Zarische Truppen, Krasnaja Poljana, 21.5.1864

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Dienstag, 16. Dezember 2014

Erste Reaktion auf "Rainer Rothfuß goes Querfront": Rothfuß stimmt Mahnwachen-Argumentationsschema zu

Gestern ist in der Tübinger Ringvorlesung "Clash of Civilizations?" (Studium Generale) der Schweizer Verschwörungsideologe und Querfront-Stratege Dr. Daniele Ganser aufgetreten mit einem Vortrag zu 9/11. Ich hatte in meinem vorherigen blogpost auf dessen Hintergrund aufmerksam gemacht, siehe:

"Rainer Rothfuß goes Querfront: Tübinger Ringvorlesung "Clash of Civilizations" bedient antiukrainische Propaganda, rechtsesoterische Verschwörungstheorien und Islamophobie" 

Da die Ringvorlesung eine eigene Facebook-Seite besitzt, die erklärtermaßen der Diskussion dienen soll, habe ich meinen Artikel (gestern abend noch) auch dort gepostet.

Eine erste Reaktion hierauf vom Seitenbetreiber habe ich heute morgen erhalten. Entsprechend dem nunmehr üblichen Truther-Argumentationsschema wird allerdings Kritik mit "Diffamierung" gleichgesetzt und, statt mit Argumenten und sachdienlichen Inhalten zu kontern, auf die Kritisierenden abgehoben, denen man, ebenfalls üblich, unlautere Motive und Absichten unterstellt: 






Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein weiterer Kommentar bzw.die Tatsache, daß hier eine klassische Mahnwachenargumentation beim Seitenbetreiber Zustimmung findet. So heißt es im "gelikten" Kommentar:
 

"Eine Unterwanderung "rechtsesotherischer Ideen" oder "USA-Bashing" sind jetzt auch keine überzeugenden Argumente gegen einen solchen Vortrag, denn sobald einer als "Antisemit" oder Verschwörungstheoretiker" bezeichnet wird, braucht man ihm schon nicht mehr zuhören. Stigmatisierung ist ein gängiges Phänomen.Zur Zeit ist es in den Medien und deren Umgang mit den "Mahnwachen für den Frieden" zu erkennen, da werden Leute die sich für Frieden einsetzen wollen (des Krieges in der Ukraine geschuldet, oder zu danken) mit der Antisemitenkeule diffamiert. Natürlich gibt es dort auch rechtsesotherische Spinner, und soweiter, aber sobald diese Bewegung für den Frieden zum rechten Lager hin stigmatisiert wird, verliert sie ihre Legitimität."


                                

Wie mir scheint, sind die vielen kritischen Presseberichte und Interviews, prominente Distanzierungen samt argumentativer Untermauerung, Blogartikel und auch Analysen, wie sie etwa auch die Seite  "Friedensdemowatch" immer wieder erstellt, in den letzten Wochen und Monaten mehr oder weniger spurlos an Herrn Prof. Dr. Rainer Rothfuß vorbeigegangen.

Daß für die Seite "Clash of Civilizations?" Prof. Dr. Rainer Rothfuß selbst verantwortlich ist - und nur er - sieht man hier am Impressum:






Nachtrag (12:30): Mittlerweile hat sich Herr Rothfuß noch einmal gemeldet und schreibt von meiner 'Fleißarbeit' ("fleißige Zusammenstellung von Informatoinen"), die er sich dann über die Feiertage ansehen wolle. Immerhin ist der Ton freundlich gehalten, wenn mich auch wundert, wie Herr Rothfuß so schnell zu der Auffassung gelangen konnte, in meinem Text und meiner vorangegangenen Arbeit stecke keine Analyse. 



Was allerdings von schwerwiegenderer Bedeutung ist: 
Die kritische Auseinandersetzung mit Ganser und seinen Thesen hätte vor der Einladung bzw. spätestens vor dem Vortrag selbst erfolgen müssen; kleinere Anlässe dafür hatte es ja wohl bereits gegeben. Die Studium Generale-Vorlesung dürfte aus Truther-Sicht eine Art Meilenstein darstellen auf ihrem Weg nach allgemeiner gesellschaftlicher Anerkennung und hin zu institutionellem Rückhalt für ihre sogenannten "Alternativ"-Meinungen. 

Ob nun das bisher Versäumte noch nachgeholt werden wird oder nicht, ist angesichts dessen zweitrangig. Das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen, die Veranstaltung hat an einer angesehenen deutschen Universität stattgefunden, das Video steht im Netz. Nachträgliche Bedenken werden die Truther, sollte hier nicht doch noch auf breiterer Basis öffentliche Kritik und Aufklärung folgen, kaum kümmern. Dr. Daniele Ganser, der in seiner Schweizer Heimat zunehmend in Verruf gerät, hat nun sozusagen von der Eberhard Karls Universität Tübingen für seine "9/11"-Trutherszenarien einen weiteren Legitimierungsstempel und eine Unbedenklichkeitserklärung erhalten, seine Fangemeinden vom linken und rechten Rand werden das nun vor sich hertragen und für sich zu nutzen wissen.



Kommentare:

  1. "Nachtrag (12:30): Mittlerweile hat sich Herr Rothfuß noch einmal gemeldet und schreibt von meiner 'Fleißarbeit' ("fleißige Zusammenstellung von Informatoinen"), die er sich dann über die Feiertage ansehen wolle. Immerhin ist der Ton freundlich gehalten, wenn mich auch wundert, wie Herr Rothfuß so schnell zu der Auffassung gelangen konnte, in meinem Text und meiner vorangegangenen Arbeit stecke keine Analyse."

    Wo hat Hr. Rothfuß denn gemeint, dass in Ihrem Artikel keine Analyse stecke?

    MfG
    Dieter Müller

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    1. Darf ich Sie, abgesehen vom üblichen Kontext und der damit einhergehenden Bedeutung, in dem männliche Kollegen gerne weiblichen Akademikern "Fleißarbeit" bescheinigen (und den ein Herr Rothfuß ja auch kennen dürfte bzw. kennen sollte), auf die Definition des Duden verweisen?
      "Bedeutungsübersicht
      1. Arbeit, die viel Fleiß erfordert
      2. (oft leicht abwertend) mit viel Fleiß zustande gekommene, aber wenig Anregendes enthaltende Arbeit"
      http://www.duden.de/rechtschreibung/Fleiszarbeit

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