Zarische Truppen, Krasnaja Poljana, 21.5.1864

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Samstag, 21. Februar 2015

TAZ-Antwort bestätigt: Generelle Kommentarsperre aufgrund von Kritik an einzelnem TAZ-Redakteur

Am 7.2.2015 hatte die TAZ ein Interview veröffentlicht, in dem (u.a. aufgrund von verfehlter Interviewführung) kolonialrassistischen Stereotypen über Tschetschenen bzw. generell sogennanten "archaischen" außereuropäischen Kulturen der Anschein wissenschaftlicher Expertise verliehen worden war. Anläßlich dieses Artikels hatte ich erstmals bemerkt, daß meine Kommentare in der Taz nicht mehr freigeschaltet wurden. Auch in den folgenden Tagen gingen Nutzerbeiträge von mir spurlos verloren. Am 17.2.2015 habe ich nach einem weiteren nicht erschienenen Kommentar die TAZ hierüber in Kenntnis gesetzt und nach Ausbleiben einer zeitnahen Reaktion am 18.2.2015 dann auch einen ersten Blogeintrag hierzu verfaßt (siehe "Bestrafungsaktion von der TAZ"). 

Zunächst erhielt ich am 18.2.2015 eine email zur Antwort, in der behauptet wurde, daß am Vortag "ein technisches Problem" vorgelegen habe und "viele Kommentare" die TAZ nicht erreicht hätten. Man versprach mir: "Jetzt ist die Störung behoben und Sie können wie gewohnt kommentieren.".Ich habe das ausprobiert und wäre  auch gewillt gewesen, das vorherige Nichterscheinen weitere Kommentare von mir auf technische Probleme zu schieben. Aber nein, auch ein am 18.2.2015 abgeschickter Testkommentar blieb unauffindbar. Am darauffolgenden Tag (19.2.2015) habe ich dies wiederum der TAZ-online-Redaktion mitgeteilt und erhielt daraufhin diese Antwort (ebenfalls 19.2.20145





Diese Antwort scheint denn meinen vorangegangenen Verdacht zu bestätigen, daß das Nichterscheinen meiner Kommentare als Art Berstrafungsaktion (mit mutmaßlich pädagogischer Wirkung?) gedacht war. Der Vorwurf, ich hätte diffamierende Äußerungen getätigt, wird nicht einmal an einer konkreten Belegstelle festgemacht. Möglicherweise ist das Schreiben der Redaktion damit seinerseits als ehrenrührig zu bewerten. Für ein detaillierteres Eingehen auf den Vorwurf des in diesem Falle anonym gebliebenen Online-Redakteurs (die vorangegangene email war immerhin noch freundlich mit einem Vornamen unterzeichnet worden) siehe meine Ausführungen weiter unten.

Meine umgehende Rückfrage an die TAZ-Redaktion lautete: 

"Hallo TAZ,

Danke für die Nachricht. Könnten Sie mir bitte den entsprechenden Facebook-Post nennen und begründen, warum Sie diesen nicht als zulässige und sachlich begründbare Kritik, sondern öffentliche Diffamierung wahrnehmen? Wer hat sich betroffen gefühlt? Herr Bröckers? Frau Lehmann? Derjenige, der fachfremd das Interview mit Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber geführt hat?

Und handelt es sich bei dem inkriminierten Kommentar um einen facebook-Post auf meiner eigenen Seite, einem Forum oder der FB-Seite der TAZ? Verfolgen Sie grundsätzlich, wie Ihre Leser zu einzelnen Beiträgen/Autoren der TAZ stehen und entscheiden demgemäß, ob Ihre Leser bei Ihnen noch kommentieren dürfen? Warum sind bei Ihnen im Laufe des letzten Jahres bei putinkritischen Artikeln massig Kommentare erschienen, die TAZ-Journalisten aus Querfront-Sicht direkt und persönlich angepöbelt und weitgehend argumentationsfrei diffamiert haben? Falls Sie diese selbst nicht mehr auffinden können sollten, schicke ich Ihnen gerne eine Auswahl von entsprechenden screenshots zu. Warum hat selbst das Verlinken verschwörungsideologischer, tendentiell volksverhetzender Desinformations-Quellen wenig bis gar nicht gestört bzw. wurde im Zuge von "Meinungsfreiheit" zumindest akzeptiert? Haben Sie eher ein Problem mit Sachargumenten denn mit abfällig formulierten, persönlich verletzenden "Meinungen"?

Eine Antwort auf diese Fragen dürfte,so nehme ich an, hinsichtlich der TAZ-Praxis in Bezug auf Meinungsfreiheit, antirassistische, antimilitaristische und antifaschistische, d.h. traditionell linksdemokratische Positionen und die Statthaftigkiet von Kritik auch von breiterem öffentlichen Interesse sein. Ich weise Sie auch darauf hin, daß ich das aus meiner Sicht aktuell mangelhaft ausgeprägte Kritikverständnis der TAZ, fehlende Sachlichkeit/Neutralität in mehreren redaktionellen Teilbereichen und einen mangelnden Respekt Ihrerseits vor dem Fachwissen anderer Berufsgrupppen bereits hier

http://sochi2014-nachgefragt.blogspot.com.tr/2015/02/bestrafungsaktion-von-der-taz.html

angerissen habe und diese meine Kritik, sollte von TAZ-Seite hier kein Wunsch zu Klärung und Bereinigung bestehen, auch vertiefen und mit den entsprechenden Literaturbelegen untermauern werde. Ich erwäge auch eine Beschwerde beim Presserat bezüglich der in der TAZ erfolgten Diffamierung der Tschetschenen als Volksgruppe, die seit mehr als 200 Jahren immer wieder Opfer der imperialen Politik des russischen Zentralstaats wurde und deren stereotype Darstellung im Zuge eines kolonialrassistischen Diskurses die TAZ direkt und indirekt fortsetzt. Falls in Deutschland kein hinreichendes Interesse bestehen sollte, werde ich mich in diesem Falle an ausländische Medien und Interessensvertretungen wenden.
MfG,
                                                                     Irma Kreiten"


Weiterere Erläuterungen zum Diffamierungsvorwurf: 

Ich bin hinsichtlich der Unterstellung der TAZ, eine diffamierende Äußerungen in Bezug auf einen konkreten TAZ-Redakteur getägt zu haben, durchaus zuversichtlich und glaube nicht, daß man mir tatsächlich Formulierungen oder Inhalte ankreiden könnte, die eine Löschung ganzer Kommentare oder gar eine vollständige Kommentarsperre legitimieren würden. Ja, ich habe an diversen Artikeln und auch einzelnen TAZ-Autoren Kritik geübt. Ich kann meine diesbezüglichen Beweggründe und Argumentationen gerne auch noch weiter vertiefen sowie entsprechend belegen, insbesondere dann, wenn man mir dafür einen angemesseneren Raum und ein geeigneteres Format zur Verfügung stellt wird als das in Form von Kommentarspalten unter den jeweiligen Artikeln gegeben ist.

 Ich erinnere mich - wenn ich jetzt mal gedanklich mein TAZ-"Sündenregister" durchgehe - auf Facebook mit Bezugnahme auf einen konkreten TAZ-Artikel sowie in Bezug auf eine einzelne Passage eines weiteren Artikels das Adjektiv "wichtelig" bzw. "wahnwichtelig" verwendet zu haben. Warum ich dies getan habe, kann ich, wenn denn die TAZ plausibel macht, daß sie bzw. der entsprechende Redakteur sich hieran gestoßen hat, gerne noch näher erläutern. Des weiteren hatte ich eine angenehm kritisch ausgefallene Buchbesprechung zu Matthias Bröckers, dem hauseigenen Verschwörungsideologen der TAZ, zusammen mit dem Kommentar "Dem TAZ-Molch guckt man nun auch mal auf seine Flossen...gut so." verlinkt. Der fragliche Artikel war in der FAZ erschienen und trug den Titel "Wir sind die Guten. Rassistische Esoterik". Die bröckersche Propaganda berührt mein Arbeitsgebiet und meine Anliegen insofern direkt, als sie eine antiliberale, rückwärtsgewandte deutsch-russische Völker- und wohl auch Seelenverwandtschaft beschwört. Despektierlicher und zynischer bin ich nicht geworden.

Falls die TAZ-Redaktion der Ansicht sein sollte, daß ich (auf meiner eigenen Facebook-Seite wohlgemerkt!) meine Kritik, Meinungen und Gedanken zu flapsig bzw. umgangssprachlich formuliert hätte oder mein auf Facebook zum Ausdruck kommendes persönliches Humorverständnis von ihr nicht nur nicht geteilt, sondern gar als sträflich empfunden wird, dürfte damit ihr Gespür für die strikte Einhaltung des bildungsbürgerlichen Codex und sprachlich "korrekten" Stils derart ausgeprägt sein (jedenfalls in Bezug auf TAZ-Fremde), daß man es als geradezu seismographisch bezeichnen müßte. Vielleicht sollte man künftig auch darüber diskutieren, der TAZ-Redaktion in ihren Berliner Örtlichkeiten zusätzlich zu ihren Redaktionspflichten auch noch die Aufgabe der Erdbeben- und Tsunami-Frühwarnung im ostasiatischen Raum vertrauensvoll zu übertragen. Ansonsten gelten die Bestimmungen des Grundgesetzes in Bezug auf Meinungsfreiheit; Kritik an Presserzeugnissen ist statthaft und in formalisierter Weise im deutschen Pressekodex (vielleicht guckt die TAZ-Redaktion da bei Gelegenheit auch noch mal rein) sogar explizit als Bestandteil eines ethischen Journalismus vorgesehen. 

Aufgrund des zeitlichen Abstandes halte ich es auch für extrem unwahrscheinlich, daß tatsächlich einzelne Facebook-Kommentare von mir den Ausschlag für ein generelles Kommentar"verbot" gegeben haben sollen. Ich war vielmehr von der TAZ auf facebook umgehend gesperrt worden, nachdem ich die fehlende Sachlichkeit und Sorgfalt Anna Lehmanns in Bezug auf einen von ihr verfaßten Artikel zur Zivilklauselbewegung zu thematisieren versucht hatte. Der erste in der online-TAZ nicht freigegebene Kommentar hatte sich, wie schon oben erwähnt, gegen ein Perpetuieren von Kolnialrassismus gewendet. Somit halte ich es für sehr viel wahrscheilicher, daß sich die TAZ schlicht deswegen angegriffen gefühlt hat und möglicherweise tödlich beleidigt war, weil meine Kritik berechtigt war und es sich bei ihr gerade nicht um die durchschnittlichen abfälligen Meinungsäußerungen oder auch Hetzereien gehandelt hatte, wie sie u.a. in der TAZ zu Dutzenden veröffentlicht werden (letztere haben mich und Bekannte oft genug selbst getroffen und waren in Bezug auf die Befindlcihkeiten der Tscherkessen und allgemein der Nordkaukasier vielfach bewußt grenzverletzend und provozierend und ohne daß die TAZ hier in irgendeiner ersichtlichen Form eingeschritten wäre). 

Bisher warte ich also immer noch darauf, daß die TAZ mir mitteilt, welcher meiner Kommentare gemeint gewesen sein soll und was an ihm denn nun als "diffamierend" oder beleidigend gewertet wurde. Aktuell ist Anna Lehmann für das neu lancierte "Hochschulwatch" verantwortlich - sicher auch eines der Prestigeprojekte der TAZ. Angesichts narrativer Parallelen, inhalticher Berühungspunkte und Affinitäten der Netzwerke von Zivilklauselbewegung und Transparenzinitiativen dürfte es sich für die TAZ gut treffen, daß ich an den entsprechenden Artikeln nun keine Kritik mehr anbringen, Verzerrungen und Aussparungen nicht mehr berichtigen und erläutern kann. Ich werde dies dann nun eben an anderer Stelle tun und man wird es trotzdem lesen. 

Allerdings sollte sich die TAZ überlegen, ob sie sich ausgerechnet jetzt, wo es darauf ankäme, einer weiteren Erosion demokratischer Werte und einem generellen gesellschaftlichen Vertrauensverlust entgegenzuarbeiten und dementsprechend für ein Mehr an Transparenz zu sorgen, mit derartigen, öffentlich nicht nachvollziehbaren Entscheidungen und Verhaltensweisen nicht ins eigene Fleisch schneidet. Nicht nur ist ein derart intransparenter und fragwürdiger Umgang mit mutmaßlich ungeliebten Perspektiven geeignet, das Klischee einer schlampig und voreingenommen arbeitenden Presse aufs Schönste zu erfüllen und damit - wenn es denn nicht wie in meinem Falle gerade um querfrontkritische Äußerungen geht - Mahnwachen-Diskurse weiter zu befeuern sowie wiilden Spekulationen das Terrain zu eröffnen.  

Die TAZ läuft hier obendrein Gefahr, ihre Glaubwürdigkeit gerade auch bei denjenigen zu verspielen, die bereit wären, eine unabhängige, pluralistische und liberale Presse auch zu verteidigen. Es entsteht der Eindruck, daß sich manche TAZ-Autoren im Einklang mit etwa sogenannten "Friedensbewegten" und auf Kosten eines freien Meinungs- und Diskussionsaustausches profilieren und sich mit den Interessen einer weitgefächerten proputinistischen Querfront gemein machen. Die TAZ stößt damit möglicherweise gerade diejenigen Querfrontkritiker vor den Kopf, die sie bräuchte, um sich effektiv gegen Angriffe gegen die sogenannte "Lügenpresse" und den von der Querfront aufgebauten Druck zur intentionsgetreuen Wiedergabe von deren Perspektiven zu Wehr setzen und die eigenen Qualitätsstandards zu wahren. 

Nicht nur Wichtelkreise können sich beschweren, auch Querfront-, Putin- und Mahnwachenkritiker sind dazu aufgefordert, auf eine sachgerechte, sorgfältige und ethisch akzeptable Berichterstattung zu achten und gegebenenfalls mit individuellen Schreiben, formalen Presseratsbeschwerden oder auch eigenen Petitionen auf den Erhalt eines Mindestmaßes an informationeller Ausgewogenheit, Pluralität der Perspektiven und redaktioneller Unabhängigkeit zu dringen. Die TAZ muß lernen, zwischen "Kritik" und "Diffamierung" zu unterscheiden und sollte imstande sein, diese Unterscheidung bei Bedarf auch auf sinnvolle und für die Öffentlichkeit plausible Weise darzulegen. In einem ersten Schritt sollte die TAZ bereits gemachten Fehlern und real vorhandenen Unzulänglichkeiten auf selbstreflexive Weise mit Offenheit begegnen und nicht weiter die eigenen Schwächen sowie mögliche strukturelle Zwänge mit einem überforschem Auftreten und gespieltem Auftrumpfen, einer dem Sachverhalt durchaus unangemessenen Arroganz und einer Fassade aus redaktioneller Unnahbarkeit zu kaschieren suchen.

Mittwoch, 18. Februar 2015

"Bestrafungsaktion" von der TAZ - Maulverbot für Kritik an schlechtem Journalismus?

1. Am  26.1.2014 hat mich die taz kommentarlos von ihrer Facebook-Seite herausgeworfen für wohl allzu offene Kritik an Anna Lehmanns Artikel "Anti-Rüstungsforschung an Hochschulen. Friedensbewegung reloaded". Ich hatte insbesonder auf Reiner Brauns Tätigkeit für die iranische Lobbyorganisation CASMII hingewiesen und auf Dietrich Schulzes moralische Legitimierung von Putins Krimannexion (siehe auch hier) sowie dessen Vorliebe für die Weltuntergangs-Szenarien des Neoeurasien-Propgandisten Michel Chossudovsky und Infos aus dem Umfeld des amerikanischen Verschwörungsfan und Teaparty-Idelogen Ron Paul (vermittelt über den von Schulze in jüngster Zeit offenbar gern zitierten Wolfgang Effenberger). Der Autorin hatte ich diese Zusammenhänge zuvor schon per email samt Nennung seriöser Quellen (u.a. Udo Baron) nahezubringen versucht, sie hatte daraufhin nicht reagiert und - so zeigen die Folgeartikel - auch gedanklich dichtgemacht. Offenbar sind die Beziehungen Lehmanns zu den beiden Hauptexponenten der sogenannten "Zivilklauselbewegung" Dietrich Schulze und Reiner Braun (ja, genau der Reiner Braun, der seit Monaten maßgeblich die rotbraune sogenannte "Friedensbewegung" vorantreibt) weiterhin gut. Auf Dietrich Schulzes "Zivilklausel"-Chronik erschien fast zeitgleich mit dem oben zitierten TAZ-Artikel ein Eintrag, demzufolge dieser freundliche taz-Artikel auf einem persönlichen Gespräch mit ihm und Reiner Braun beruhe. Kurze Zeit darauf wurde das abgeändert in ein "aufgrund Infos von Reiner Braun und Dietrich Schulze", d.h., ein persönliches Zusammentreffen im Rahmen des Zivilklausel-Vernetzungstreffens wurde damit verschleiert. 

Ich vermute, daß man nun auch im Rahmen des neu aufgelegten "Hochschulwatch"-Projektes von taz und Transparency International hinter den Szenen entweder direkt kooperiert oder doch zumindest gemeinsam am gleichen Strang zieht - insofern, als man den gleichen Kreisen angehört, deren Mitglieder und Verbündete sich gegenseitig stärken, sich die Themenbälle zuspielen und gemeinsam gegen Kritik und das Aufdecken unwürdigen Verhaltens in den eigenen Reihen mauern. Das Übereinkommen der Interessen von taz, Junge Welt und dem Schulze-Braun-Umfeld im Rahmen von "unileaks" und dem thematisch verwandten "Hochschulwatch", das gegenseitige Aufgreifen und thematische Befeuern ist jedenfalls für die, die es sehen wollen, nicht schwer zu erkennen.


Aktueller Ausschnitt aus Dietrich Schulzes "Zivilklausel"-Chronik: Junge Welt-TAZ-ZEIT-Hochschulwatch
Leider scheint sich sogar die ZEIT an diesem Projekt beteiligen bzw. dieses durch positive Berichterstattung unterstützen zu wollen, womit dieses Presseorgan samt Zeit-Briefkasten dann eventuell (nicht zwingenderweise!) ebenfalls als Korrektiv wegfällt. Diese Befürchtung drängt sich mir insbesondere auch deswegen auf, weil die ZEIT selbst ebenfalls mit dem Whistleblower-Netzwerk kooperiert, das wiederum dem weiteren Umfeld von Reiner Braun zuzurechnen ist und über dessen Vorstand Prof. Dr. Johannes Ludwig auch mit direkten Abhängigkeiten von der Öffentlichkeitsarbeit der russischen Regierung (hier eine kleine Kostprobe davon, mehr dazu an anderer Stelle) in Verbindung zu bringen ist.

 2. In der Online-taz konnte ich nach dem Herauswurf von der Facebook-taz noch kommentieren. Mittlerweile geht auch das nicht mehr. Das aktuelle Verschwinden von Kommentaren hat dort begonnen mit zwei bissigen Bemerkungen dazu, daß im taz-Interview "Psychologin über Blutrache. "Eine grandios-narzisstische Geste"" fachfremd eine Psychologin rassistische Klischees über Tschetschenen und sogenannte "archaische" außereuropäische Kulturen verbreiten konnte und dabei vom Interviewer noch kräftig mit den entsprechenden Stichworten und Suggestivfragen befeuert wurde (auf manche dieser Steilvorlagen läßt sich Marianna Leuzinger-Bohleber nicht ein, auf andere dann leider doch). Ich schildere das hier, weil ich nicht sicher sein kann, ob dieser Vorfall oder meine kritische Stellung zur Zivilklausel-Bewegung der taz den ausschlaggebenden Grund für ihre aktuelle Blockadehaltung geliefert hat oder irgendwann bei der online-Redaktion das erträgliche Maß an Berichtigungen, Sachergänzungen und inhaltlicher Kritik voll war.

Geführt hatte das unappetitliche Interview ein Johannes Pitsch, zu dem in der taz keinerlei personenbezogene Infos abrufbar sind. Ein wenig Suche ergibt einen Johannes Pitsch, der bis 2014 für ein Feinkost-Catering Unternehmen tätig war und sich seit Sommer letzten Jahres nun als freier Mitarbeiter bei u.a. der Frankfurter Rundschau versucht. Bei der FR scheint Pitsch nur wenige Wochen tätig gewesen zu sein, die Archivsuche fördert einen einzigen Artikel zu Tage, der sich eines von der Schließung bedrohten Karneval-Vereinsheims annimmt. Mir ergibt sich hierdurch das Bild, daß der mutmaßlich identische taz-Autor weder über eine journalistische Ausbildung verfügt noch auf ein hinreichendes Lernen aus der Praxis zurückblicken kann, um sich sensiblen interkulturellen Themen auf halbwegs seriöse Weise nähern zu können. Der Johannes Pitsch der taz hat bislang - abgesehen von besagtem Interview - zu einem Wäschereiservice, britischen Schoko-Ostereiern, einem deutschen Rapper, eine Halbsatire auf SM-Spielzeug, den bulgarischen Käsekuchen-Anreiz und dergleichen mehr geschrieben. Er wäre wohl vorerst besser auch bei dieser Sparte des Unterhaltungs-Journalismus mit seinen Meldungen zu Skurrilitäten und Merkwürdigkeiten geblieben.

Als besonders empörend und beschämend empfinde ich, daß somit in besagtem taz-Interview zwei völlig Fachfremde die phantastischsten Klischees, die man u.a. auf den Kolonialrassismus und die Völkerpsychologie des 19. Jahrhunderts zurückführen kann, einem Laienpublikum als "Expertenwissen" verkünden. Ich dagegen habe von der taz noch nie die Chance erhalten, mein Fachgebiet entsprechend breitenwirksam darzustellen. Obendrein hindert mich die taz-Online-Redaktion nun auch noch systematisch daran, mich als gewöhnlicher Leser zu äußern und meine Empörung über sachlich falsche und tendentiell volksverhetzende Darstellungen zu schildern. Hier begeht die taz offenbar Image-Pflege auf Kosten von Meinungsfreiheit und auf Kosten eines sachlichen, ausgewogenen Informierens ihres Publikums. Schlechter Journalismus soll wohl nicht als schlechter Journalismus erkannt und Rassismus nicht als Rassismus benannt werden. Welch üble kolonialrassistische Klischees in diesem Interview bedient wurden, wie abstrus die vertretenen Ansichten sind und wie sehr die Ausführungen auf einer fast vollständigen Begriffsverwirrung beruhen, werde ich ebenfalls - soweit mir dies angesichts meines Gesundheitszustandes noch möglich sein wird - in einem getrennnten Post samt Verweis auf die entsprechenden rechtsethnologischen Fachkonzepte, die gängige wissenschaftliche Sekundärliteratur und russische Quellenzitate zum vermeintlich "rachsüchtigen" und "kriminellen" Nordkaukasier als solchem erläutern. 

Ob die taz von Ursprung und Tendenz der im Interview getroffenen Behauptungen Kenntnis hatte oder nicht, ist letzendlich genauswenig von Bedeutung, wie es von Bedeutung ist, ob ein Ken Jebsen in der Lage und willens ist, den eigenen Antisemitismus als Antisemitismus zu erkennen oder der deutsche gewöhnliche Mittelstandsrassist in der Lage ist, sein Bild vom "Neger" kritisch zu hinterfragen. Daß seit dieser "Kaukasus-Episode" mit der taz auch andere Kommentare von mir nicht mehr erschienen sind, hatte ich schon bemerkt, wollte dem aber keine allzu große Bedeutung zumessen und hatte abgewartet, ob sich das Problem nicht von alleine behebt. Schließlich wird in der taz ja oft genug sichtbar darauf hingewiesen, wenn Kommentare nicht die Standards der Netiquette erfüllen. Selbst in Bezug auf wüste Putinisten-Pöbeleien gegen taz-Autoren ist man da eigentlich recht großzügig, anstößige Kommentare werden gekürzt freigeschaltet oder zumindest mit "Kommentar gelöscht"markiert. Auch bei einer möglichen Sperre des Nutzerkontos würde ich davon ausgehen, daß die taz diese mitteilt und begründet. Aber mein Konto ist ja auch nicht gesperrt, meine Kommentare gehen lediglich ins Leere.

3. Gestern nun ist in der TAZ ein Artikel zu dem Drittmittel-Problem deutscher Universitäten veröffentlicht worden. Dieser hatte mich vor allem deswegen interessiert, weil es sich bei ihm um einen Gast-Beitrag eines Professors handelte, der deutlich erkennbar aus eigener (schlechter) Erfahrung spricht, das Geschilderte intelligent beobachtet hat und unter dem Titel "Der Geist des Geldes" auch kein Blatt vor den Mund nimmt. Ich dachte, dies sei eine Gelegenheit dazu, auf ein eng verwandtes Thema aufmerksam zu machen, das bisher von fast allen Medien ignoriert worden ist: Der Austausch seriöser Genozidforschung durch einen Sasek-nahen Querfrontdiskurs und das dortige abstrakte Kritisieren von Verschwörungstheorien und Querfrontideologien unter Ausklammerung der eigenen Institution, so geschehen an der Universität Tübingen. Ich zitierte eine Passage aus dem Artikel selbst und schrieb:

"„In demselben Maße, in dem die Universität auf messbare Nutzenmaximierung getrimmt wird, produziert sie Nutzloses und Uninteressantes.“ - Mit dazuzurechnen zu diesem Phänomen wäre wohl auch, daß die universitäre Selbstanpreisung gerne maximale Orientierung an aktuellen gesellschaftlichen Problemkomplexen verspricht, diese vermeintliche Relevanz und Anwendungsorientiertheit dann auch immer wieder äußerst medienwirksam zu betonen weiß, im Zweifelsfall aber vornehme Zurückhaltung geübt wird bzw. man offensichtlich zurückschreckt vor einer wirklichen Intervention in gesellschaftliche Debatten dort, wo diese heikel sind und tatsächlichen Einsatz erfordern würden. Letztendlich findet der Zwang zur Orientierung an im politischen Diskurs bestimmten Interessen seine Ausformung in einer maximalen politischen Unverbindlichkeit und Flexibilität, die intellektuelle Verantwortung gerade nicht stärkt, sondern schwächt. So zumindest stellt es sich mir von außen dar, wenn sich etwa die Universität Tübingen einen prominenten Medienwissenschaftler leistet, der aktuell immer wieder einem breiten Publikum die Gefährlichkeit von Verschwörungstheorien auseinandersetzt und vor einem Dialog- und Kommunikationsinfarkt warnt, derselbe Akademiker aber (zumindest bisher noch) keinerlei Regung zeigt angesichts der Tatsache, daß an seiner eigenen Universität eben diese von ihm kritisierten Verschwörungsideologien mittlerweile sogar in den Lehrplan einfließen ( http://sochi2014-nachgefragt.blogspot.com.tr/2015/02/herr-porksen-auch-ihrer-universitat.html). Mich erinnnert das an die alte Karikatur der Ballettänzerinnen, die drinnen im Übungssaal die verrücktesten Sprünge und Drehungen hinbekommen, bei Verlassen des Saals dann aber nicht wissen, wie sie auch nur über eine kleine, bescheidene Pfütze vor dem Gebäudeeingang hinwegkommen – man könnte sich ja das Gewand schmutzig machen." 




Auch dieser Kommentar, der ja weder Kritik an der taz noch am Artikel selbst enthält, die Aussagen und Feststellungen des Autors vielmehr bekräftigt und bestätigt, erschien nicht. Ich habe daraufhin das getan, was die TAZ bei Nichterscheinen von Kommentaren empfiehlt: Ich habe ein email an kommune@taz.de geschickt.


 Hierauf hat man, wie das in Kreisen, die ihre eigene Lobbytätigkeit (und/oder ihre eigene politische Befangenheit sowie parteiisches Verhalten) oder unprofessionelles Verhalten bzw. beides verschleiern, so gang und gäbe ist, NICHT reagiert. Ich muß damit davon ausgehen, daß die TAZ hier eine nicht als solche erklärte Bestrafungsaktion für nichtkonformes und ihr nicht genehmes Verhalten durchführt bzw. auf eine Weise Revanche übt, die anhand der eigenen Standards nicht rechtfertigbar ist und deswegen nur mit Schweigen beantwortet werden kann. Man vertraut einfach darauf, daß sich der/die Betroffene angesichts übermächtiger und noch dazu von außen nur schwer als solcher erkennbarer Machtstrukturen nicht wird Gehör verschaffen und damit ihr Recht erkämpfen können, oder der eigenen Blick ist derart vernebelt, daß man die Anliegen weniger dreist und massiv agierender Personen und Personengruppen gar nicht als solche wahr- und ernstnehmen kann..

Zynischere Gemüter könnten sich auch überlegen, ob ein Herr Bröckers, der nach wie vor etliche Funktionen für die TAZ ausübt und dort u.a. für das Marketing zuständig ist, von meinen Online-Aktivitäten Kenntnis erhalten hat und mit meiner Kritik an ihm und seinem Liebling Dr. Daniele Ganser (Thema meines nicht erschienenen jüngsten Kommentars) nicht zurechtkommt, dementsprechend auch über die taz-Community seinen Einfluß geltend macht. Und by the way: Bröckers neuester Blogeintrag preist gerade den auch bei Dietrich Schulze offenbar so beliebten Wolfgang Effenberger an. Wichtel sind ja bekanntlich sehr empfindlich, was Kritik an ihren Ideologiegebäuden betrifft. Ich denke jedoch, daß eine sehr viel naheliegendere und plausiblere Erklärung für das Verhalten der taz der konkrete Inhalt meiner Kommentare zur Zivilklauselbewegung und deren prorussischer Ausrichtung liefert sowie das Benennen von abstrusen rassistischen Pseudotheorien als solche; hierauf war dann ja auch entsprechend zeitnah reagiert worden. So lange, wie die taz selbst sich hierzu nicht äußern will, steht es anderen jedenfalls wohl frei, hier über unlautere Beweggründe, insbesondere lobbyistische Einflußnahmen und den offensichtlich vorhandenen Korpsgeist von Querfrontnetzwerken zu spekulieren.

4. Auf den schlechten persönlichen Stil von Anna Lehmann ("unileaks"-Projekt der TAZ), ihr mangelndes Verständnis von Informantenschutz im Sinne eines fairen, offenen und verbindlichen Umgangs sowie die ausbleibende Rechercheleistung bei Vornanstellung der eigenen politischen Gesinnung und Loyalitäten werde ich - sofern ich noch Gelegenheit dazu haben werde - demnächst noch detaillierter eingehen. Offenbar ist man sich bei der taz gar nicht bewußt, wie sehr man mit dieser Art von PR für totalitäre Zusammenhänge anderen Menschen schadet und auch obendrein noch verhindert, daß sich von Querfrontstrukturen und Totalitarismus-Propagandisten Geschädigte Gehör verschaffen und möchte das auch nicht wissen. Auch stillschweigend wird hier nichts korrigiert. So wird auch im Lehman-Artikel "Transparente Forschung.Wenn VW die Studie bezahlt" vom 13.2.2015 Dietrich Schulze wieder wohlwollend als pazifistische Autorität zitiert. Die taz verleiht damit zum wiederholten Male denjenigen das Wort, die zwar landauf landab als Propagandisten einer sogenannten "Friedensbewegung" aktiv sind, selbst aber im konkreten Verhalten keinerlei demokratisches oder gar völkerrechtliches Verständnis aufweisen und erst recht keine Achtung vor Forschungsfreiheit haben, bei denen Worte und tatsächliche Position auf der politischen Skala auf extremste Weise auseinanderklaffen

Dietrich Schulze, dessen Darstellungsweisen Anna Lehmann offenbar völlig unhinterfragt und 1:1 übernimmt, steht auch mit seiner eigenen Biographie in merkwürdigem Gegensatz zu der nachfragefreien Berührungskontaminations-Logik, derer er sich beim Anprangern und Skandalisieren anderer Wissenschaftler  bedient. Dietrich Schulze selbst hat jahrzehntelang am Forschungszentrum Karlsruhe (dem heutigen KIT) gearbeit, seinen eigenen Artikeln zufolge (auch hier) noch dazu in einem extrem antisemitischen Umfeld. Trotz intensivster Suche ist es mir nicht gelungen, im Netz irgendeinen Hinweis darauf zu finden, daß Schulze sich konkret für Léon Grünwald eingesetzt hätte - einen Karlsruher Kollegen, der aufgrund seiner jüdischen Wurzeln von einem Ex-Nazi als Vorgesetzten offenbar drangsaliert und schließlich hinausgeekelt worden war. Dietrich Schulze beruft sich aktuell nur zu gerne mit moraltriefender Trivialrhetorik auf u.a. Grünwald als "Vorbild für die Jugend" und trägt diesen geradezu als Monstranz (siehe auch hier) vor sich her, um auf seine eigenen Themen aufmerksam zu machen. Hat er sich jedoch auch schon zu dessen Lebzeiten für ihn eingesetzt, sich für ihn und gegen den gemeinsamen Chef ausgesprochen? Warum hat er nicht die Konsequenzen gezogen, sich einen anderen Arbeitsgeber gesucht? Wie würde er mit dem Eindruck, den Außenstehende hier hinsichtlich eines unsolidarischen Profitierens von braunen Altnazi-Netzwerken leicht erhalten, umgehen, wenn nicht er selbst hier der Akteur wäre? Seiner eigenen Logik nach, die nicht nach den Chancen, Überlebensstrategien, Motivationen und taktischen Kompromissen, die Wissenschaftler heutzutage gehen (müssen?) fragt, müßte Dietrich Schulze also als gewissenloser Nutznießer der Atomlobby bezeichnet werden und hätte mit Faschisten gemeinsame Sache gemacht - der eigenen Bequemlichkeit und materiellen Sicherheit wegen. Auch hier gilt: keinerlei kritisches Nachfragen von Seiten der TAZ angesichts dieser Ungereimtheiten und offensichtlich in sich widersprüchlichen Verhaltensweisen.

Mich jedenfalls hat Dietrich Schulze im Zuge seines totalitär anmutenden Narrativs zur Erbauung der Jugend als Art propadandistisches Wurfgeschoß mißbraucht (siehe auch hier) und mich anschließend - nach einem für mich nervenaufreibendem mehrmonatigem Herumgezerre aufgrund seines pemanenten Drangs zu propagandistischen Verdrehungen, grotesken Überhöhungen und nach teils auch unautorisiert publizierten Entstellungen - stillschweigend entsorgt. Offenbar ist Schulze auch selbst der Meinung, daß der schäbige Umgang mit mir, zu dem er selbst in beträchtlichem Maße beigetragen hat, und dessen fatale Folgen für meine Biographie für niemanden einen Anreiz oder gar - in seiner eigenen Formulierung - ein "Mutmacher" sein könnten, um es mir nachzutun und konsequent und kompromißlos für eigene Überzeugungen einzustehen. Würde die taz sich dazu durchringen, meine Situation zu schildern oder mit mir zusammen meinem Anliegen - die politische wie wissenschaftliche Aufarbeitung des Völkermordes an den Tscherkessen voranzutreiben und die Netzwerke, die dieses behindern, zu exponieren - nachzugehen, sie würde sich damit implizit oder explizit auch gegen Schulze und dessen Netzwerke stellen. Das will man aber offenbar auch gar nicht.

Ich würde angesichts dieser auch auf persönlichen Interaktionen beruhenden Einsicht in Dietrich Schulzes konkretes Verhalten nur zu gerne wissen, ob  Léon Grünbaum, wenn er heute noch leben würde, mit dieser seiner Vereinnahmung durch Dietrich Schulzes für dessen extremistische, mittlerweile rotbraune Propagandatätigkeit einverstanden wäre. Falls Herr Schulze schriftliche Belegstücke oder glaubwürdige Zeugen dafür vorzuweisen hat, daß er sich Léon Grünbaun zu dessen Lebzeiten - anders als mir gegenüber - tatsächlich solidarisch und seinem Arbeitgeber gegenüber nicht taktisch verhalten sondern in der Tat die von ihm so vielbeschworene "Zivilcourage" beweisen hat, sollte er diese öffentlich machen. Ansonsten kann man - zumal Schulze wenig Gelgenheiten ausläßt, um sich selbst herauszustreichen - wohl  argwöhnen, daß Schulze sich hier auf wohlfeile Weise einer mittlerweile verstorbenen Person bedient, um unter anderem mit einem vorgeschobenen "antifaschistischen" und "antimilitaristischen" Engagement Querfront-Netzwerke und damit auch neurechte Diskurse zu stärken, sowie daß selbst die taz sich noch auf dieses Charade-Spiel einläßt. 

Seine meist billig gestalteten Propagandamachwerke verbreitet Dietrich Schulze mit Vorliebe über die immer brauner werdende NRhZ, dort schreibt er hin- und wieder auch unter falschem Namen, z.B. als "Carl Routier" (Schreibstil und Formatierung der Texte von "Routier" sind identisch, die Photos zu den Routier-Artikeln stammen erklärtermaßen von Schulze, der Inhalt ist teilweise wortgleich und die übergroße Eigenliebe des Dietrich Schulze führt auch noch dazu, daß diese vermeintlichen "Fremdartikel" in der NRhZ dann an anderer Stelle doch wieder als Eigenleistung aufgeführt werden). Mutmaßlich wählt Schulze diesen Weg, um damit auf künstliche Weise den Eindruck eines breiteren gesellschaftlichen Konsenses zu erzeugen, sich als vermeintlich Anderer selbst zu loben und hervorzustreichen und somit mit  - bei ihm auch in anderer Form gegebenen - kleinen unehrlichen Tricks und miesen Ränkespielen für ein Mehr an Aufmerksamkeit und erschlichenes gesellschaftliches Gewicht zu sorgen. Dietrich Schulzes "Antifaschismus" erweist sich, aus der Nähe besehen und zumindest, wenn auf mein Thema und Anliegen eines Erforschens der Wurzeln genozidaler Gewalt bezogen, als nichts anderes als eine weitgehed leere Propagandahülse in bester DDR-Tradition.

5. Daß die taz mit ihrem Covering der sogenannten "Zivilklausel"-Bewegung und nun möglicherweise auch mit ihrem thmematisch überlappenden Projekt "Hochschulwatch" den gleichen Kreisen das Wort redet, die auch die rotbraune Friedensbewegung (die von der TAZ kritisiert wird) befördern, sowie welche Folgen dies für unsere Gesellschaft hat und noch haben wird, wird wohl von der taz-Redaktion bewußt ausgeblendet. Ebenso wird wissentlich verdeckt und vertuscht, daß die Interessen dieser rotbraunen Friedenskreise etwa meinem Anliegen, das Fortwirken der blutigen russischen Kolonialpolitik im Nordkaukasus zu thematisieren, diametral entgegenstehen. Zumindest anhand dieses konkreten Beispiels müßte doch klar, daß die entsprechenden Kreise nicht für die Freiheit und Unabhängigkeit von Forschung stehen und keinerlei lagerübergreifendes Interesse an Transparenz haben. Dietrich Schulze trommelt weiter für "Zivilcourage" und "Widerstand" und ihm ist dabei - genauso wie der taz - offenbar völlig egal, daß er hier die Illusion einer wachsamen, interessierten, Anteil nehmenden und im Zweifelsfall solidarisch eingreifenden Mitwelt erzeugt, die in der Praxis in keinster Weise gegeben ist. Angesichts der Tatsache, daß im Ernstfall weder praktische Hilfe noch der bloße Willen, die Konsequenz von Widerständigkeit überhaupt öffentlich zu thematisieren, gegeben sind, fordert man hier Wissenschaftler explizit dazu auf, ins offene Messer zu laufen. Ungeachtet dieser Tatsachenlage bewußt weiter zu "Whistleblowing", "Offenlegung" etc. aufzurufen, ist bestenfalls äußerst unverantwortlich.

Anna Lehmann, die sich hier recht eindeutig auf der Seite Dietrich Schulzes und der rotbraunen Querfront verortet hat und sich eben nicht zu einem ausgewogenen, verschiedene Perspektiven berücksichtigenden Journalismus fähig zeigt,  "begleitet" nun auch das aktuelle "Hochschulwatch"-Projekt der taz. Ganz klassisch für die extreme Vermachtung unserer Gesellschaft und deren Durchdringung durch demokratiefeindliche wie schwer greifbare Lobbyisten-Netzwerke ist auch, daß Transparency International nun im Rahmen von "Hochschulwatch" an einem Projekt mitwirkt, das zumindst teilweise auf der Basis von völlig intransparenten Netzwerken erwächst und den Erstellern von Querfront-Narrativen die Bälle zuspielt. So hat einer der TI-Kooperationspartner von "Hochschulwatch" als erstes dem russischen Auslandspropaganda- Megakonglomerat "Sputnik" ein Interview gegeben.

TI verleiht diesem Projekt ein Gütesiegel und wird es mir und etwaigen anderen davon Betroffenen damit quasi unmöglich machen, gegen russische Interessenlagen mit Kritik an diesem Etikettenschwindel bis an eine breitere Öffentlichkeit vorzudringen. Die TAZ-Projekte "Hochschulwatch" und "unileaks" dürften, sofern nicht zumindest auf Druck von TI hin "Hochschulwatch" noch korrigiert und von den einseitigen Interessen gewisser TAZ-Kreise sowie insbesondere auch dem Umfeld der "Jungen Welt" entkoppelt wird, gerade auf Kosten derjenigen Personen und Werte gehen, die doch eigentlich - laut eigener Bekundungen - mit diesen Projekten geschützt werden sollten. Hier entstehen mafiöse Strukturen unter Einbindung von Lobby-Interessen totalitärer Regime, die verhindern, daß man sich als einzelnes Individuum und normaler Bürger Luft verschaffen und systematische Regelverstöße im akademischen Umfeld wie auch in dem der vermeintlichen Helfer und Unterstützer zumindest verbal zurückweisen kann.

6. Zu guter Letzt sei mir noch der Hinweis auf einen weiteren, aus meiner Sicht empörenden und skandalösen Widerspruch in der Themengestaltung und Öffentlichkeitspolitik der TAZ gestattet: Die Chefredakteurin Ines Pohl hatte am 20.1.2015 in einem Kommentar namens "Pegida und der Dialog. Strikte Weigerung hilft nicht" dafür plädiert, in Bezug auf die Pegidiasten nicht den Weg der "Ausgrenzung" zu gehen, namentlich auch dann, wenn es um den "Neubau von Asylbewerberheimen" gehe (Ergänzung von mir: in diese könnten dann ja wiederum "terroristische Tschetschenen" einziehen, über die dann wieder im taz-Intervieew gerätselt würde....). Es sei "das falsche Konzept", dieser Bewegung "den Dialog zu verweigern", Pohl meint, die  "definitive Abwehr einer Auseinandersetzung" sei "richtiggehend gefährlich". Damit wird indirekt dem Druck des rotbraunen Mobs nachgegeben, während gleichzeitig mir - und sicher auch anderen - ein ebensolcher Dialog aus linksdemokratischer Perspektive verweigert wird. So fördert man, während man vorgibt, für das Gegenteil zu arbeiten, die Macht des Pöbels und militante Rassisten, während man der Gegenseite immer wieder Beistand und Unterstützung verwehrt, sogar noch aktiv daran mitwirkt, diejenigen, die sich nicht auf ein immer stärker wirkendes politisches Lagerdenken einlassen, als vergleichsweise schwache, leise Stimmen aus der Öffentlichkeit zu verbannen.

Viel ist in den letzten Monaten davon die Rede gewesen, daß Journalisten anständig behandelt werden wollen und wie belastend und anmaßend die ständigen Pöbeleien und Shitstorms der Querfrontler und Putinisten seien. Dafür habe ich vollstes Verständnis und habe mich diesbezüglich auch immer wieder solidarisch geäußert. Daß einige Journalisten und Redaktionen aber auch selbst erst mal einen fairen, demokratischen Umgang mit der Außenwelt lernen müßte und sie ihrerseits verpflichtet wären, auch Angehörigen anderen Berufsgruppen, deren Wissen und deren intellektuelle Produkten den ihnen gebührenden Respekt zukommen zu lassen und diese mit der gleichen Würde zu behandeln, die sie auch selbst für sich reklamieren, daß es ferner angebracht wäre, selbstreflexiver mit der eigenen Gatekeeper-Funktion und deren relativer Machtfülle umzugehen, ist in dieser Diskussion bisher komplett ausgeklammert geblieben.

Frau Pohl schrieb:
"Je aufgeregter die Zeiten, desto schneller scheinen viele den Glauben an die Kraft des besseren Arguments zu verlieren. Und es gibt Formate, in denen man ins Gespräch kommen kann."

Frau Pohl sei gesagt, daß ich diesen Glauben an die Kraft des besseren Argumentes mittlerweile vollständig verloren habe, gerade auch durch das Treiben ihres eigenen Blattes, die regelrechte Abschottung und Unerreichbarkeit der Redaktion, das Ausmerzen von Kritik und die nun schon langjährigen Hinhalte-Taktiken mit abschließender Dialog-Verweigerung. Die "Formate", in denen man "ins Gespräch" kommen kann, sind im Kopf von Frau Pohl offenkundig populistisch definiert, reden eher Plattheit denn Intellektualismus und Analysefähigkeit das Wort und sind mit Subjekten bevölkert, die politisch doch eher im extremistischen Spektrum angesiedelt sein dürften. Mir selbst geht wohl die gesellschaftliche "Gefährlichkeit" ab, um von einer taz-Redakteurin ernst genommen und gehört zu werden.

Donnerstag, 5. Februar 2015

Herr Pörksen, auch an Ihrer Universität werden Verschwörungstheorien verbreitet!

Folgendes Schreiben ging soeben als email an Prof. Dr. Bernhard Pörksen, einen bekannten Tübinger Medienwissenschaftler, der u.a. auf Feindbildforschung spezialisiert ist, sowie im CC an die weiteren Referenten und den Moderator der Radiosendung, auf die hier Bezug genommen wird, d.h. Philipp Albers, Mitgründer der „Zentrale-Intelligenz-Agentur“, Hans Leyendecker, Mitgründer von „Netzwerk Recherche“ und Eggert Blum, Moderator und Redakteur von SWR 2.
 
Betr.: SWR 2-Sendung „Verschwörungstheorien“/ Praxisfall Tübingen

Sehr geehrter Herr Professor Pörksen,

Ich schreibe Ihnen in Bezugnahme auf die SWR 2-Sendung „Wahnsinn im Netz. Wie Verschwörungstheoretiker das Internet nutzen“ vom 19.12.2014 (1). Ihre Ausführungen haben mir ingegesamt sehr gut gefallen, an einer Passage, in der Sie den Unterschied zwischen Ausschlußmechanismen im Netz und in der analogen Welt erläutern, habe ich mich jedoch aus aktuellem Anlaß heraus gestoßen. Sie äußern sich (ab Minute 29' 35'') wie folgt:

Wenn ich übermorgen hergehe und meine Einführungsvorlesung in die Medienwissenschaft beginne mit einer Verschwörungstheorie und fröhlich aus irgendwelchen verwirrten Protokollen vorlese, dann wird ein Mechanismus der Exklusion greifen. Dann werden sich Kollegen melden, dann wird im Zweifel sich die Universität dazu positionieren, was ich da für einen verwirrten Unsinn verbreite, und das ist auch gut so.“

Tübinger Ringvorlesung „Clash of Civilizations“ als Plattform für Verschwörungstheorien, Rechtsesoterik und Querfront-Propaganda im Sinne Putins?

Herr Pörksen, in Ihrem Radiointerview ziehen Sie Ihre eigene Erfahrungswelt heran, um mittels einer idealtypischen Situation zu illustrieren, wie wissenschaftlicher Diskurs funktioniert. Auf die spezifische Situation an Ihrem eigenen Institut mag das Geschilderte in der Tat zutreffen. Die von Ihnen auf hypothetischer Basis aufgezeigten Kontroll- und Korrekturmechanismen greifen in der Praxis jedoch bereits dann nicht mehr, wenn man als Referenzgröße die Universität Tübingen als Gesamtinstitution zugrunde legt: Am 15.12.2014 ist auf Einladung von Prof. Dr. Rainer Rothfuß in der Studium Generale-Veranstaltung „Clash of Civilizations“ der Schweizer Historiker Dr. Daniele Ganser aufgetreten und hat in Anlehnung an verschwörungsideologische Argumentationsmuster und Topoi einen Vortrag zu „9/11“ gehalten. Meines Erachtens hat diese Veranstaltung grundlegende Anforderungen hinsichtlich wissenschaftlicher Standards und ethischer Maßstäbe nicht erfüllt.

Da ich mich bereits seit einiger Zeit mit prorussischen Propagandastrategien und neoeurasischen Querfrontnetzwerken auseinandersetze und ich mich hierbei verstärkt auf die Person Daniele Gansers konzentriert habe, dessen Aktivitäten sich als Art „roter Faden“ durch etliche Teilbereiche einer weitläufigen, international vernetzten Querfrontszene ziehen, habe ich Prof. Dr. Rainer Rothfuß einen Text mit meinen vorläufigen Analyseergebnissen (2) zukommen lassen. Zusätzlich hat dieser Text auch weitere problematische Aspekte der Ringvorlesung „Clash of Civilizations“ angesprochen und kritisiert. Auf eine sachbezogene Auseinandersetzung hat sich Herr Rothfuß entgegen seinen Interessensbekundungen leider nicht eingelassen, stattdessen hat er einen mehr oder weniger an die Allgemeinheit gerichteten Vorwurf getätigt (3):
Aber auch alle anderen, die sich im Vorfeld so sehr gegen seine Einladung gesträubt hatten, haben die Gelegenheit eines offenen Austauschs über Sachargumente weder im Diskussionsteil nach dem Vortrag (40 Minuten) genutzt, noch die Möglichkeit hier auf dieser Seite wenigstens noch widerlegende Argumente zu bringen."

Ich persönlich fühle mich von diesem Vorwurf nicht angesprochen; ich habe reichlich Zeit und Mühe darauf verwandt, mich mit den Positionen Dr. Gansers auseinanderzusetzen und meine Kritik entsprechend argumentativ zu untermauern. Allerdings vermisse ich in Bezug auf das Tübinger akademische Umfeld tatsächlich ein offenes Kritisieren und klares Ansprechen der problematischen Aspekte dieser Veranstaltung sowie eine hinreichende Um- und Weitsicht, was deren (wissenschafts-)politische Implikationen betrifft. Hier muß ich Herrn Rothfuß denn, wenn auch aus einer grundlegend anderen Perspektive heraus und sicherlich auch in Gegensatz zu den von ihm intendierten Resultaten, partiell Recht geben.

Die Problematik der Veranstaltung war bekannt, eine offene akademische Auseinandersetzung und eine gesellschaftliche Debatte sind ausgeblieben

Ob man an einer (politisch und/oder wissenschaftlich) fragwürdigen Veranstaltung teilnimmt und dort offensiv eine gegenläufige Position bezieht oder doch lieber gerade durch das eigene Fernbleiben ein politisches Statement setzt, mag bisweilen Geschmackssache sein. Zugunsten des Tübinger Kollegiums möchte ich annehmen, daß einige hier nicht durch ihre eigene Präsenz inmitten eines Daniele Ganser-Fanclubs diese Veranstaltung noch zusätzlich aufwerten wollten. Auch war der Rahmen einer „Studium Generale-Vorlesung“ sicherlich wenig geeignet für eine sachbezogene, tiefergehende und ausgewogene Auseinandersetzung. Allerdings kann ich ebenfalls keinerlei Initiative und Bemühen von universitärer Seite erkennnen, dieser Veranstaltung einen anderen, angemesseneren Rahmen zu geben, den Vortrag Daniele Gansers etwa um eine kritische Vor- oder Nachbereitung zu ergänzen, eine Podiumsdiskussion anzuregen oder auch für Interessierte eine Gegenveranstaltung zum besseren Umgang mit verschwörungsideologischen Positionen anzubieten.

Aus der oben zitierten Äußerung Prof. Rothfußs geht hervor, daß der problematische Charakter der Veranstaltung tatsächlich schon in der Vorbereitungsphase erkannt worden war und für Unmut unter Tübinger Kollegen gesorgt hatte. Schilderungen Daniele Gansers decken sich mit dieser Darstellung. So hatte Daniele Ganser bereits in seinem Tübinger Vortrag unter belustigtem Gejohle und großen Geklatsche des Publikums erwähnt (ab 1 h 24' 20''), daß sowohl seine Beteiligung an der Ringvorlesung, wie auch die Wladimir M. Grinins, des Botschafters der Russländischen Föderation, im Vorfeld als propagandistisch kritisiert worden seien (4). Die Qualität der universitätseigenen Aufzeichnung war schlecht geraten, so daß der genaue Wortlaut dieser Passage bisher verloren ging. Nun ist am 28.1.2014 ein weiteres KenFM-Interview mit Daniele Ganser erschienen, das auf ebendiese Umstände erneut und detailreicher eingeht (5). In diesem KenFM-Gespräch (*) behauptet Daniele Ganser, daß es gleich mehrere Tübinger Professoren gewesen wären, die sich gegen diese Veranstaltung ausgesprochen hätten. Es sei befürchtet worden, der Ruf der Universität könne Schaden nehmen. Auch die Bezeichnung „Verschwörungstheoretiker“ soll gefallen sein. Namen möchte Daniele Ganser keine nennen. Der KenFM-Aufzeichnung des eigentlichen Vortrags, die gestern erschienen ist, läßt sich nunmehr zusätzlich entnehmen (ab 1 h 24' 18''), daß sogar die Medienstelle der Universität eingeschaltet war und auf das Entfernen des Tübinger Logos von Gansers persönlicher Webseite gedrungen hatte (6).

Sofern keine Gegendarstellung von Universitätsseite erfolgt, kann man wohl davon ausgehen, daß Gansers und Rothfußs Aussagen – natürlich abzüglich Gansers Hang, Kritik an den eigenen unwissenschaftlichen Vorgehensweisen als politisch motivierte Repression auszugeben – insofern korrekt sind, als daß die Problematik dieser Veranstaltung tatsächlich bereits vor deren Durchführung universitätsintern und auf kontroverse Weise besprochen wurde, die diesbezügliche Kritik aber in keinster Form nach außen drang. Spätestens an dieser Stelle hätte jedoch eine offene Debatte darüber erfolgen müssen, wie eine sich als demokratisch und verantwortungsbewußt verstehende Wissenschaftsgemeinde mit dem Spannungsfeld zwischen Meinungsfreiheit einerseits und wissenschaftlichen wie ethischen Standards andererseits umgehen will. In welchem Rahmen hätte man auch Verschwörungsideologie und rechtsesoterische Perspektiven zu Wort kommen lassen können, ohne sich zu deren Werbeflächen zu machen? Wie geht man damit um, wenn Querfrontler für sich Meinungspluralismus einfordern, selbst aber eine (zumindest tendentiell) totalitäre, menschenfeindliche Politik befürworten bzw. unterstützen und Inhalte verbreiten, die gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit Vorschub leisten, die in Richtung Volksverhetzung, Geschichtsrevisionismus und Holocaustleugnung gehen? Wie soll man insbesondere umgehen mit verdeckten Referenzen auf die „Protokolle der Weisen von Zion“?

Mein bisheriger Eindruck ist, daß einer diesbezüglichen Positionierung und transparenten Auseinandersetzung konsequent aus dem Wege gegangen wurde. Letzendlich hat damit die Veranstaltung ohne erkennbaren Einspruch und in der ursprünglich geplanten Form stattfinden können. Wie groß der Kreis der schweigenden „Mitwisser“ gewesen sein kann, läßt sich anhand der öffentlich zugänglichen Informationen wohl nicht eruieren. Bislang jedoch bin ich ganz offensichtlich die einzige Akademikerin geblieben, die Kritik an Daniele Gansers Auftritt als Referent der Tübinger Studium Generale-Vorlesung öffentlich geäußert und schriftlich begründet hat. Das darf nicht sein. Meines Erachtens kommen in dieser Vorgehensweise sowohl ein fehlender Wille, auf die Einhaltung wissenschaftlicher Standards zu dringen, zum Ausdruck, als auch ein Mangel an gesellschaftspolitischer Verantwortung samt einer Geringschätzung der von diesen Propagandaaktivitäten negativ Berührten.

Imagepflege für Ken Jebsen und akademische Reputation für Verschwörungstheorien

Nicht nur die Problematik des Vortrags an sich ist von seiten der Universität bisher nicht öffentlich kommentiert worden, selbst die Tatsache, daß KenFM in die fragliche Veranstaltung involviert war, soll offenbar ausgeblendet werden. Am 15.12.2014 war das Mahnwachen-Zugpferd Ken Jebsen samt eigenem Aufnahmeteam vor Ort gewesen und hatte den Vortrag Daniele Gansers separat, d.h. zusätzlich zum Livestream der Universität, aufgezeichnet. Im Anschluß an die Ringvorlesung führte KenFm ein längeres Interview mit Daniele Ganser (7) durch, dem Augenschein nach ebenfalls in Räumlichkeiten der Eberhard Karls Universität. Ich nehme an, daß Prof. Dr. Rainer Rothfuß hierfür ein Büro des Geographischen Instituts zur Verfügung gestellt hat.

Bekannt geworden ist die Anwesenheit des KenFM-Teams über einen Bericht der Lokalpresse, der möglicherweise auch deswegen recht kritisch ausgefallen ist, weil ich die Redaktion im Vorfeld auf den problematischen Hintergrund Daniele Gansers aufmerksam gemacht hatte. Wörtlich hatte das Schwäbische Tagblatt am 17.12.2014 wie folgt auf die Präsenz von Ken Jebsen verwiesen (8):
Unter den etwa 600 Besuchern waren einige Ganser-Fans, die sich nach der Veranstaltung mit ihm fotografieren und Bücher von ihm signieren ließen. Außerdem war der umstrittene Journalist Ken Jebsen anwesend. Er hatte sein eigenes Kamerateam mitgebracht.

Ebenfalls laut Schwäbischem Tagblatt hatten auf eine kritische Nachfrage hin weder Ganser noch Rothfuß das Bedürfnis verspürt, sich von Ken Jebsen abzugrenzen:
Auf Nachfrage erklärte Ganser, er habe sich nicht genauer mit den Antisemitismus-Vorwürfen gegen Jebsen auseinandergesetzt. Die Unterscheidung zwischen links und rechts halte er jedoch für zunehmend überflüssig. Prof. Rothfuß erklärte lediglich, dass in seinen Augen ein Youtube-Video Jebsens die gegen ihn erhobenen Vorwürfe hinreichend entkräfte. Ganser und Rothfuß freuten sich vor allem darüber, dass der Vortrag durch die Aufzeichnung Jebsens eine stärkere Verbreitung finde.“

Insbesondere der Aufzeichnung dieser Veranstaltung durch KenFM dürfte in der Perspektive einer länderübergreifenden Querfrontbewegung die Bedeutung eines wichtigen Etappensiegs auf dem Weg hin zu akademischer Akzeptanz und Anerkennung durch eine gesellschaftliche Mitte zukommen. KenFM will sich nicht zuletzt auch im Bildungssektor etablieren (9). Entgegen eigener Bekundungen würde Ken Jebsen wohl nur zu gerne Eingang finden in das, was er und seine Umgebung abfällig „den Mainstream“ nennen. Was Daniele Ganser selbst betrifft, so dürfte diesem, nachdem Schweizer Universitäten zunehmend auf Abstand gehen, ebenfalls sehr an einem Zu- oder vielmehr Rückgewinn akademischen Kapitals gelegen sein. Eine altehrwürdige, international geschätzte Institution wie die Eberhard Karls Universität Tübingen muß sich da als Gütesiegel auf geradezu ideale Weise angeboten haben.

Die Schlüsselfunktion eines solchen, teils bewußt inszenierten Tabubruchs wird auch bereits in der Szene gewürdigt. Schon jetzt zeigt sich etwa die hetzerische „Satire“-Seite „Spuelgel an der Lein“ geradezu entzückt über Gansers Tübinger Vortrag und bedankt sich ausdrücklich bei der Eberhard Karls Universität „für ihren Mut und Courage“ (10). Zu erwähnen wäre in diesem Zusammenhang ebenfalls noch, daß die Veranstaltung bereits im Vorfeld auch vom parawissenschaftlichen „Freigeist-Forum-Tübingen“ beworben worden war (11). Diese beiden Fakten dürften denn auch eine Vorstellung davon liefern, von welchen Kreisen hier künftig Interesse und Zustimmung zu erwarten ist. Die Tübinger Universität macht sich somit, falls nicht doch noch gegengesteuert werden sollte, zum Erfüllungsgehilfen von querfrontigem Streben nach kultureller Hegemonie.

Die Tübinger Methode, Fehlverhalten von Autoritätspersonen, strukturelle Mißstände und diverse andere Peinlichkeiten möglichst schweigend und reglos auszusitzen, dürfte zumindest in diesem Falle jedoch nur sehr begrenzt effektiv sein. Gestern ist die KenFm-Aufzeichung des Vortrags selbst online gegangen und war bis heute schon über 34 000 Mal abgerufen (12) bzw. auf Facebook rund tausend Mal geteilt worden. Erwartungsgemäß wird die Querfrontszene dieses jüngste KenFM-Video auch selbständig über Blogs sowie andere soziale Medien weiterverbreiten und sich zur Untermauerung des eigenen Wahrheitsanspruchs immer wieder fleißig auf das Markenzeichen „Universität Tübingen“ berufen. Von zusätzlichem Interesse ist der aktuelle Hinweis bei KenFm (13), daß ein weiteres Video mit Rainer Rothfuß folgen werde, da dieser „den Vortrag trotz massivem Gegenwind stattfinden” habe lassen. D.h. hier baut man Kritik an unwissenschaftlichen Vorgehensweisen und politisch bedenklichen Positionen sofort wieder als mutige Verteidigung von Meinungs- und Forschungsfreiheit in die eigene Selbstlegitimierung ein. Da Sie, Herr Pörksen, in besagtem Radiofeature selbst auf die Bedeutung von Titeln, das Arbeiten mit Autoritäten-Zitaten und das Anführen von Experten hingewiesen haben, kann ich mir an dieser Stelle wohl weitere Ausführungen darüber sparen, wie sich die Assoziierung der Universität Tübingen mit KenFm auf beide Seiten auswirken wird.

Exzellenzinitiative und Praxisorientierung – Abschließende Bemerkungen

Eine Fähigkeit zur akademischen Selbstregulation wie in obigem Radiointerview gerade auch anhand des Beispiels der Tübinger Universität angerissen, kann ich im aktuellen Umgang mit „Clash of Civilizations“ nicht erkennen. Die Mechanismen diskursiver Wahrheitsfindung und der Auslotung des gesellschaftlich Akzeptablen scheinen in einer allgemeinen Dialogverweigerung außer Kraft gesetzt bzw. blockiert zu sein. Fast schon grotesk wirkt dieses Szenario vor dem Fond der Ezellenzinitiative, die ab 2012 unter dem Titel „Research-Relevance-Responsibility“ die Universität Tübingen „der Weltspitze näher“ bringen wollte. Als Kern ihres „Zukunftskonzepts“ hatte die Universität Tübingen formuliert gehabt, sie wolle „verstärkt Themen mit gesellschaftspolitischer Relevanz aufgreifen, die die aktuellen wissenschaftlichen Debatten bestimmen“ und „ihre Kernkompetenzen in der Grundlagenforschung künftig noch mehr auch durch anwendungsorientierte Aspekte der Forschung ergänzen und sich Zukunftsthemen und aktuellen Problemstellungen zuwenden” (14). Nun ist die rothfußsche Ringvorlesung „Clash of Civilizations“ samt Auftritt des populären Daniele Ganser sicherlich dicht am Zeitgeist ausgerichtet, also zumindest in diesem Sinne gesellschaftlich „relevant“; auch sorgt sie für entsprechendes Außeninteresse und die mediale Präsenz der Universität. Doch repräsentiert „Clash of Cultures“ wohl kaum das, was man gemeinhin unter wissenschaftlicher „Exzellenz“ und Verantwortung verstanden wissen möchte.

Ihre Rolle, Herr Pörksen, sehe ich hier insofern gefragt, als Sie öffentlich als der Tübinger Experte für Verschwörungsttheorien und versierter Kenner neurechter Diskurse auftreten. Imponiert hat mir vor allem Ihr Artikel „Der Hass der Bescheidwisser. Die aktuellen Attacken von Verschwörungstheoretikern bedrohen den Journalismus“, jüngst im Spiegel erschienen (15). Sie argumentieren hier u.a. in prägnanten Sätzen, warum man verschwörungsideologisches Denken nicht verharmlosen sollte. So sprechen Sie u.a. davon, daß die „Verschwörungsidee, deren Extremform eine blutige Spur durch die Menschheitsgeschichte zieht, [..] apodiktisch Scheinklarheit“ stifte. In Bezug auf die Vorstellung einer Medienverschwörung geben Sie auf die Frage, ob man diese überhaupt ernst nehmen müsse, eine Antwort, die sich sicher auch mit Leichtigkeit auf Daniele Gansers Erzählung eines manipulierten Geschichtsverlaufs übertragen ließe:
Die Antwort lautet: Man muss, denn hier nimmt eine mögliche Zukunft öffentlicher Auseinandersetzung Form an. Hier zeigt sich, in Gestalt des Extrems, eine Antiutopie des Diskurses, die weit über das aktuelle Getöse hinaus weist. Ein drohender Dialog- und Kommunikationsinfarkt wird hier sichtbar, der einer offenen Gesellschaft gefährlich werden kann. Denn die zu Ende gedachte Manipulationsidee widerspricht so ziemlich allem, was diese offene Gesellschaft ausmacht.”

Herr Pörksen, Ihr Kollege Prof. Dr. Rothfuß hat offenbar nicht verstanden, was den Unterschied zwischen der Behandlung politisch brisanter Themen und einem verschwörungsideologischen Denken ausmacht. Ich fände es überaus wichtig, daß Sie und möglicherweise weitere geeignete Kollegen das Tübinger Umfeld, insbesondere die Studenten, hierüber am Beispiel des ganserschen Vortrags aufklären und daß auch noch einmal konkret auf die mit Verschwörungstheorien verbundenen politischen Gefahren hingewiesen wird. Vielleicht können Sie auch, da Sie ja selbst zu „Feindbildern“ gearbeitet und publiziert haben, vor Ihrem eigenen fachlichen Hintergrund noch einmal erläutern, wie eine sinnvolle, wissenschaftlich fundierte Feindbild-Dekonstruktion aussehen kann und inwiefern die in "Clash of Civilizations" praktizierten Vorgehensweisen hier wissenschaftliche Anforderungen nicht erfüllen. Vor allem aber möchte ich Sie eindringlich darum bitten, dafür Sorge zu tragen, daß dieses Tübinger Gemeinmachen mit Querfrontbestrebungen nicht unkommentiert stehenbleibt, daß vielmehr doch noch eine angemessene, öffentliche Debatte geführt wird und in Folge kritischen Einwänden auch wieder mit mehr Ernsthaftigkeit und Aufmerksamkeit begegnet wird. Ansonsten sehe ich hier leider die Gefahr einer weiteren Verballhornung und Pervertierung wissenschaftlichen Arbeitens und befürchte einen fortschreitenden Verlust des Gespürs dafür, was wissenschaftliche Verantwortung und Ethik ausmacht.

Ich danke Ihnen für die Geduld beim Lesen eines doch einigermaßen lang und ausführlich geratenen Textes und hoffe, Sie mit meinen Ausführungen und meiner Kritik an der fraglichen Ringvorlesung angesprochen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen,

                                                                                            Irma Kreiten


P.S.: Aus gegebenem Anlaß betrachte ich es als sinnvoll, dieses mein Schreiben von Beginn an öffentlich zugänglich zu machen und würde auch darum bitten, daß ich eine etwaige Antwort in ebenso öffentlicher Form auf meinem Blog unter http://sochi2014-nachgefragt.blogspot.com.tr/ einstellen darf.



(*) Transkript der fraglichen Passage des am 28.1.2015 veröffentlichten KenFM-Interviews mit Daniele Ganser (https://www.youtube.com/watch?v=PH3FnTXqGCw, ab Minute 1' 34'') :

DANIELE GANSER: „[...] man muß aber auch sagen, es ist nicht ohne Probleme in der Vorbereitung gewesen.“
KEN JEBSEN: „Mmm, darauf möchte ich kommen. Ich habe festgestellt, Sie werden angegriffen, obwohl Sie ja nicht nur Historiker sind, sondern auch Friedensforscher. Und gerade wenn man Friedensforscher ist, ja emmm, löst das in einigen Menschen einen kriegerischen Reflex aus.... Was kann man denn gegen einen Friedensforscher haben, wenn der an eine Universität eingeladen wird, und wer hat da Druck gemacht?“
DANIELE GANSER:Ja, ich meine, ich setzte mich ja sehr kritisch mit den Terroranschlägen vom 11. September auseinander, schon seit vielen Jahren, und ich sage, man darf hier dem amerikanischen Präsidenten Bush nicht blind glauben. Das heißt, ich setze mich mit der Frage auseinander, ob die Amerikaner uns angelogen haben, ob sie diese ganzen Terroranschläge auch benutzt haben um dann Kriege zu rechtfertigen, den Überwachungsstaat auszubauen etcetera, und diese Fragen sind in den Universitäten in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland eigentlich nicht willkommen, weil man hat sofort Angst, daß man sich mit dem amerikanischen Imperium sozusagen anlegt, und daß man dann die Stelle verliert, daß man Geld verliert, daß man den Ruf verliert. Und hier in Tübingen war es so, da ist ein sehr mutiger Professor, der Rainer Rothfuß, der hat eine Vorlesungsreihe organisiert über Feindbilder, also er hat sich wirklich gefragt, warum jetzt eigentlich die Menschen sich gegenseitig umbringen und er hat eigentlich ganz klar festgestellt, daß es diese Feindbilder gibt, daß die Feindbilder auch generiert werden, hat das an ganz verschiedenen Konflikten aufgezeigt, hat sehr viele verschiedene Referenten eingeladen nach Tübingen, sehr gute Männer, auch Frauen, die eben in ihrem Gebiet Koryphäen sind, und dann wollte er noch jemand der zu Nine Eleven spricht. Und dann hat er eben gedacht, da hole ich mir den Ganser aus der Schweiz, und dann gabs, also im Vorfeld, als schon klar war, daß ich komme, eh, ich habe dann zugesagt, gabs andere Kollegen hier an der Universität Tübingen, ich möchte jetzt die Namen nicht nennen, die wollten eben nicht, daß sozusagen hier eine Vorlesungsreihe kritisch Nine Eleven hinterfragt und...“
KEN JEBSEN: "Aber das waren Menschen aus dem Lehrkörper..."
DANIELE GANSER: "Ja ja, das waren Professoren an der Universität Tübingen, die gesagt haben, Ganser ist ein Verschwörungstheoretiker, der hinterfragt die Terroranschläge vom 11. September, das geht gar nicht, der soll nicht kommen, die Universität Tübingen wird dadurch Schaden erleiden und die Studenten werden möglicherweise sozusagen noch verwirrt – Also, es war einfach Druck, ja, auf Professor Rothfuß, daß er die Veranstaltung mit mir absagt, und es war also sozusagen auch Druck auf mir, daß ich dann besser deswegen irgendwie [?] nichts sage und wir haben beide diesen Druck ausgehalten und haben gesagt, komm, es ist wichtig, daß hier eine Pluralität der Perspektiven eben auch möglich ist […].“


Quellen/Belege:

Dienstag, 27. Januar 2015

Debattenkultur oder Diffamierungskultur? Prof. Dr. Rainer Rothfuß hat geantwortet...

Am 15.12.2014 war in der Tübinger Ringvorlesung "Clash of Civilizations" der Schweizer Historiker Daniele Ganser als Redner zu Gast und hat Verschwörungstheoretisches zu 9/11 präsentiert. Eingeladen hatte der Tübinger Humangeograph Prof. Dr. Rainer Rothfuß, der seinerseits einigermaßen querfrontig wirkt, u.a. den sogenannten Islamkritikern von "Politically Incorrect" nahesteht, sich politisch beispielsweise an Vladimir Putin und Ron Paul orientiert und gerne die rechtsesoterischen Inhalte des Kopp-Verlags liest.

Ich hatte vorab in einem analytischen Text ("Rainer Rothfuß goes Querfront") auf Daniele Gansers Umfeld und dessen ideologischen Kontext verwiesen sowie auch weitere problematische Aspekte der Vorlesungsreihe thematisiert, inklusive deren geschichtsrevisionistischer Tendenzen. Da "Clash of Civilizations" eine eigene facebook-Seite besitzt, die explizit dem Entstehen einer breiteren Diskussion dienen soll, ich andererseits außerhalb meines blogs wenig Möglichkeiten habe, mich bemerkbar zu machen, hatte ich dann direkt an dieser Stelle gepostet. Ich erhielt von Prof. Rothfuß daraufhin eine kurze FB-Notiz, daß er sich über die Feiertage (Weihnachten/Sylvester) mit meinem Text auseinandersetze wolle. 

Am 31. Dezember 2014 traf dann die eigentliche "Antwort" ein, allerdings enttäuschend formlos und wenig sachbezogen gehalten. Der Text bietet, obwohl recht kurz ausgefallen, statt einer sorgsamen inhaltlichen Auseinandersetzung mit meiner Kritik eine stolze Anzahl von personenbezogenen Verdrehungen, Falschbehauptungen und fehlerhafter Logik, so daß ich mir erlaube, den Text hier in einzelne Absätze aufzubrechen und Stück für Stück Richtigstellungen und Ergänzungen anzubringen. Möglicherweise gibt auch dies Außenstehenden einigen Aufschluß über die Arbeitsweisen des Herren Professors.

Vorweg sei gesagt: der Text geht grundsätzlich am Kern meines Schreibens vorbei. Insbesondere auf die aufgezeigten antisemitischen, islamophoben und geschichtsrevisionistischen Zusammehänge auf personeller wie inhaltlicher Ebene wird mit nicht eingegangen. Der propagandistische Effekt von Verschwörungstheorien und deren Haß- und Gewaltpotential wird ebenfalls außer Acht gelassen. Man kann leider daraus den Schluß ableiten, daß diese Zusammenhänge Herrn Rothfuß nicht einer kritischen Auseinandersetzung wert erscheinen und ihm hier ein entsprechendes Problem- und Verantwortungsbewußtsein fehlt.

Seine Replik auf meinen Text beginnt Rainer Rothfuß - nicht gerade uncharakteristisch für Querfrontkreise - mit einem Abheben auf meine Person und einem Eigenlob:


"Liebe Frau Kreiten, ich habe Ihren Blogbeitrag aufmerksam gelesen. Es tut mir sehr leid, dass Ihr spannendes Promotionsthema mit dem Hinweis auf zu große politische Brisanz abgewiesen wurde. Das hätte es bei mir nicht gegeben, da ich keine Angst vor schwierigen Themen habe."

Tatsächlich hatte ich in meinem Schreiben erwähnt, daß mein Dissertationsvorhaben in Tübingen auf übergroße Widerstände gestoßen war. Leider stellt dies Herr Rothfuß hier als eine Art persönliches Unglück dar und nicht begreift das Geschilderte als politisch motivierte Begrenzung freier Forschung, die einer demokratisch organisierten und an wissenschaftlichen Standards ausgerichteten akademischen Community ja wohl nicht einfach egal sein kann. Rothfuß mißachtet, daß die historische Aufarbeitung genozidaler Gewalt auch jenseits von Promotionsurkunden eine Bedeutung besitzt: Sowohl für die Nachkommen der Opfer, in diesem Falle die tscherkessische Minderheit im Nordkaukasus und die weltweite tscherkessische Diaspora (mit ca. 40 000 Vertretern in Deutschland selbst), als auch für die sie umgebenden Mehrheitsgesellschaften. Jede Aufarbeitung eines Völkermords kann als Signal der Verständigung und der Reue gelesen werden, jeder ignorierte Völkermord führt dagegen den Diskurs der  Täter weiter und vermittelt zudem der Weltöffentlichkeit, daß genozidale Akte im Zweifelsfall nicht aufgeklärt werden. Wenn Vernichtungsgewalt derart ohne Konsequenzen bleibt, wird auch vermittelt, daß sie sich in bestimmten Situationen politisch "lohnen" kann. Es ist damit keineswegs politisch bzw. gesellschaftlich irrelevant, ob Völkermorde, auch solche, die schon länger zurückliegen, wissenschaftlich bearbeitet werden können oder eben nicht.

Da Herr Rothfuß denn nun schon so sehr auf meine persönlichen Erfahrungen abhebt und darüber meine Kritik an Daniele Gansers politischen Positionen vergißt, er andererseits aber das, was ich den fraglichen zwei knappen Paragraphen geschrieben hatte, nicht wirklich rezipiert, hier denn noch ein paar Korrekturen im Detail: Es ist nicht richtig und keineswegs in meinem vorangegangenen Text zu entnehmen, daß ich mit meiner Bewerbung  zur Promotion in Tübingen abgewiesen worden wäre. Dies wäre ganz im Gegenteil wünschenswert bzw. zumindest auf eine gewisse Weise ehrlich gewesen, es hätte mir viel Leid und große Umwege erspart. Mit meinem damaligen akademischen Profil war ich ganz und gar nicht auf die Gnade des einen oder anderen deutschen Professors angewiesen gewesen und hätte ebensogut im Ausland ein Doktorandenstudium aufnehmen können. Tatsache aber ist, daß ich mich auf ein vermeintlich bestehendes Vertrauensverhältnis verlassen habe und dem explizit geäußerten Wunsch meines damaligen Professors nachgekommen bin, in dem von ihm geleiteten Teilbereich des Tübinger SFBs "Kriegserfahrungen" zu promovieren.

Ebenfalls falsch ist, daß "zu große politische Brisanz" als Ablehnungsgrund angegeben worden sei. Inhaltliche Argumente haben in "meinem" Tübinger SFB keine Rolle gespielt. Die Gegnerschaft zu meinem Projekt wurde auf indirektem Wege ausgetragen, mit unwissenschaftlichen Vorwänden, Ausreden, logi Disziplinierungsmaßnahmen und persönlichen Angriffen, mittels derer ich in die gewünschte Richtung gedrängt werden sollte. Mein Ansatz und meine Forschungserträge waren "falsch": Einen Völkermord an den Tscherkessen, ethnische Säuberungen, planmäßige Deportationen habe es nicht gegeben, die Beschäftigung mit genozidaler Gewalt führe mich in die Irre, dieses und jenes sei irrelevant, langweilig, anderes schon zu gut erforscht. Belege hatten meine Projektleiter bei derartigen Vorhaltungen nicht nötig. Auf Nachfrage wurde hin- und wieder auch schon mal ein Rückzieher gemacht, allerdings nur, um die gleichen Vorwürfe bei der nächstbesten Gelegenheit in eben dieser Form wiederaufzuwärmen. Eine faire, offene und sachbezogene Auseinandersetzung über meine Thesen und meine bereits geleistete Arbeit habe ich über vier Jahre hinweg in Tübingen nicht erlebt. Das weitere Voranschreiten meines Projektes ist auch mittels des Einbehaltens von Forschungsmitteln und irriger Arbeitsanweisungen blockiert worden. Aus meiner Sicht stellt sich dies als Täuschung, Manipulation und systematisches Herausdrängen aus der akademischen Community aufgrund politischer Gemengelagen dar.

Herr Rothfuß, der dies ganz anders verstanden haben will, liest entweder denn gar nicht "sorgfältig", wenn er aus einer systematischen Forschungsbehinderung persönliche Verletztheit über ein abgewiesenes Projekt macht, oder erzählt gerne um, weil es so für ihn schöner und annehmbarer klingt. Kurios ist der Hinweis, mit ihm als Doktorvater seie mir derartiges nicht passiert. Das mag zwar seiner eigenen Auffassung entsprechen, ich sehe jedoch, daß da, wo andere Kollegen aus politisch ungünstiger Konstellationen heraus ein unschönes Ausweichsverhalten an den Tag legen sich mitunter auch entsprechend - akademisch wie menschlich -  fehlverhalten, Rainer Rothfuß sich ohne jegliche Not, ohne  ersichtlichen Zwang und Druck von sich aus in diejenigen Netzwerke einordnet, die sich der Aufklärung des Völkermordes an den Tscherkessen und vielem anderen mehr entgegensetzen, daß er sich zusammen mit Daniele Ganser und weiteren Referenten der Ringvorlesung aktiv am Verbreiten der entsprechenden Inhalte und ideologischen/politischen Positionen beteiligt.

"Leider haben Sie ihren Beitrag aber vor dem Vortrag von Dr. Ganser geschrieben, so dass sie nirgends auf seine Argumente eingehen bzw. diese widerlegen. Darüber ließe sich sicherlich trefflich diskutieren."

Natürlich habe ich meinen Beitrag vor dem Auftritt Daniele Gansers in Tübingen geschrieben, u.a. deswegen, weil ich meine Kritik gerne mit Beispielen, Quellenangaben und Literaturverweisen unterfüttere. Ich kann mit gutem Gewissen sagen, daß ich mich im Vorfeld mit einem Großteil der Artikel, Vorträge und Publikationen Daniele Gansers bekannt gemacht habe, auch wenn dies zeitraubend und intellektuell bisweilen wenig erquicklich war. Einiges bin ich Satz für Satz wiederholt durchgegangen, anderes habe ich immerhin überflogen. Vor diesem Hintergrund behaupte ich zu sagen: Daniele Gansers Vorträge, insbesondere die zum Thema "9/11", sind überaus ähnlich gestrickt und funktionieren weitgehend im Baukastenprinzip, weichen oftmals nur in Details von einander ab. Sie weisen die gleichen Argumentationsschemata auf, führen die gleichen Standard-Beispiele an, bemühen anderweitig bereits erprobte Gags, haben einen hänlichen Aufbau. Zudem bedienen sie sich über weite Strecken des Standardrepertoires international vernetzter Truther-Kreise, bilden also in diesem Sinne auch nur bedingt einen eigenständigen, originellen Zugang Daniele Gansers zu 9/11-Thematik ab. 

Gerne hätte ich im Detail abgeglichen, inwiefern der Tübinger neben Altbekanntem auch Anderes bot. Leider aber ist die Aufnahmequalität recht schlecht, so daß ich mir nur ein allgemeines Bild machen konnte. Daß kein einziger neuer Satz gefallen und keinerlei bisher ungehörtes Argument angeführt worden wäre, kann ich nicht behaupten. Das, was zu hören und in Form von Folien zu sehen ist, sind jedoch größtenteils die üblichen "Argumente" und "Fakten", die als solche schon lange und breit in der Öffentlichkeit diskutiert worden sind. 

Ein Großteil dessen, was Ganser immer wieder als mysteriöse Aspekte von "9/11" darstellt, ist längst aufgeklärt bzw. widerlegt. Ich selbst war in meiner Kritik allerdings einen anderen Weg gegangen und halte mir eine diskursbezogene Auseinandersetzung mit Gansers 9/11-Thesen zugute (*)Auch der konsekutive Text, den ich Prof. Rothfuß übermittelt hatte, war auf Gansers Inhalte und Argumentationsführung eingegangen, wenn auch in knapperer Form. Offenbar überprüft der Veranstalter der Ringvorlesung jedoch nicht, bevor er Kollegen mit dem Vorwurf belegt, diese hätten sich "nirgends" mit den fraglichen Argumenten und Inhalten befaßt. Im vorliegenden Fall hätte schon ein Blick auf die Fußnoten meines Textes ihm eine derartige Falschbehauptung erspart. Die reflexhafte und geradezu ritualisierte Reaktionsweise illustriert jedoch erneut, daß man - entgegen der eigenen Bekundungen und Forderungen - in VT-Kreisen zu einer "offenen Debatte" denn eben gerade nicht bereit ist, auch dann nicht, wenn man sie explizit angeboten bekommt. 

"Aber auch alle anderen, die sich im Vorfeld so sehr gegen seine Einladung gesträubt hatten, haben die Gelegenheit eines offenen Austauschs über Sachargumente weder im Diskussionsteil nach dem Vortrag (40 Minuten) genutzt, noch die Möglichkeit hier auf dieser Seite wenigstens noch widerlegende Argumente zu bringen."
Wer "alle anderen" sind und wie diese sich verhalten haben sollen, ist mir unbekannt. Ich persönlich fühle mich von der hier vorgebrachten Vorwürfen jedenfalls nicht angesprochen. So ganz ohne Kritik, wie Herr Rothfuß suggeriert, scheint die Diskussion aber doch nicht über die Bühne gegangen zu sein, dies läßt sich zumindest aus dem Bericht des Schwäbischen Tagblatts schließen. Es heißt dort:
"Auf Nachfrage erklärte Ganser, er habe sich nicht genauer mit den Antisemitismus-Vorwürfen gegen Jebsen auseinandergesetzt. Die Unterscheidung zwischen links und rechts halte er jedoch für zunehmend überflüssig. Prof. Rothfuß erklärte lediglich, dass in seinen Augen ein Youtube-Video Jebsens die gegen ihn erhobenen Vorwürfe hinreichend entkräfte. Ganser und Rothfuß freuten sich vor allem darüber, dass der Vortrag durch die Aufzeichnung Jebsens eine stärkere Verbreitung finde."

Der Vorwurf der Einordnung in antisemitische, rechtspopulistische bis rechtsextreme Zusammenhänge ist nun keineswegs peripher, sondern zentral, zumal sich die ideologischen Positionen dieser Netzwerke auch in den Inhalten Daniele Gansers spiegeln, bis hin zu Reminiszenzen an die berühmt-berüchtigte Fälschung der "Protokolle der Weisen von Zion". Zu befürchten ist angesichts des vollkommenen Ignorierens dieses semantischen Kontextes aber auch, daß Herr Rothfuß eine recht seltsame Auffassung von "Sachargumenten" hat, Themen wie "Rechtsextremismus", "Rechtsesoterik" und "Geschichtsrevisionismus" gar nicht als Diskussionsgegenstände in eigenem Recht wahrnimmt, er mir und anderen vielmehr gerne eine Diskussionen über Thierry Meyssans  Geschoß-Austrittsloch an der Rückfassade des Pentagons sowie über die nicht mehr existenten Stahlträger des WTC 7 aufgenötigt hätte.

"Es ist doch traurig, wenn an unseren Universitäten die Debattenkultur zu einer Diffamierungskultur verkommt, wo in erster Linie darauf geschaut wird, was wer wo mal gelesen hat oder mit wem wer auf einem Foto abgelichtet wurde!?"

Dazu, wie es allgemein um die Debattenkultur an "unseren Universitäten" bestellt ist, maße ich mir keine pauschale Aussage an. Allerdings habe gerade ich selbst in Tübingen erfahren müssen, wie eine "Debattenkultur" aussieht, die wenig bis gar nichts  mit wissenschaftlicher Auseinandersetzung zu tun hatte, dafür aber sehr viel mit persönlicher Diffamierung und politisch motiviertem Ausschluß. Auch hier scheint Herr Rothfuß denn wieder reflexhaft zu reagieren und legt damit ein weiteres stereotypes Truther-Verhalten an den Tag: er fühlt sich von einer imaginierten Mehrheit aufgrund seines Vertretens "ungewöhnlicher" Positionen  angegriffen auch da, wo er denn nun mal gerade gar nicht einem/einer hegemonialen, privilegierten Gesprächspartner(in) gegenübersteht. Auf mich wirkt das regelrecht komisch, kann er doch hierbei auf die Unterstützung von Kreisen zählen, die an den Staatschef des größten Landes der Erde angebunden sind - und zufällig eben jenes Staatschefs, der mir und anderen das Leben nicht gerade leicht macht.

Daß Prof. Rothfuß meine Vorgehensweise mit einem "was wer wo mal gelesen hat" in Verbindung bringt, finde ich wiederum einigermaßen kränkend. Ich achte sehr darauf, eine Argumentation auf der Basis von Berührungskontamination zu vermeiden. So bin ich bemüht, aus einzelnen Kontakten keine Rückschlüsse auf das Gesamtprofil einer Person zu ziehen. Sprich: ich frage durchaus, wie zufällig und ephemer dieser oder jener Kontakt gewesen sein mag, sehe mir an, wie eng sich Vernetzungen gestalten, ob den auch ideologische Schnittmengen und gemeinsame politische Positionen vorhanden sind, ob beobachtete Berührungen, Verbindungen und Überkreuzungen tatsächlich Teil eines Netzwerkes bilden, über das auch bestimmte Inhalte weitergegeben, beeinflußt oder sogar generiert werden.

In der Regel achte ich demnach auch darauf, ob eine bestimmte Person sich möglicherweise unabsichtlich in einen problematischen Kontext begeben hat, suche nach Hinweisen darauf, ob man sie bereits auf diesen aufmerksam gemacht hat, und wenn ja, wie sie auf Warnungen und/oder frühere Kritik reagiert hat. In meinem Text zu Rainer Rothfuß und Daniele Ganser habe ich ebendies getan. Gerade vor diesem Hintergrund hatte mich interessiert, daß Rainer Rothfuß selbst einen Hang zu Verschwörungstheorien und rotbrauner Esoterik aufweist und seine Lektüre von Publikationen des Kopp-Verlages mehrfach verteidigt hat. Vor diesem Hintergrund hat sich meines Erachtens geklärt, daß die Einladung an Daniele Ganser kein "Mißgriff" und kein "Versehen" war, sondern dieses sich durchaus in den weiteren Rahmen der Ringvorlesung, wie sie von Rothfuß konzipiert worden war, fügte. Nun scheint Rothfuß aber auch dieses Recherche-Ergebnis nicht recht zu sein.

Sollte es passieren, daß meine Texte trotz meines Bemühens um sorgfältiges Vorgehen  argumentative Schwachstellen oder Fehlschlüsse aufweisen und ich mit meinen Einschätzungen über das Ziel hinausgeschossen bin, so bitte ich, dies dann doch auch konkret zu benennen und entsprechend sachliche (!) Gegenargumente und Fakten anzubringen, anstatt mir so vage wie allgemein das Herstellen falscher Zusammenhänge zu unterstellen. Und da wir gerade an einem verwandten Punkt angelangt sind: zu einem repektvollen Umgang mit Kollegen gehört dazu, daß man deren Recherchen und Analysen nicht bereits vor der Lektüre als "fleißige Zusammenstellung" abqualifiziert. Gerade letzteres ist ebenfalls eine der gängigen Verhaltensweisen in Querfront- und Putinistenkreisen: Werden die eigenen Verbindungen und ideologischen Kontexte kritisch durchleuchtet, insinuiert man, sein Gegenüber habe zwar eine große Datenmenge angehäuft, wisse diese aber nicht richtig zu ordnen und zu lesen. Auch einige der Kommentare auf meinem blog legen hiervon beredtes Zeugnis ab.

"Ich kann mit Ihnen hier gerne darüber diskutieren, warum ich dagegen bin, dass meinen kleinen Kindern Impfstoffe gespritzt werden, die erhebliche Mengen toxischen und karzinogenen Formaldehyds enthalten (das haben Sie auf meiner privaten Facebook-Seite gefunden und zwecks "Beweismittelsicherung" mittels Screen-Shot wohl "gesichert");aber wäre es nicht fairer und zielführender, mich als Menschen einfach mal so stehen zu lassen, wie ich bin und wie ich Sie auch stehen lasse und Sie sprechen mich auf irgendeine spezifische inhaltliche Fragestellung der Reihe oder des Vortrags an?

Leider scheint mich auch hier Rainer Rothfuß gründlich - möglicherweise absichtlich -  mißverstanden zu haben. Ob Rainer Rothfuß seine Kinder impfen läßt, geht mich in der Tat nichts an, interessiert mich auch nicht und hat mit anderen Menschen nur insofern zu tun, als eine Gefährdung des  öffentlichen Wohls oder schutzbedürftiger Minderjähriger ausgeschlossen werden muß. Problematisiert hatte ich in meinem Text denn auch gar nicht seine "impfkritische" Haltung, sondern das Verlinken eines sektennahen Films. Ich hatte wörtlich geschrieben: 
"Rothfuß hat allerdings auch noch Ausgefalleneres zu bieten, etwa den Film „Wir impfen nicht“. Dessen Regisseur Michael Leitner steht – Rainer Rothfuß mag sich dessen nicht im Klaren sein – dem Umfeld des Schweizer Sektengründers Ivo Sasek nahe."

Ebendieser Film ist insofern von Belang, als er auf einen ideologischen Kontext verweist, der bei Rainer Rothfuß auch an anderen Stellen in Erscheinung tritt und an den Topos des "Vergiftens" der Bevölkerung durch eine so kontrollsüchtige wie menschenfeindliche "Elite" anschließt. Spätestens mit meinem vorangegangen Schreiben war Rainer Rothfuß samt weiterführender Hinweise über diesen problematischen Kontext informiert. Es scheint ihm jedoch nichts auszumachen, mit wessen Ideologie er da in Berührung kommt; statt einer Distanzierung erfolgt vielmehr ein mißglückter Frontalangriff. Daß die Sasek-Sekte und ihre Ideologie keineswegs harmlos sind, gibt es mittlerweile sozusagen auch offiziell: Saseks "Jugend-TV" wurde in Deutschland bereits als jugendgefährdend unter die Lupe genommen. Klagemauer TV, das Gegenstück für Erwachsene sowie die Sasek-Sekte insgesamt dürften kaum harmloser sein, nur daß hier dann keine entsprechenden Schutzregelungen greifen. Ich persönlich stoße mich vor allem an den von diesem Umfeld verbreiteten "Genozid"-Phantasien, die dann andererseits mit Holocaustleugnung und generell geschichtsrevisionistischen Tendenzen einhergehen.

Was das "als Menschen einfach mal so stehenzulassen" betrifft, so hatte ich mich an Herrn Rothfuß als Vertreter der Akademikerzunft und als zoon politicon gewandt; er ist es, der diese Auseinandersetzung auf eine persönliche Ebene verbringt und sogar seine Kinder miteinbezieht. Als Geisteswissenschaftler jedoch, der mit einer von ihm organisierten Ringvorlesung u.a. auch meine Themenfelder betritt und als den ich ihn angesprochen habe, besitzt Prof. Dr. Rainer Rothfuß keineswegs ein grundsätzliches Anrecht auf Kritikfreiheit. In diesem Sinne kann also von einem Sich-gegenseitig-in-Ruhe-Lassen nicht die Rede sein: Für uns gehört die intellektuelle Auseinandersetzung doch mit zum Geschäft. 

Unter politischen Gesichtspunkten betrachtet müßte Herr Rothfuß hingegen zunächst seine Unterstützung für die Verbreitung demokratiefeindlicher, Vorurteile, Haß und Gewalt schürender Inhalte und Positionen einstellen, wenn er von mir in Ruhe gelassen werden will. Wenn er sich hingegen mit Protagonisten politischer Kreise zusammentut, die - teils in Rückgriff auf Sektentechniken, teils unter Zuhilfenahme moderner Marketingstrategien, teils in Bemühung alter KGB- und Polittechnologie-Traditionen - gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit verbreiten und diejenigen, die nicht in das von ihnen privilegierte Menschenbild passen, zum Objekt von Stigmatisierung, politischer Repression und Verfolgung machen oder direkt kriegsdienliche Propaganda verbreiten, dann muß Rothfuß damit rechnen und es hinnehmen, daß ich ihn an seine  gesellschaftliche Verantwortung erinnere.

"Ich habe sonst das Gefühl, dass Sie einfach nur versuchen, mich öffentlich lächerlich und schlecht zu machen. Das würde jedem Menschen weh tun - auch Dr. Daniele Ganser, der guten Willens ist und einen wichtigen Beitrag zur wissenschaftlichen Wahrheitsfindung in einer zweilfellos hochumstrittenen Politikfrage leistet, die aber leider seit 11.09.2001 durch diverse militärische Interventionen Hunterttausende Tote, v.a. aufseiten der angeklagten Gesellschaften hervorgerufen hat (von den direkten Kriegstoten abgesehen auch durch Terrorismus, wohl als indirekte Reaktion: http://www.bbc.com/news/world-30086435)."

Hier stehen denn recht offensichtlich die Befindlichkeiten des "weißen Mannes", genauer gesagt, die eines recht privilegierten, arrivierten westlichen Akademikers im Zentrum. Auf individuelle wunde Punkte kann man Rücksicht nehmen, gewiß; Rothfuß reklamiert hier allerdings für sich eine unverhältnismäßige Sonderstellung. Die seelischen Narben und Kränkungen, die ein Rainer Rothfuß durch ihm nicht genehme Kritik erleiden mag, dürften sich kaum mit mit realen Diskriminierungs-, Repressions- und Gewalterfahrungen, denen andere Menschen ausgesetzt sind, vergleichen lassen. Besonders apart ist der rothfußsche Vorwurf insofern, als gerade die Querfront- und Revisionisten-Netzwerke, die Rothfuß mit seiner Ringvorlesung auf gutbürgerlich veredelt, in erheblichem Maße gruppenbezogenen Menschenhass schüren und es gerade auch die u.a. von Daniele Ganser verbreiteten Verschwörungstheorien sind, die ein erhebliches Gewaltpotential in sich bergen und Gefahr laufen, in einer Sündenbocklogik zu enden. 
Besonders deutlich tritt dieseI Inkongruenz zwischen Selbst- und Fremdanforderungen zutage, wenn man sich vergegenwärtigt, daß Daniele Ganser seit Jahren an Konstruktion und Verbreitung russischer Propagandamythen beteiligt ist, die auf eine Diskreditierung ukrainischer und russischer Demokratiebestrebungen als von westlichen "Faschisten" (bzw. wahlweise von zionistischen Verschwörern) betriebene Inszenierungen abzielen. Daniele Gansers Kooperationen mit INVISSIN, Russia Today oder dem globalresearch-Umfeld werfen durchaus die Frage auf, inwiefern sich der Schweizer Historiker hier der Verbreitung "schwarzer Propaganda" im Dienste eines zunehmend totalitär agierenden Staates schuldig macht. Spätestens seit März letzten Jahres ist diese Art der Propaganda Teil eines hybrid geführten Krieges geworden, der bereits ca. 5000 Menschen das Leben gekostet hat. Es mag zwar schön für Rainer Rothfuß sein, sich vorzustellen, wie Vladimir Putin als Art internationale Feuerwehr weltweit bedrängten Christen zu Hilfe eilt, derweil erliegen Ukrainer, Krimtataren und Angehörige diverser Minderheiten in der RF jedoch der Realität.
Was die "angeklagten" Gesellschaften betrifft, von denen Prof. Rothfuß in seiner Antwort spricht, so dürften hiermit ja wohl in erster Linie die muslimischen Gesellschaften des Nahen Ostens und Zentralasiens gemeint gewesen sein, d.h. Gesellschaften, deren Mitglieder tatsächlich oftmals einem pauschalen Extremismus- und Terrorismus-Verdacht ausgesetzt waren. Allerdings erschließt sich mir nicht, wie sich Rothfuß selbst hiervon positiv abheben will und inwiefern er mit seiner verdrucksten Huntington-Neuauflage und seiner PI-Nähe denn nicht auch zu dieser Art der Islamophobie und Stigmatisierung beitragen will. Bei ihm, aber auch seinem Referenten Egon Flaig, dürften gedanklich doch ganz ähnliche Personenkreise auf der Anklagebank sitzen.
Geradezu selbstentlarvend ist jedoch, wie Herr Rothfuß an dieser Stelle für Daniele Ganser reklamiert, "einen wichtigen Beitrag zur wissenschaftlichen Wahrheitsfindung" geleistet zu haben. Dies steht der Behauptung Rothfußs in seiner Einführung zu Gansers Tübinger Vortrag, es ginge darum, medial vermittelte Feindbilder zu hinterfragen und "Narrative zu dekonstruieren", diametral entgegen. Es hatte dort geheißen: "Herr Dr. Ganser beschäftigt sich, anders als manche vermuten, nicht mit Verschwörungstheorien, sondern er hinterfragt Narrative als Historiker [...]." Herr Rothfuß scheint dennn hinsichtlich eines klaren Bekenntnis zu Fragestellung, Methodenwahl und wissenschaftlichem Ansatz ähnlich unehrlich zu sein, wie es Daniele Ganser selbst ist. 
 
Eine wissenschaftliche Beschäftigung mit Narrativen und eine sachgemäße Feindbild- und Stereotypenforschung sehe ich bei Daniele Ganser nicht gegeben; ich wüßte gerne, auf welche "Studien" Gansers sich Herr Rothfuß hier beziehen will. Auf Rainer Rothfußs eigener Publikationsliste kann ich ebenfalls keine Titel entdecken, die auf kultur- oder sozialwissenschaftliche Weise Prozesse der Feindbildproduktion, Stereotypenbildung, Essentialisierung, Dehumanisierung..., d.h. eine kriegsrelevantes "Othering" untersuchen würden. Es findet sich lediglich ein einzelner Artikel unter dem Titel "Geographische Konfliktforschung und Geopolitik: Zukuftsaussage Friedenssicherung, der das Thema "Feindbildkonstruktion" im weistesten Sinne und am Rande berüht. In diesem Artikel wird interessanterweise der Vorwurf getätigt, die Huntington-Kritiker hätten "losgelöst von konkreten und empirisch fassbaren Konfliktprozessen" argumentiert, selbst aber scheint Herr Rothfuß ebenfalls keine Analyse mit konkretem Faktenbezug geliefert zu haben (ich gehe auf diesen Beitrag, da er noch einen weiteren interessanten Zusammenhang offenbart, in meinem nächsten post ein). 
 
Rothfußs  Antwort scheint damit, ohne jeglichen Realitätsabgleich, auch diesen Vorwurf des An-der-Praxis-vorbei-Argumentierens als Art Standardreplik an mich herantragen zu wollen. Anders ergibt mir der Hinweis auf 9/11, US-amerikansiche Außenpolitik, Terrorismus und dessen Opfer jedenfalls keinen Sinn. Im Gegensatz zu Daniele Ganser und Rainer Rothfuß habe ich mich aber tatsächlich anhand eines konkreten, historisch gegebenen Kontextes mit Feindbildern auseinandergesetzt sowie damit, wie diese im Laufe von Polarisierungsprozessen oder im Sinne einer Rechtfertigungsideologie politisch wirkmächtig werden. Für mein Anliegen, das Klischee des gewalttätigen Nordkaukasiers zu dekonstruieren, bringt Herr Rothfuß jedoch keinerlei erkennbares Verständnis und Interesse auf. Ich hätte ihm ansonsten auch gerne erklären können, wie im "russischen" Westkaukasus religiöse und andere Faktoren aufeinandertrafen, das Bild einer "nutzlosen Bevölkerung" schufen und letztendlich in der genozidalen "Säuberung" des Westkaukasus Mitte des 19. Jahrhunderts kulminierten.
Ebenfalls hätte sich erörtern lassen, inwiefern dieses Bild des kriminellen und/oder gewaltbereiten Nordkaukasiers auch heute noch nachwirkt, innerhalb der RF, in der teilweise auch bewußt wieder an koloniale Topoi und Symbole angeknüpft wird, wie auch im Rahmen einer internationalen Öffentlichkeit, die Nordkaukasier oft genug nur dann wahrnimmt, wenn sie "negativ auffallen" (danke an den tscherkessischen Bekannten, der das neulich so treffend formuliert hat!). Daran schließt sich ebenfalls die Frage an,  welche Effekt es auf internationaler Ebene zeitigt, wenn die westliche Öffentlichkeit aufgrund eigener wirtschaftlicher, politischer und strategischer Interessen konsequent wegsieht, wenn russische Regierungskreise die nordkaukasische Zivilgesellschaft unterdrücken und wenn im Sinne Putins die Aufarbeitung russischer Kolonialverbrechen selbst im westeuropäischen Ausland konterkarriert und behindert wird. 
Gerne auch hätte ich, wenn denn ein entsprechendes Interesse gegeben gewesen wäre, Herrn Rothfuß geschildert, wie sich für mich und andere die prorussische Querfrontpropaganda anfühlt, wie hier gearbeitet wird, um demokratische Bestrebungen im postsowjetischen Raum "schlecht zu machen" oder auch, wie sehr nordkaukasische Aktivisten, Intellektuelle und Menschenrechtler  "guten Willens" sind, leider aber eben meist nicht gehört werden. Vielleicht wäre hier der Topos einer polarisierenden "westlichen Doppelmoral" gar nicht so unangebracht gewesen, wenn auch in einer anders konnotierten Verwendung als der durch Daniele Ganser.

 Screenshot der Original-Antwort auf FB


Kurzum: Aus meiner Sicht hat sich anhand von Rothfußs lässig dahingeworfener Antwort der Eindruck noch verstärkt, daß das, was der Tübinger Humangeograph in Zusammenhang mit seiner Vorlesungsreihe "Clash of Civilizations" zusammen mit Referenten wie Daniele Ganser an "Diskussionsanregungen" bietet, einer Pervertierung des wissenschaftlichen Diskurses gleichkommt. Verschwörungsideologische Haßpropaganda wird in diesem Bedeutungszusammenhang als Friedenspolitik, eine völkisch motivierte, militärisch ausgreifende Außenpolitik als Genozidprävention,  politisch assistierte Stereotypenpflege als Feindbilddekonstruktion und die eigene Dialogverweigerung samt ad hominem-Angriffen als "Diffamierungskultur" der Gegenseite ausgegeben. Von einem Akademiker  in öffentlicher Funktion darf man wohl anderes erwarten. Es scheint mir, Herr Rothfuß möchte mit dieser seiner Antwort schlicht das Recht beanspruchen, für Mitwirkung an geistiger Brandstiftung nicht belangt und nicht behelligt zu werden.

P.S.: Als mögliche indirekte Reaktion auf meine Positionierung zu Rothfußs Lehrveranstaltung möchte ich noch auf einen weiteren post auf der FB-Seite von "Clash of Civilizations" hinweisen. Der Kommentar scheint mir ebenfalls mehr oder weniger als Replik an mich und/oder andere Kritiker zu sein und verdeutlicht noch einmal - hier unter Zuhilfenahme eines Zitats - den für Querfront-Kreise recht typischen trotzig-beleidigten Rückzug auf die eigene Position bei gleichzeitger Beteuerung, daß man eine freie, gleichberechtigte und faire inhaltliche Auseinandersetzung anstrebe:

"Ringvorlesung "Clash of Civilizations?" als freier, unverminter Diskursraum über strittige und hochaktuelle gesellschafts- und weltpolitische Themen - kann das gutgehen?
Sollte man Meinungen, die man nicht teilt, mit Ausgrenzung oder Analyse begegnen? Oder kann das Aufwerfen von Fragen schon zum Vergehen werden? Diskurse sind immer machtdurchsetzt. Diese Komponente scheint oft wichtiger als die Inhalte.
Prof. Dr. Wolfgang Donsbach, TU Dresden:
"Wir haben in Deutschland die Kultur einer verschärften Political Correctness, die es ungeheuer schwierig macht, Themen, die nicht dem Mainstream entsprechen, ergebnisoffen und ohne gleich die Keule einer illegitimen und unmoralischen Haltung zu diskutieren." 
http://www.tagesspiegel.de/medien/pegida-und-die-luegenpresse-wort-im-mund-umdrehen/11140250.html"




(*) Mein Text zu Gansers 9/11-Verschwörungsphantasien ist ein wenig provisorisch und unvollständig, u.a. deswegen, weil ich aus Zeitgründen auf die auf "Deconspirator" versammelten Studien nicht mehr eingehen konnte, und, wichtiger, da ich mein Exemplar von Martin A. Lees "The Beast Reawakens" leider verspätet in den Händen hielt. Gerade Lees Werk hätte den idealen Gegenpart zur einseitigen, schlecht belegten und bereits verschwörungsideologisch angehauchten "NATO-Geheimarmeen"-Argumentation abgegeben, wurde etliche Jahre vor dem Werk Daniele Gansers publiziert und war obendrein diesem auch noch bekannt gewesen. Insbesondere meine Passagen zur verschwörungsideologischen Verarbeitung von Ost-West-Beziehungen hätten mit Hilfe Lees sicher besser untermauert werden können. Falls hier streckenweise die Belege für meine Argumentation etwas dünn ausgefallen sein sollten, so ist dies jedoch praktischen Umständen geschuldet und korrigierbar.