Zarische Truppen, Krasnaja Poljana, 21.5.1864

Zarische Truppen, Krasnaja Poljana, 21.5.1864

Sonntag, 2. Februar 2014

"No Sochi"-Demonstration vor dem Russischen Konsulat in Istanbul (2.2.2014)

Heute mittag hat in Istanbul vor dem Russischen Konsulat auf der Fußgängermeile Istiklal in Beyoğlu eine Demonstration samt Pressekundgebung gegen die Austragung der Winterspiele in Sotschi stattgefunden. Da ich davon ausgehe, daß deutsche Medien hierüber wie gewohnt nicht berichten werden, möchte ich hier zu Informationszwecken zumindest die Presseerklärung und ein paar Photos von der sehr gut besuchten Demonstration selbst einstellen. Die facebook-Seite der Veranstaltung findet sich hier. Die Veranstaltung fand auf der Grundlage eines breiten tscherkessischen Bündnisses statt, offiziell aufgerufen hatten:

Ankara Çerkes Derneği - Tscherkessischer Vereinigung Ankara
Çerkes Dernekleri Federasyonu -Föderation der Tscherkessischen Vereinigungen
Çerkes Hakları İnisiyatifi - Tscherkessische Rechtsinitiative (um Verwechslungen vorzubeugen: gemeint sind Demkratisierung und Minderheitenrechte in der Türkei!)
 Çoğulcu Demokrasi Hareketi - Demokratiebewegung Multitude
EsKafGençKom ( Eskişehir Kuzey Kafkas Kültür ve Dayanışma Derneği Gençlik Komisyonu )  - Jugendkommission des Nordkaukasischen Kultur- und Solidaritätsvereins Eskişehir
Erbaa Kafkas Kültür Derneği - Kaukasischer Kulturverein Erbaa
İstanbul Kafkas Kültür Derneği - Kaukasischer Kulturverein Istanbul
İKKD Genç ( İstanbul Kafkas Kültür Derneği Genç ) - Jugend des Kaukasischen Kulturvereins Istanbul
JINEPS Gazetesi - Zeitung Jineps
Kafkas-Çeçen Yardımlaşma ve Dayanışma Derneği (Bağcılar) - Kaukasisch-tschetschenischer Hilfs- und Solidaritätsverein
Kafkas Vakfı - Kaukasus-Stiftung
Kafkasya Forumu - Caucasus Forum
Merzifon Kafkas Derneği - Kaukasischer Verein Merzifon
NoSochi2014 İnisiyatif - NoSochi2014 Initiative 



Die Demonstranten sammelten sich gegen
13:00 Uhr zunächst vor Odakule (Istiklal):
  

 
                                                                                               
     Danach wurde die Istiklal entlang ein Spalier aus Demonstranten gebildet:







Schweigender Zug durch das Spalier, allen voran der Thamade (Der Thamade ist gemäß der Xabze genannten tscherkessischen Etikette der ehrenvolle Titel für eine Person, die sich durch Erfahrung, Wissen und/oder Alter auszeichnet und als Autoritätsperson verschiedene gesellschaftliche Funktionen innehat).






















Anschließend wurde neben dem Russischen Konsulat unter regem Medieninteresse von Billur Aktürk die Presseerklärung verlesen.

Ins Deutsche übersetzt lautet der Text des zugehörigen Flugblattes wie folgt (die Presseerklärung wich hiervon ein wenig ab, ich bemühe mich noch, auch diese als Text zu bekommen): 
 "Wir sind gegen die Winterolmpiade, die vom 7.-24. Februar 2014 in Sotschi, einem Sommerferienort Rußlands, veranstaltet wird..!! Denn: Sotschi ist die historische Hauptstadt Tscherkessiens und bildet das Zentrum des Völkermords an den Tscherkessen, bei dem 1864 1,5 Millionen Männer, Frauen und Kinder ermordet und mehr als 1 Million Menschen ins Exil geschickt wurden. 
Bei Aushebungen im Rahmen der Bauarbeiten werten weiterhin Massengräber gefunden. Der historische Names des Ortes, an dem das Olympische Dorf von Sotschi erbaut wurde, ist Kbaada. Er wurde angesichts des nach Kriegsende im Jahr 1864 fließenden Blutes in "Krasnaja Poljana" , was so viel wie "Rote Wiese" heißt, umbenannt. 
In Sochi hat die Tötung von Straßentieren erschreckende Ausmaße erreicht. Offiziell wurde die Tötung von 2000 Hunden und Katzen beschlossen. Hierfür hat es sogar eine Ausschreibung gegeben. Es ist jedoch bekannt, daß die tatsächliche Zahl weit hierüber liegt. Das heißt, in Sotschi wird auch ein Massemord an Tieren veranstaltet. 
Rußland hat, um für Sicherheit bei den Olympischen Spiele zu sorgen Sotschi und den gesamten Kaukasus zum Sperrgebiet gemacht und begeht dort Menschenrechtsverletzungen in einem Ausmaß, das man sich nicht vorstellen kann. Der Täter bleibt fast immer unerkannt. Es werden Morde begangen und unzählige Verhaftungen getätigt. 
Von den im Kaukasus lebenden Muslimen werden sogar Blutproben genommen. Die als "gefährlich" Geltenden werden ausgewiesen. 
Ebenso werden die Menschen, die in Sotschi, das nun an ein Lager erinnert, leben, ohne daß ihre Zustimmung eingeholt würde, mit Gewalt von ihren Wohnorten vertrieben. 
Wir protestieren dagegen und verurteilen es, daß im Schatten von all diesem in Sotschi die Oympiade als ein Symbol des Friedens veranstaltet wird. Was ist das für ein Sport? Was ist das für eine Olympiade? Was ist das für ein Frieden? 
Wir laden Sie im Namen einer besseren Welt und eines Lebens in Frieden dazu ein, gegenüber dieser  "Blutolympiade", die im Februar 2014 beginnt, Sensibilität zu zeigen.
NoSochi 2014 Platform
NoSochi 2014 Initiative
www.nosochi.net"


(Wenn mir eine kritische Anmerkung gestattet sei: ein paar in der Presseerklärung enthaltene Informationen sind etwas ungenau, wie etwa die Übersetzung von "Krasnaja Poljana" - was auf Russisch wahlweise "Schöne Bergwiese" oder "Rote Bergwiese" bedeutet. D.h. diese Bezeichung muß keine Anspielung auf das vergossene Blut beinhalten - die Überlieferungen zur russischen Namensgebung gehen auseinander. Ebenfalls etwas irreführend sind die Passagen in Bezug auf das Kriegsende und den Völkermord an den Tscherkessen: Blut floß vor und nach dem 21.Mai 1864 in Strömen. Dies soll hier aber nur gesagt werden, damit hier keine irrtümlichen Rückschlüsse auf meine persönlichen Ansichten zu den historischen Abläufen und Mustern geschlossen werden. Meiner Unterstützung für das Anliegen der Protestierenden tut dies allerdings keinen Abbruch.)

















 


Hier noch ein paar weitere visuelle Eindrücke von der Demonstration:

 
      Symbolische Grabsteine, die für den 21.5.1864 - den tscherkessischen  Tag der Trauer - stehen.  Obenauf sieht man die "tamga" genannten Familienwappen der Tscherkessen
 

  "Wir sind nicht gegen die Olympiade, wir sind gegen den Ort ihrer Austragung!"  






                                   Die junge Generation demonstriert mit.                                  


















                                            
                                                                                                            Photos: Irma Kreiten

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