise, schon die Vorstellung eines  Tätigwerdens und jedweden Eingreifens von vornhinein und wie selbstverständlich auszuschließen.

Mich hat diese email über Monate hinweg so sprachlos gemacht, daß ich wirklich nicht wußte, wie und ob ich antworten solle.. Ich habe oft versucht, daraufhin Sätze zu formulieren. Ich schwankte zwischen dem Bedürfnis, mich für das immerhin höfliche, halbwegs respektvolle Schreiben zu bedanken und dem gleichzeitigen Bedürfnis, das,w as ich als Anmaßung empfand, zurückzuweisen.
Das mißachtende, gerigschätzende Element bestand für mich darin, daß Berufspolitiker und einige andere Prominente in Fällen, in denen sie Bedrängnis bzw. mißliche Lagen geraten, sofort Hilfe, gesellschaftliche Anteilnahme und eine Korrektur verrutschter ethischer Maßstäbe (etwa bei Einreisesperren) per medialer Öffehtlichmachung und Bewertungen zu seiner Verfügung hat, dahingegen aber "normalen" bzw. abgewerteten Menschen jegliche Unterstützung, auch noch im Falle von chronscher Krankheit, untersagt wird. Auch Intellektuelle, die nicht im Rampenlicht stehen wollen, brauchen für die Fortführung ihrer Arbeit Sicherheit, Freiheit und gesellschaftliche Unterstützung. Letztendlich blieb die email ohne Antwort. Beim Gedanken an das, was ich schreiben könnte, hat sich mir regelmäßig der Hals zugeschnürt.

Nach etlichen weiteren Gesuchen, anderen Anschreiben an andere Personen, vielen unterschiedlichen Kommunikationsversuchen mit unterschiedlichen Partienrepräsentanten, bei denen die Reaktionen oftmals noch viel negativer, ruppiger und verletzender ausfielen, frage ich mich heute vor allem, wie eine derart entpolitisierende, atomisierende Haltung gegenüber gesellschaftlichen und politischen Problemen möglich ist. Wer fast alles am "Erfolg" oder "Mißerfolg" eines Individuums festgemachen möchte, fast nur noch die Maximen "Ein jeder ist selbst seines Glückes Schmied" bzw. "Der Stärkere setzt sich durch" gelten lassen möchte, riskiert letztendlich den Sinn für das Allgemeinwohl und das Verständnis dafür, daß Einzelne mit der Gesellschaft verbunden und Individuen und Gesellschaft aufeinander angewiesen sind. Für den Erhalt demokratischer und rechtsstaatlicher Strukturen muß man arbeiten: Ohne Sorge um den gesellschaftlichen Grundkonsens, ohne Solidarität und ein Minimum an Verläßlichkeit als Gemeinschaft, ohne die Bereitschaft und den Mut zum Einschreiten da, wo die eigene Wertegrundlage verletzt wird, kann ich mir den Erhalt eines demokratischen Gemeinwesen nicht vorstellen.

Das Eintreten gegen Geschichtsrevisionismus und Völkermordleugnung sollte zu den Dingen gehören, die in keinem Falle, unter keinen Rahmenbedingugnen, antastbar, verhandelbar und anfechtbar sind. Mir scheint allerdings, daß mittels der PR-gestützten Bilderwelten und deren (oftmals noch virtuelle, abstrakte) Anhängerschaften, die gerade die Grünen en masse erzeugen, allmählich die Korrelationen zwischen politischem Schein und gesellschaftlicher Realität, zwischen Wollen/Image/abstrakten Haltungen und konkretem Handeln und Sich-Einsetzen für die gesellschaftlichen Werte verlorengehen. Es ist, als ob professionelle Parteienpolitiker die Welt, die sie mitgestalten müssen, nur noch als eine Art Abziehbildchen wahrnehmen könnten.


3.1.2015 - Handschriftlicher Brief, gesendet an Rebecca Harms' Abgeordnetenbüro in Brüssel:

"Sehr geehrte Frau Harms,

Aus der Presse habe ich erfahren, daß Ihnen die  Einreise nach Rußland verweigert wurde. Die Erfahrung, daß es negative Konsequenzen hat, wenn man der russischen Regierung nicht kritiklos gegenübersteht, hat auch meine Tochter Irma Kreiten machen müssen. 

Meine Tochter hat in Tübingen mit Bestnote die Magisterprüfung in osteuropäischer Geschichte und Ethnologie abgelegt und anschließend ihre Doktorarbeit zur russischen Eroberung des Kaukasus im 19. Jahrhundert begonnen. Ihre Forschungen haben bestätigt, daß es dort einen Völkermord an den Tscherkessen gegeben hat. Dieses Ergebnis war weder im Sinne ihres Doktorvaters noch des Sonderforschungsbereiches Kriegserfahrungen, bei dem sie angestellt war. Unter Mißachtung wissenschaftlicher Kriterien und der Freiheit der Forschung wurde sie unter Druck gesetzt, diesen Völkermord nicht zu thematisieren. Als sie diesem Druck nicht nachgegeben hat, wurde sie massiv eingeschüchtert. Heute lebt meine Tochter enttäuscht, krank und ohne Existenzgrundlage in Istanbul.

Die Personen und Organisationen, an die sie sich mit der Bitte um Unterstützung gewandt hat, haben sie entweder bewußt ignoriert oder mit anfänglichen Versprechungen hingehalten.

Dieses Ignorieren ihrer Arbeit und ihrer Person ist nicht individuellen Mängeln zuzuschreiben, sondern der Tatsache, daß der Völkermord an den Tscherkessen weitgehend tabuisiert wird. Die Gründe hierfür sind wohl wirtschaftliche Interessen, politischer Druck u.a. aus Rußland selbst und ordinärer Rassismus.

Tscherkessische Verbände, an die meine Tochter sich gewandt hat, besitzen keine Lobby. Sehen Sie eine Möglichkeit, meiner Tochter in irgendeiner Weise zu helfen? Wenn ja, würde dies sowohl der Sache als auch meiner Tochter helfen, die statt Achtung für ihr Engagement bisher nur Häme und Beschimpfungen erfährt. 

Mit freundlichen Grüßen, 

                                                                                      Mechtilde Kreiten

E-mail Adresse emeiner Tochter : [...]"



Antwort am 26. Januar 2015 an mich, Irma Kreiten, per email:


"Sehr geehrte Frau Irma Kreiten,



mich hat der Brief Ihrer Mutter Mechtilde erreicht und ich habe mit großer Besorgnis die Schilderungen über Ihre Situation zur Kenntnis genommen.

Es tut mir sehr leid, dass Sie negative Erfahrungen und Diskriminierungen aufgrund Ihrer wissenschaftlichen Forschungen zu den Verbrechen an den Tscherkessen machen mussten. Auch Forschungsergebnisse zu kontroversen Themen sollten öffentlich zugänglich sein und Recherchen zu umstrittenen Themen möglich sein.

Auch wenn mir die Einreise nach Russland aufgrund meines politischen Engagements verwehrt wurde und ich des Öfteren Anfeindungen ausgesetzt bin, glaube ich, dass die Zerstörung einer ganzen wissenschaftlichen Karriere und eines Lebenszieles damit nicht vergleichbar ist.

Gute Forschungen zu Osteuropa und Russland wird besonders in dieser Zeit dringend gebraucht.



Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute und viel Kraft und hoffe, dass Sie doch irgendwie eine Möglichkeit finden ihre Forschungen weiterzuführen.



Mit den besten Grüßen,
Rebecca Harms."


Eingescannte Kopie des Briefes meiner Mutter (Adressen von mir unkenntlich gemacht):








 




Donnerstag, 31. August 2017

Der sportliche, ungrüne Lakner

Ich hatte in einem früheren Post behauptet, Sebastian Lakner hätte sich aufgrund von Kritik an Bündnis 90/Die Grünen einem Hetzmob gegen mich angeschlossen. Das war falsch. Lakner hat mit dieser Partei (fast) nichts zu tun.

Anfang Dezember 2016 hatte ich darüber geschrieben, wie Sebastian Lakner, der Dozent an der Fakultät für Agrarwissenschaften der Göttinger Universität ist, sich nach einer Auseinandersetzung über die Politik von Bündnis 90/die Grünen einer lockeren Gruppierung von Leuten angeschlossen hatten´, die offenkundig Schwierigkeiten damit haben, mit demVölkermordes an den Tscherkessen so umzugehen wie mit jedem anderen Thema auch. D.h., so zu reagieren und mit diesem Thema und seinen Ablegern (etwa der Repression nordkaukasischer Intellektueller) so umzugehen, wie man das  von einem demokratischen, rechtsstaatlichen, auf Fairness und die Kraft des Argumentes bedachten Raumes angesichts diverser anderer Themen so kennt.

Eines allerdings vorab: Mit diesem Photo hier möchte ich keineswegs  Lakner mit der Farbe "Grün" assoziieren. Ich demonstriere lediglich bildlich, daß Sebastian Lakner im Grunde ein sehr freundlicher und lockerer Typ ist. Sportlich zeigt er sich - zumindest, wenn er nicht gerade am Online-Kommentieren ist, sondern beim Sparkassenlauf in Duderstadt mitwirkt.


Quelle: Screenshot von Facebook


Da hatten welche anläßlich der gleichen Veranstaltung die gleichen Tshirts an:


Quelle: Screnshot, FB-Seite von Viola von Cramon (Bündnis 90/Die Grünen)


Nun aber zur Sache....


1. Die Privatperson

 Ich habe mich offenbar komplett in Lakner geirrt und möchte ihn auf diesem Wege um Verzeihung bitten, hoffentlich nimmt er meine Korrekturen in seiner Großmut an. Er ist Privatperson, vermutlich kein öffentlihcher  Intellektueller und noch sicherer niemand, der sich etwa am Grünen-Wahlkampf in der Umgegeng von Göttingenöffentlich beteiligen würde.... Das habe ich am 17.8.2017 festgestellt, als mir Lakner erneut über den Weg lief (allerdings nur virtuell, ansonsten hätte er mich sicherlich mit Lichtgeschwindigkeit abgehängt) und mich recht freundlich und umgänglich fragte, wann ich meinen Blogartikel über ihn denn löschen wolle. Teile dieser - durchaus zivilen - Unterhaltung gestalteten sich so:



Daß ich gedacht habe, eine Person müsse zunächst ihre häßlichen Kommentare und verzerrten, ehrenrührigen Darstellungen zu mir löschen und einigermaßen den von ihr verursaschten Schaden zu beheben versuchen, bevor sie legitimerweise verlangen könne, meine Schilderung und Kommentierungen dieses Verhaltens (und  einzelne, exemplarische Richtigstellungen!) zu löschen, war natürlich vermessen. Das hätte vorausgesetzt, daß wir uns als Menschen auf Augenhöhe befinden würden; dabei ist Sebastian Lakner ungleich wichtiger.

Kurz nach meiner auf dem nächsten Scceenshot zu sehenden Replik verschwand der ganze, aus etlichen Komemntaren/ bzw. zivilen Wortwechseln bestehende Thread, so schnell, als ob es sich beim indirekten "Versöhnungsangebot" ohne Verhandlungsbasis um eine  Illusion gehandelt hätte: 



2. Sachdebatten wären möglich....

Am  22.8.2017 sind wir uns erneut begegnet. Da allerdings habe nicht ich Sebastian Lakner angesprochen, sondern er hat sich in einen von mir begonnenen Unterthread auf der Facebook-Seite von Ralf Fuecks (bis Anfang 2017 Vorstand der Boell-Stiftung sowie einer der frühen Grünen) eingeschaltet. Es ging um Ralf Fücks' - möglicherweise reflexionsarme - Unterstützung für Anna Veronika Wendlands zweitem ganzen Facebook-Thread gegen mich, der sich im Beisein und mit den verbalen Beteiligugnen von Prof. Dr. Jörg Baberowski, einem geschichtsrevisionistisch argumentierenden deutschen Historiker, Ernst Nolte-Versteher ("Nolte wurde Unrecht getan") und "Kaukasusspezialisten" vollzog.

An Ralf Fuecks gerichtet, der am 22.8.2017 die Notwendigkeit einer Aufarbeitung des stalinschen "Großen Terrors zu betonen schien, schrieb ich:


 Ich kann Sebastian Lakner eigentlich beruhigen: Ich mache die Haltung zu Geschichtsrevisionismus (und etwa auch zu russischem Kolonialrassismus) vorwiegend an der Haltung zu Geschichtsrevisionismus und russischem Kolonialrassismus fest..D.h., ich gucke mir an, wie sich einzelne Individuen oder etwa auch ganze Institutionen, auch die bis vor kurzem von Ralf Fuecks geleitete Boell-Stiftung, zu geschichtsrevisionistischen Topoi positionieren. Selbstverständlich spielt auch eine Rolle, wie man sich zu bekannten Geschichtsrevisionisten stellt und wie man - vergleichsweise - mit  nichtrevisionistisch argumentierenden Historikern umgeht.

Prof. Dr. Jörg Baberowski nimmt bei meiner speziellen Angelegenheit insofern eine sehr zentrale Rolle ein, als er eine herausgehobene Rolle in innerwissenschaftlichen Netzwerken in diesem Bereich innehat wie auch medial sehr gepusht wurde. Er tritt als der deutsche Experte für alles mögliche auf, bestärkt neurechte Argumentationsweisen, benutzt populistische Rhetorik und gibt eher flüchtlingsfeindliche Statements ab. Auseinandersetzungen mit ihm nehmen notwendigerweise eine personalisierte Form an, da er sich Argumenten verschließt, sich nicht auf inhaltliche Auseinandersetzungen einläßt, dabei weiterhin sehr viel öffentliche Unterstützung erfährt. Er hatte oder hat ganzes Presse- und Medienarsenal zu seiner Verfügung, das bei Bedarf auch Widerspruch aussschalten kann (so die NZZ) oder öffentlich und wirkungsvoll Kritiker diffamiert (siehe FAZ). Er blockiert mit seiner revisionistischen Haltung folglich (d.h. auch dank seiner Netzwerke und zugehöriger Loyalitäten sowie vermutlich geschuldet auch den Ängsten derjenigen Historiker-Kollegen, die eigentlich anderer Meinung wären oder zumindest selbst andere Positionen gelten lassen würden.... ) eine kritische historische Aufarbeitung.

 Lakner hält es offenbar gern mit seinen 'Sportsfreunden'' und deren biegsamen Meinungen, er ist so gar nicht "fixiert", intellektuellenfeindlich (bzw. am "basisdemokratischen" Facebook-Gerichtshof orientiert) oder undifferenziert in seinen Positionen:



Trotz des sich allmählich abkühlenden Tons habe ich im Verlauf des Gesprächs Lakner noch angeboten, Korrekturen in meinem angeblich mit vielen Fehlern duchsetzten früheren Blogbeitrag vorzunehmen:



Kurz danach, sowie nach Einstellen eines einzelnen (!) Belegs für die Art der (anhaltenden) Äußerungen Lakners zu meiner Person gegenüber Dritten bzw gegenüber der virtuellen Öffentlichkeit, waren sämtliche Kommentare Sebastian Lakners verschwunden gewesen -  ohne daß er mich gesperrt hätte. Er hat seinen gesamten Part bei diesem "Gespräch" auf Ralf Fuecks Seite gelöscht. Welche Sachfehler ich im Konkreten gemacht hätte, habe ich also nicht erfahren können....

Ich möchte mich trotzdem korrigieren bzw. das zumindest, angesichts meiner fehlenden Datenbasis, versuchen: Sebastian Lakner ist vermutlich ein ungrüner Dozent. Er hat mit den Grünen so gut wie nichts gemeinsam. Er trägt nur widerwillig grüne T-Shirts und steht wegen seiner vehementen Grünen-Kritik an der Universität Göttingen vermutlich unter starkem Beschuß. Er schließt sich Viola von Cramons Positionen in "Meinungsfreiheits-Fragen" nicht mehr oder weniger automatisch an, d.h. ohne selbst sorgsam zu prüfen, er greift auf der Facebook-Seite von Ralf Fuecks auch nicht ein, weil es ihm "um die Partei" ginge;  er hat auch folglich auch nicht mit dem in grünen Kreisen weiterhin akzeptierten Jörg Baberowski oder Sympathien für dessen Geschichtsklitterung zu tun. Man sollte solidarisch mit ihm sein. Er weist eine höchst diffizile, differenzierte, individuelle Argumentationsweise auf.


3. Eine Collage sachlichen Austausches:

 Sebastian Lakner hat sich auch nicht, wie ich irrigerweise angenommen und fälschlicherweise behautpet hatte, an einem "Hetzmob" beteiligt, er hat sich sachlich ausgetauscht. Auch das habe ich von ihm über die Begegnung bei Ralph Fuecks (am 22.8.2017) gelernt:


 Ich habe also einen Fehler begangen, als ich dachte, daß Lakner, als er sich im November 2016 an eine "Diskussion" Sönke Henning Tappes und seiner Fangemeinde über Wesen, Wirken und Wollen der Irma Kreiten (besorgtes Kofpschütteln über psychische Auffälligkeiten und geistige Erkrankungen eingeschlossen) beteiligte, sich auf eine ähnlich abschüssige und von intellektuellem Gerümpel (also etwa Journalisten, besserwisserische Historiker, arrogante Ethnologen, verharmlosende Islamkritiker-Kritiker....     ) befreite Ebene begeben hätte, wie sie diverse. gern schnell zustimmende, vorzugsweise Katzen- und Hundephotos oder Sinnsprüche postende Facebook-Nutzer bereits zuvor beschritten hatten. Es wurde vielmehr gemeinschaftlich und basisdemokratisch über meine intellektuelle Inkonsistenz sowie die Unredlichkeit und politische Nutzlosigkeit meiner eigentlichen Forschungsarbeit diskutiert.

Seine Aktivitäten als beunruhigter Demokrat hat Lakner auch noch nach dem November 2016 fortgesetzt. Hier findet sich denn abschließend eine Zusammenstellung seiner weiteren fachlichen und inhaltichen Auseinandersetzung mit "Irma Kreiten" über die Facebook-Seite Sönke Henning Tappee, der dank in umfangreicher  und in mühseliger Arbeit erstellten  Beurteilungen meiner Person nun auch schon vielfache Referenzen auf diesem Gebiet vorweisen kann und ohnehin für unverfälschte Sachlichkeit und Exaktheit, gerade auch beim Zitieren, steht.
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- 14. April 2017 bei Sönke Henning Tappe:
(Dieser wollte just zum Zeitpunkt einer erneuerten Anzeige bemerkt haben, daß ich ca. ein halbes Jahr zuvor einen Blogeintrag über ihn verfaßt hatte.... )




Ich bin auf intellektuellem Gebiet tatsächlich keine Autofahrerin, denn da gelten andere Regeln, als an den Leitplanken entlangzufahren, blinkenden Lichtern zu folgen und sich zu entscheiden, ob man sich gemäß verkehrstechnischer Anforderungen lieber rechts in die eine Richtung oder links in die anderer Richtung bewegt (um Unfälle zu vermeiden). Autobahnen erinnern mich als Historikerin an andere Zusammenhänge und professionelle (Betriebs-)Unfallvermeidunsstrategien sehen so aus, daß man sich dicht an sein Quellenmaterial hält, auf Belegbarkeit achtet und ansonsten prüft, mit welchem Manual (theoretisch-methodische Ansätze) sich denn diese Quellen am besten aufschlüsseln, deuten und ordnen lassen. Man orientiert sich da nicht einfach an der Stoßstange seines Vordermannes. Es kann einem Geisteswissenschaftler durchaus mal helfen, den Weg querfeldein zu wagen und durch die Grashalme hindurch zu blicken. Oder zu erleben, wie die Welt kopfüber aussieht. 

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- am 18.4.2017, bei Sönke Henning Tappe, da es ungehörig ist, wenn man den Erdogan-Aufhänger und zugehörige Projektionsflächen schüchterner deutscher Kulturrassisten thematisiert)


Wie war das gleich noch mal mit Stalking gewesen?
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 - am 24. April 2017, bei einem Sönke Henning Tappe, der  den Unterschied zwischen Kritik und Verleumdung per phantasievoller Konstruktionen offenbar weiterhin nicht verstehen will und darum über ihm (von mir) nicht gewährte "Meinungsfreiheit" jammert:




Ja, Herr Lakner, ich war so frech, maßlos und frei, in einem NEX24-Artikel einen nunmehr berühmten Autor, der in seinen Welt-Artikeln in etwa die gleichen Aussparungen und andererseits klischeehaften Schwerpunktsetzungen praktiziert hat, wie ich sie seit Jahren beklage, in Menschenrechts- und Meinungsfreiheitsangelegenheiten zu vergleichen mit a) nordkaukasischen Intellektuellen in der RF oder der Türkei und deren mißlicher Situation (hinsichtlich derer sich ein Deniz Yücel zuvor meines Wissens ausgeschwiegen, sich  NIE solidarisch erklärt hatte) 
sowie b) ganz perfide, mit meiner schäbigen Person. 

Das ist natürlich eine Anmaßung. Wo kämen wir hin, wenn Menschen als fundamental gleichwertig begriffen würden, denn jeder Realist weiß ja, daß sie von unterschiedlicher Wertigkeit sind. Sie sind nicht nur gemäß ihrer Vorlieben, Interessen, charakterlichen Qualitäten, besonderen intellektuellen Gaben verschieden- sie heben sich voneinander ab auch in ihren Rechten und dem Maß an Solidarität, das man ihnen gemäß ihrer persönlichen Merkmale und Gruppenzugehörigkeit gewähren sollte. Bemessen wird der jeweilige Anspruch auf Würde und Freiheiten in der Selbstentfaltung und gesteuert wird der öffentliche Solidaritätshaushalt selbstverständlich gemäß religiöser Befindlichkeiten, geographischer Herkunft, Habitus und politischer Verortung, geopolitischen Erwägungen, sozialer Zugehärigkeit und der eigenen Finanzkraft, der Attraktivität des Arbeitsgebers, der Angesehenheit von Netzwerken und Organisationen, denen man vielleicht zugehört, auch gemäß weiterer, variabler Faktoren. Wer würde da nicht differenzieren wollen.... 



Na ja, Herr Lakner, ich erinnere zwar nicht mehr, wo ich "opportunistischer Akademiker und Karrieist" gesagt haben soll, aber Sie werden das sicher besser wissen. Und zusammen mit Dieter Wachholz, Norbert Grünewald sowie all den anderen ausgewiesenen Fachleuten und Facebook-Allround-Experten beurteilen können..

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- 19. Juni 2017, bei Sönke Henning Tappe, der dem entsprechenden Thread ein (im übrigen unbelegtes, aber seien wir nicht so kleinlich) Wikimannia-Zitat zur "Belastung" meiner Person vorausgestellt hatte:


Auch da muß ich Sebastian Lakner zustimmen.  Prof. Dr. Jörg Baberowksi, der Kaukasusspezialist und Gewlatexperte, ist natürlich viel objektiver und sachlicher. Lakner ist zu diesem Schluß gekommen, nachdem er (auch russischsprachige) Quellen studiert und die Fachliteratur geprüft hat und damit bestätigen kann, daß, wenn überhaupt, nur einige tusende Tscherkessen ins Osmanische Reich geflohen sind, also sozusagen fast freiwillig ihre Heimat verlassen haben. Und auch nur im Jahr 1874. Sie können durchargumentieren, was an meinem Journal of Genocide Research-Artikel alles so falsch und unsachlich war, warum international profilierte Historiker beim gleichen Thema ebenfalls grob falsch liegen und daß demzufolge mein dauerhafter Ausschluß aus der wissenschaftlichen Community - dank wachsamer deutscher Kollegen - sowie eine absolute gesellschaftliche Außenseiterrolle vollständig ge rechtfertigt sind. 

Auch das Anführen einer wikimannia-Quelle ist natürlich ungleich sachlicher als alle meine Blogbeiträge. Wer etwa behauptet, daß wikimannnia ein Refugium gefrusteter Männer mit einem Verdummungsfaktor von 50% sei, die sich einen "Anschein von Professionalität" gäben über das "Einfügen aus dem Zusammenhang gerissener oder sinnloser Zitate, über deren Existenz mithilfe von stümperhaften Autorentexten hinwegzutrösten versucht wird", ist ein schäbiger, armseliger Lügner.* Auch Lügen-Vice beteiligt sich an der Verleumdung dieses eminent wichtigen Online-Nachschlagewerks, das von "[h]arte[n] Kerlchen" gemacht wird (ich würde eigentlich gleich noch ein paar Personen dazuzählen wollen).



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27. 8. 2017, bei Sönke Henning Tappe:


Herr Lakner, ich bin tatsächlich verwirrt. Ich wußte nicht, daß ich, als ich eine bestimmte Unterströmung von "Antideutschen" (linksextreme Szene) mittels eines konkreten Aufhängers etwas durch den Kakao gezogen hatten, nachdem ich gefühlte 90% meiner Zeit als "kritische Linke" damit zugebracht hatte, Querfrontler, Verschwörugnstheoretiker, Putinfans, Assadjünger und Nordkorea-Freunschaftsvereins-Mitglieder kritisiert hatte, tatsächlich über mich selbst geschrieben habe. Wie gut, daß Sie mir das (bwz. eigentlich erst den anderen) gesagt hatten. Außerdem dachte ich, daß wir Meinungsfreiheit hätten.

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-  30.8.2017, bei Sönke Henning Tappe, bezogen auf meine drei Blogposts zu meiner Historiker-Kolegin Anna Veronika Wendland:



Lieber Herr Lakner, suchen Sie sich doch bitte aus dem politischen Farbenspektrum einfach etwas aus, das Ihrer Meinung nach auf AfD-Liebhaber und solche,Personen oder Fake-Profile, die die Identität Europas durch Flüchtlinge sowie Muslime bedroht sehen, oder auch etwa auf einen Alexander Gauland (ebenfalls AfD), gut paßt.



Doch Herr Lakner, Ihnen passiert gerade dies, Sie gehen über (etwa von einer Demokratenposition) zu einem neu interpretierten, allerdings nicht beosnders originellen Kreuzrittertum, d.h. Sie positionieren sich mit Ihrer Verniedlichung von Hetzmobs zu einer lockeren Gruppierung von Personen mit einem Interesse an 'Austausch' auf der Seite derer bzw. handeln denjenigen (z.B. rechtspopulistischen Interessensgruppierungen) zum Nutzen, die an an westeuropäische identitäre und kreuzritterhafte russische Diskurse (den eines wiederzubelebenden Byzanz oder "Dritten Roms" aus dem ausgehenden 18. sowie dem 19. Jahrhundert) anknüpfen und damit an Diskurse, die die Unterwerfung des Nord- bzw. Westkaukasus vorbereiteten, legitimierten und begleiteten.