Zarische Truppen, Krasnaja Poljana, 21.5.1864

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Montag, 6. März 2017

Seltsame Begegnungen mit Grünen: "Meinungsfreiheit" II (Kai Gehring)

Diverse Fälle zeigen: Die Grünen sind gut darin, der Allgemeinheit vorzugaukeln, diverse Zielgruppen, die jeweils selbst nicht oder nur unter Schwierigkeiten ihre Positionen und Anliegen einer breiteren Öffentlichkeit darlegen können (mangels Organisierungsgrad etwa...) würden von dieser Partei ermutigt, unterstützt und bestärkt. Tatsächlich hält man dieses Bild auch dadurch aufrecht, daß man Menschen, an die sich die grüne Politik vorgeblich richtet, am Reden hindert,  daß man sie über die Vorschaltung der eigenen (irreführenden) Meinungsmache nicht die Öffentlichkeit erreichen läßt oder sie, so sie sich denn doch noch zu Wort melden, in Mißkredit zu ziehen sucht. Im Folgenden geht es darum, daß der grüne Sprecher und Obmann "für Hochschule, Wissenschaft und Forschung" mit der von ihm angesprochenen Zielgruppe bzw. mir als einem ihrer Mitglieder  offenbar von vornherein nicht auf vernünftige, sinnvolle Weise kommunizieren möchte und zudem auch verhindert, daß Außenstehende/Vertreter anderer Berufsgruppen/das allgemeine Publikum Kenntnis davon erhalten, daß sich Bündnis 90/Die Grünen eben in der Praxis dann doch nicht auf universale Weise für unter politischem Druck stehende Akademiker einsetzen möchten. Grünen-Vertreter wie Kai Gehring bekommen vielmehr gegenüber Betroffenen im unmittelbaren eigenen Verantwortungsbereich nicht einmal so weit ein respektvolles, menschliches Verhalten hin, daß sie sich auch nur inhaltlich mit entsprechenden Problemlagen auseinandersetzen wollen würden - geschweige denn, nach Lösungswegen und Abhilfe suchen. Es wird gelöscht und blockiert.

Die Diskrepanz zwischen Anspruch bzw. nach außen getragenem Schein und Selbstbild einerseits und tatsächlichem politischen Verhalten andererseits scheint immer größer zu werden. Es bilden sich allmählich bereits Verhältnisse in Bezug auf den Umgang mit "Wahrheit" heraus, die an diejenigen in totalitären Gesellschaften erinnern: Es werden zwei Register an Werten, Denkweisen, Wahrnehmungsweisen und Verhaltensmustern bedient; man bespielt je nach Bedarf auf taktischer Grundlage mal das eine, mal das andere Register. Das offizielle Register ist das einer übertrieben idealistischen, optimistischen, menschenfreundlichen Welt. Es wird ergänzt von einer dunklen Unterseite, die beständig ersteres in Frage stellt bzw. dieses tatsächlich als bloße "Konvention" ohne innere Verbindlichkeiten begreift, einem Verhalten, das von zynischer Abgeklärtheit, Opportunismus und ethischem Nihilismus geprägt ist und nichts "Eigentliches" mehr zulassen möchte.



                                                                                             
Aus guten Absichten, Selbstmotivation per "positivem Denken", einem partiellen Nicht-Gerecht-Werden gegenüber den eigenen Ansprüchen, dem plakativen, ressourcenschonenden Hinweisen auf "gute Beispiele", von denen man vielleicht hofft, daß sie prägend wirken und per Eigendynamik in die Breite wirken würden, kann mit der Zeit Heuchelei und Lüge werden. Besonders empfindlich getroffen sind meines Erachtens von dieesen Tendenzen gerade die Bereiche der "Meinungsfreiheit" und der "Menschenrechte". Das Auseinanderklaffen von Anspruch und Wirklichkeit fängt, gerade in Bezug auf Marginalisierte, bereits an, den Mehrfachstandards von autoritären Staaten zu gleichen, in denen das eine laut gesagt und das andere gedacht wird und ständig zwischen alternativen Codes hin- und hergeschaltet wird. Der rapide Wechsel zwischen pathetischem Idealismus und bodenlosem Zynismus, den man bisweilen in Grünen-Kreisen antrifft, erinnert mich jedenfalls an linksautoritäre Zusammenhänge, etwa die sowjetische Ideologie (von der die frühen Grünen ja auch nicht ganz unbeeinflußt blieben), über die den Menschen vorgegaukelt wurde, sich nur noch ein bisschen mehr zu bemühen, um dann in Kürze in eine noch schönere, buntere, hellere Welt eintreten zu können - dabei aber die Lebensrealität ein Grau in Grau war und manche Menschen auch bitter für die Utopien ihrer "weltverbessernden" Vorbilder zahlen mußten...

Während man bei Die Linke als politisch gebildeter Mensch, der die zeitgenössischen Entwicklungen näher verfolgt, nicht mehr wirklich davon ausgehen würde, daß sie ihren eigenen "Pazifismus" und ihre Menschenfreundlichkeit ernst nehmen und in ihrem politischen Treiben lediglich auf Gerechtigkeit und internationale Fairness dringen würden - anstatt implizit Assad und Putin zu verteidigen - wirkt die Fassade der Grünen weiter. Gerade diese Partei gibt vor, daß man, anders als Linke oder etwa auch SPD für eine konsequente Politik gegenüber Rußland mit seiner aggressiv-militaristischen Politik stehen würde bzw. sie macht mit einer hier vermeintlich aufrechten Haltung Werbung für sich. Allerdings sind auch bei dieser Partei immer öfter nicht nur ungleiche Standards zu beobachten, sondern ein stark projektives Vorgehen, das sich mit Vorliebe an Ersatzthemen arbeitet und über Personalisierungen vorgeht. Während ein Vorgehen  im Sinne demokratischer Werte im Inland vielfach de facto als zu mühselig, kostspielig (auch in Bezug auf Wählerstimmen und Bündnispartner) und unergiebig gehandhabt wird, ein Vorgehen gegen das Machtgeflecht in einheimischen Regionen geradezu als "naives" (gleichbedeutend verwendet mit "schändliches", "dummes") Unterfangen aufgefaßt wird, vertritt man in Bezug auf das, was dem eigenen Verantwortungsbereich entzogen ist, um so vehementer und idealistischer die eigenen Werte, gibt da gerne Lehrmeister, Vorbild und "Coach" ab. Damit bestätigt man sich untereinander das eigene Selbstbild als Individuum und Handlungskollektiv und freut sich über den gesellschaftlichen Mehrwert, den Zuwachs an "Ruf" und Ansehen, der damit entsteht.

Da, wo nach außen hin das autonome, verantwortungsbewußte Individuum in seiner westlichen Konzeption, das quasi unbegrenzt handlungsfähig scheint, angerufen und beschworen wird, die eigene "Macher"-Rolle ausgestellt wird, reagiert man, wenn man auf Konkretes im eigenen Handungs- und Verantwortungsbereich angesprochen wird, mit ausgemachtem Defätismus und Fatalismus, stellt sich als kleines Rädchen dar, das mehr oder weniger ihn/sie überwältigenden  anonymen Strukturen ausgesetzt ist und - wenn überhaupt - darauf warten muß, daß die politische Wetterlage sich bessert, um selbst aktiv zu werden und seine eigene Umwelt tatsächlich auch mitzugestalten (siehe hierzu auch meinen vorigen post). Diverse Vertreter von Grünen zeigen sich regelmäßig so überhaupt nicht mutig, unerschrocken und konsequent, wenn es um ein Verteidigen von Meinungsfreiheit "ohne Ansehen" (im juristischen Sinne) von Person und Kontext gehen müßte. Verteidigt wird da, wo es einfach ist, besonders viel Wirkung erzielt, die eigenen Interessen fördert, die geopolitischen Konstellationen sich dementsprechend gestalten und da, wo man besonders plakativ sein kann. Im Regelfall scheint das das Ausland zu sein - obwohl man auch da bestimmte, besonders heikle Themen und Zusammenhänge kaum oder gar nicht angeht.

Auf Diskrepanzen und sichtliche Widersprüche reagiert man zunehmend nicht mehr mit Korrekturen, sondern mit sturem Aussitzen und ignorantem Darüber-Hinweggehen. Anstatt daß da, wo es Hinweise darauf gibt, daß (im Falle der Tscherkessen bzw. des an ihnen begangenen Völkermordes sogar grenzüberschreitend bzw. auf internationaler Basis) demokratische Freiheiten, offene Kommunikation und sachbasierte, faktenorientierte Meinungsbildung unter Druck geraten und beschädigt werden, überprüft, korrigiert und neujustiert würde, ergeht man sich in kollektiver Realitätsverweigerung. Es findet keine sachliche, fachliche, differenzierte Auseinandersetzung statt. Man prüft nicht und verwirft oder bestätigt. Man blockt pauschal jegliche Hinweise auf entsprechende Mißstände bzw. deren Möglichkeit ab oder wird ausfällig und wendet sich gegen den Überbringer der schlechtne Nachricht. An die Stelle eines pragmatischen, faktenbasierten, lösungsorientierten Auseinandersetzens mit der eigenen Mit- und Umwelt treten das Reinhalten der eigenen Vorstellungswelten, ein militantes Beharren auf dem "so ist es" und das aggressive Beschützten und Aufrechterhalten der persönlichen Bequemlichkeitssphäre per Ausschluß des Störenden und der Störer. So wird Politik zur Glaubenssache und Verteidigung geschlossener Weltbilder.

Wer nichts prüfen will, sich in pauschalen Behauptungen, Bonmots und abstrakten Gemeinplätzen verliert, beraubt sich allerdings jeglicher gesellschaftlichen Korrekturfähigkeit und untergräbt damit auf Dauer auch das Gemeinwohl. In linken, linksliberalen und grünennahen Kreisen werden auf teils schon sektenähnliche Weise Tautologien ausgebreitet, etwa, daß es keine in Deutschland keine Zensur und politischen Repressionen gäbe, weil es in Deutschland (laut GG) keine Zensur gäbe (dabei werden auch geflissentlich Phänomene wie "soft censorship" und Autozensur übergangen...) . Die Argumentationen sind in etwa so schlüssig wie die, daß es im eigenen Bundesland keine Erdbeben geben könne, weil die abgeschlossene Versicherung den Schaden nicht zahle, daß in Deutschland keine Steuern hinterzogen würden, weil ja schleißlcih eine Steuerfahndung existiere oder daß kein Morde stattfinden würden, weil es per GG untersagt ist, anderen Menschen körperlichen Schaden zuzufügen. Oft hat man aber auch - wie hier im Folgenden- gar keine Antworten mehr.

Grüner Elephantenzirkus:
Im folgenden Beispiel für grüne Verhaltensweisen wird es um Kai Gehring gehen, der Bündnis 90/Die Grünen als Abgeordneter im Bundestag vertritt und da gerade für denjenigen Bereiche stehen möchte, die mich in besonderem Maße betreffen: er ist - auch formal so geregelt - zuständig für Bildung und Forschung. Aufmerksam geworden auf Kai Gehring war ich über einen Artikel in der Frankfurter Rundschau. Ich hatte tatsächlich im ersten Augenblick (aufgrund der Betitelung, siehe dazu auch den Screenshot weiter oben in diesem Blogbeitrag) gedacht, auf einen der seltenen kritischen (seriösen) Beiträge zu Mißständen in westlichen Gesellschaften in Bezug auf freie Meinungsäußerung gestoßen zu sein. Kurioserweise ist im FR-Artikel auch noch von einem grünen Bundestagsantrag die Rede, aus dem folgendermaßen zitiert wird: 
Wissen über den Status quo von Wissenschaftsfreiheit und Bedrohungslage von Studierenden und Forschenden sollte systematisch gesammelt, bewertet und zur Verfügung gestellt werden.

Die Aufforderung an die Bundesregierung, sich besser über die Lage der Wissenschaftsfreiheit in unterschiedlichen Ländern zu informieren, scheinen die Grünen allerdings für sich selbst nicht beherzigen zu wollen. Daß ich mich hier zu einem Türkei-Thema eingeschaltet habe, war tatsächlich mehr oder weniger Zufall. Es bleibt Menschen wie mir ohnehin kaum etwas anderes übrig, als solche Themen im Zusammenhang bzw. Kontrast mit ausländischen Verhältnissen anzuschneiden, da diese (bis auf wenige Ausnahmen) für den deutschen Raum kaum thematisiert werden. Ich meine deswegen, daß hier der Whataboutism-Vorwurf nicht greift, bzw. sich dieser, wenn überhaupt, an die Grünen selbst und nach diesen auch an andere deutsche Verantwortungsträger richten muß. Zumindest in Bezug auf den Völkermord an den Tscherkessen haben wir es, wie bereits betont, sowieso mit einer gernzüberschreitenden Problematik zu tun.

Vom FR-Artikel aus hatte ich mich  auf die Facebook-Seite von Kai Gehring, mir bis dato unbekannt, begeben. Hier war explizit von einem globalen Einsatz für "freie Wissenschaft, Kultur & Presse" die Rede. Ich zitiere Herrn Gehring:
"Täglich kommen News, dass Wissenschaftler*innen gegängelt, bedroht oder inhaftiert werden. Da reicht sorgenvolle Miene nciht aus, meine ich. Als Export-Vizeweltmeister muss man mehr tun für freie Wissenschaft, Kultur & Presse. Wir Grüne im Bundestag fordern die Regierung auf, sich weltweit viel stärker für Wissenschaftsfreiheit einzusetzen!"

(Ich entschuldige mich für die schlechte Bildqualität der folgenden Screenshots, diese kam so zustande daß ich nicht rechtzeitig bemerkt habe, daß sich die Einstellungen des Screengrab-Programms geändert hatten; Gering kam mir mit seinen flinken Löschaktionen zuvor, d.h. es war alles bereits verschwunden, bevor ich neuere, bessere Aufnahmen machen konnte. Deswegen gebe ich sämtlich Kommentare hier zuwätzlich auch noch in Textform wieder.) 




Ich habe darauf geantwortet - u.a., da ich mich durch die Formulierung "gegängelt" auf besondere Weise auch in meinen eigenen Erfahrungen angesprochen sah:
"Einen Moment dachte ich beim Lesen der Überschrift in der FR, daß die Grünen endlich erkannt hätten, daß sie etwas für die Wissenschaftsfreiheit von Akademikern in Deutschland tun müssen und diese nicht einfach gegeben ist, sondern auch immer wieder verteidigt werden muß. Dann sah ich das kleine "Türkei" obendrüber."

Der Grünen-Politiker reagiert recht bald, allerdings mit überaus floskelhafter (und für meine Begriffe auch noch grammatikalisch einigermaßen verhunzter) Antwort:
"Wir sind in In- & Ausland Partei der Wissenschaftsfreiheit als demokratischer Wert mit Verfassungsrang. Ihre Ausführungen kann ich daher nicht teilen."


Ich habe nachgehakt und schrieb:
"Ich kann Ihre Ausführungen nicht teilen, da ich etliche Ihrer Vertreter, auch schon Cem Özdemir selbst, auf fehlende Wissenschaftsfreiheit und Behinderung bei der Aufarbeitung des Völkermordes an den Tscherkessen angesprochen hatte und da nie Interesse kam. Teils wurde einfach vorgeschoben, man könne sich "kein Bild machen", ohne auch nur irgendeine Initiative dazu, sich ein ebensolches Bild tatsächlich zu machen - etwa indem man sich die Dinge bzw. entsprechenden Verhältnisse ansieht und nachforscht. Wie wollen Sie Entwicklungen im Ausland sachkundig beurteilen, wenn Ihrer Partei das angeblich im Inland nicht gelingen will? Es wurde von prominenteren und weniger prominenten Mitgliedern Ihrer Partei immer wieder nur abgebügelt - oder man war plötzlich als Grüne(r) machtlose "Privatperson", auch dann, wenn man kurz zuvor noch mit den eigenen Funktionen, Ämtern und Aufgaben geworben hatte. Sie können mir gerne illustrieren und mir auf überzeugende Weise aufzeigen, daß Sie selbst tatsächlich auch hinter Ihren Erklärungen stehen. Dann möchte ich aber auch konkretes Engagement und auch in Bezug auf meine Person und die von mir und internationalen Kollegen vertretenen Anliegen sehen."

Ich habe noch hinzugefügt, um meine Kritik am bisherigen Verhalten von Grünen-Repräsentanten konkreter und handfester zu machen:
"Ich kann Ihnen gerne auch schriftlich vorlegen, wie sich z.B Rebecca Harms verhalten hat.

Am nächsten Morgen waren meine weiteren Kommentare nicht etwa beantwortet, sondern spurlos gelöscht:



Ich habe erneut kommentiert:

"Soso, wenn ich als deutsche Akademikerin, die auch gerne von Forschungsfreiheit profitieren würde und einen fairen Umgang mit Studien zu einem nicht ins übliche Raster passenden Völkermord[en] hätte und trotz solcher für die deutsche Öffentlichkeit offenbar unangenehme[r] berufliche[r] Beschäftigungen demokratische und rechtsstaatliche Verhaltensweisen gegenüber meiner Person erwarte[,] [...] werde ich von Ihnen hier gelöscht. Aber Sie stehen natürlich trotzdem global für freie Meinungsäußerung (minus dem deutschen Raum?) ein und vertreten ein total glaubwürdiges Engagement für kritische Forschung. Sie haben mir definitiv belegt, was Sie gestern hier mir gegenüber behau[pt]et hatten. Höchst eindrücklich und vollkommen überzeugend. Bestimmt."

sowie

"Und bilden Sie sich bitte nicht ein, ich würde türkische Interessen vertreten und dewegen einfach negative und/oder unwahre Dinge über den Zustand der deutschen Wissenschaftslandschaft behaupten wollen. Ich bin mittlerweile in der Türkei wohnhaft und auch auf Facebook zum Teil in einem türkischen (und einem tscherkessischen, das Sie mangels entprechender Kenntnisse für ein türkisches ha[l]ten mögen) unterwegs, WEIL es Leuten wie Ihnen selbst an einem grundlegenden Verständnis dafür gemangelt hat, daß auch historische Völkermorde an vorwiegend muslimischen Bevölkerungsgruppen aufgearbeitet gehören und Forscher deswegen n[ic]ht drangsaliert, marginalisiert und bedroht werden dürfen."


Daraufhin bin ich vom Seitenbetreiber gesperrt worden (meine neueren Kommentare wurden ebenfalls beseitigt). Ich kann nun bei Kai Gehring gar nicht mehr kommentieren:



Hier hat derjenige, der für intellektuelle Freiheiten in anderen Ländern stehen will, die Prinzipien der Meinungsfreiheit und einer sachlichen Debatte nicht mal auf seiner eigenen Facebook-Seite gewahrt.
Noch eine abschließende Bemerkung: Es ist nicht so, daß Grünen-Kritiker grundsätzlich die Inhalte dieser Partei bzw. das Wahlprogramm und die ausformulierten Werte und Ziele ablehnen würden - sie müßten denn nur auch mal gelebt werden.


Banksy: "Elephant in the Room" (source: wikimedia/commons)





Dienstag, 28. Februar 2017

Seltsame Begegnungen mit Grünen: "Meinungsfreiheit" I (Michael Sandkühler)

Im folgenden, eher flüchtig dahingeworfenen Beitrag*, möchte ich ein Beispiel für die Inkohärenz, Undurchdachtheit und Vagheit grüner Politik sowie ein Nichteingestehen bzw. Verdrängen der eigenen Doppelstandards geben. Ich weiß, daß es nicht unbedingt so prickelnd ist, die Konversationen, die andere Leute auf facebook geführt haben, zum Nachlesen vorgesetzt zu bekommen. In einer Zeit, in der Wahlprogramme mit träumerischen Zukunftsvorstellungen auffallen, aber wenig zu bieten haben in Bezug auf zu treffende konkrete politische Maßnahmen und auch kaum Wege aufgezeigt werden, die man zum Erreichen der eigenen Ziele gehen müßte, dabei noch weniger verbindiche Zusagen und belastbare (Wahl-)Versprechen getroffen werden, ist es möglicherweise doch nicht so unnütz, wenn über die Wiedergabe von Einzelbegegnungen auch Anderen Aufschluß über die grüne politische Praxis gegeben wird. D.h., es wird ein Eindruck vermittelt, wie sich einzelne Grünen-Vertreter tatsächlich in der direkten persönlichen  Interaktionen geben und welche Einstellungen da aufscheinen, dies kann auch Aufschluß geben über Diskrepanzen zwischen dem realen politischen Verhalten und dem nach außen getragenen Selbstbild, wie sie die Gesamtpartei durchziehen.

(* Michael Sandkühler fällt in den sozialen Netzwerken gegenüber Anderen gerade mit einigermaßen seltsamen Stellungnahmen in der "Kopftuchdebatte" auf, insofern ist die Auseinandersetzung mit seiner Person ein aktuelles politisches Anliegen..) 

Die im folgenden wiedergegebene  Unterhaltung entwickelte sich anläßlich einer einigermaßen belehrend und maßregelnd wirkende Aufforderung an "türkische" Diskussionsteilnehmer, per Teilnahme an einer Demonstration für Deniz Yücel, den aktuell in der Türkei inhaftierten Journalisten, sozusagen die eigene Demokratiefähigkeit unter Beweis zu stellen und gerade für diejenigen Meinungen und Positionen einzutreten, die man selbst mutmaßlich nicht teilt und stützt. Diese Aufforderung ging einher mit einer Selbstpräsentation, der zufolge Grüne aus allgemeinen Gerechtigkeits- und Demokratiesinn heraus - und gerade nicht im Sinne von Partikularinteressen - für freie Meinungsäußerung eintreten. Ich bin regelmäßig in Bezug auf repressierte Nordkaukasier auf andere Verhaltensweisen, auf Schweige- und Diffamierungspraktien, gestoßen und habe sogar erlebt, daß ein Ansprechen von repressiven Vorgehensweisen gegenüber Dritten unerwünscht ist und - bestenfalls - mit pikiertem Schweigen beantwortet wird. Leztendlich stehen hinter solchen Verhaltensweisen, selbst wenn das im einzelnen nicht so intendiert sein mag, auch rassistische Muster und Strukturen.

Selbtsverständlich hätte ich auch Interesse daran gehabt, in einem geeigneten Rahmen mehr Details, Erläuterungen und Begründungen zu dem zu bieten, was ich selbst an Schweige- und Verschweigepraktiken und unredlichen Vorgehensweisen in Bezug auf den Völkermord an den Tscherkessen erlebt habe und hätte ich auch ein tieferes, lösungsorientiertes Gespräch mit Sandkühler und anderen Vertretern seiner Partei geführt. Eine belanglose, öffentliche Diskussion auf Facebook ohne sichtlichen Lösungswillen empfinde ich allerdings nicht wirklich als zumutbar - dafür sind auch bereits die Darstellungsmöglichkeiten auf Facebook für komplexere Zusammenhänge (Geschichtspolitik etc.) zu begrenzt. Wie weiter unten über die Wiedergabe des Gesprächs per Screenshot deutlich  werden sollte, wies Sandkühler aber, wie andere zuvor auch, letztendlich bereits auf grundlegendere Weise das Problem von sich. 

Er geht, wie viele andere auch, letzendlich die Frage nicht an, wer denn überhaupt Ansprechspartner sein könnte in Fällen, in denen in Deutschland - z.B. über diverse Interessensgruppierungen und Netzwerke (z.B. die der "Putinversteher oder Iranlobbyisten) - demokratische Prozesse beschädigt werden und öffentliche Meinungen verformt werden können und individuelle Meinungsfreiheit de facto in Teilen ausgehebelt wird - dann, wenn man (tendentiell) a-demokratische Akteure ohne eigenes Einschreiten, Begrenzungen und Korrekturen, einfach machen läßt. Bislang scheint niemand von politischer Seite eine realistische Vorstellung davon zu haben oder sich auch nur ernsthaft Gedanken darum zu machen, an wen sich Intellektuelle wenden sollen, wenn sie aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit in Deutschland unter Druck geraten und zufällig gerade keine willige berufliche Interessensvertretung oder ein politischer Akteur, der aus einer Thematisierung politisches Kapital schlagen könnte, zur Hand ist. Man vertraut vermutlich vage darauf, daß nicht näher benannter anderer Akteur zuständig sein könnten. Individuelles Nichtwissen und Nicht-Beurteilen-Können dient der deutschen Gesellschaft als Begründung und Rechtfertigung für weitflächige Ignoranz und das Fehlen entsprechender Korrekturmechanismen.

Daß Repressionsmechanismen funktionieren können, weil man Menschen einfach ohne demokratische Initiativen und Willen zur Abhilfe herumirren und jahrelang auflaufen läßt und zugleich einer nicht direkt betroffenen, numerisch überlegenden Mehrheit  suggeriert, daß alles weiterhin in bester Ordnung sei, dieser Widerspruch wird kollektiv verdrängt. Oft zeigt sich auch ein recht krudes, reduktionistisches, unterkomplexes Verständnis von Freiheiten, Chancen und politischer Durchlässigkeit, die - jedenfalls auf Deutschland bzw. bestimmte Themenlagen bezogen - als etws abstrakt Gegebenes erscheinen und nicht als etwas, was auch im gesellschaftlichen Alltag verteidigt werden müßte. Es scheint nur ein "erlaubt" und ein "verboten" zu geben, keine Behinderungen, Marginalisierungsprozesse, keine fadenscheinig begründeten Ausnahmen und Ausschlüsse, keine Drohgebärden per Abmahnanwalt bei unliebsamer Kritik. Wenige Tage nach dem ursprünglichen Wortwechsel ergab sich auch für mich selbst eine Situation, in der ich mich erneuten, verstärktem Druck ausgesetzt sah. Der Betreiber der Nachrichtenplattform, für die ich regelmäßig Artikel und Berichte zu den mich interessierenden Themen veröffentlichen konnte, hatte gerade mitgeteilt gehabt, seine Arbeit einzustellen. Damit wäre die seit langen Jahren erstmals wieder für mich gegebene Chance, den Völkermord an den Tscherkessen über ein deutsches Medium thematisieren zu können, vor Ablauf des ersten Jahres bereits  wieder weggefallen - hierauf bezieht sich mein letzter, nachträglich hinzugefügter Kommentar. 

Ich muß noch ergänzen, daß ich Michael Sandkühler mit seinen hier zu Tage tretenden Verhaltensweisen für einen recht charakteristischen Vertreter der Grünen halte. Er hebt sich eher noch dadurch von anderen Vertretern seiner Partei ab, daß er relativ offen, "bekennend" und unbefangen die eigene Position darlegt, daß er sich überhaupt auf einen verbalen Austausch einläßt, eigentlich recht nett reagiert (bis auf einen kurzen Ausfall) und nicht mit pauschalem Ignorieren, Abstreiten und systematischem Beschweigen auffällt. Die Ausflüchte und Begründungen für eigenes Nichttätigwerden in Bezug auf das, was jenseits der ausgefahrenen Wege der eigenen Parteienpolitik liegt, wirken allerdings schon fast standardisiert - zum üblichen Arsenal an Abwehrstrategien dazu gehört z.B. das Betonen, daß man ausschließlich kommunal- oder regionalpolitisch tätig und damit so gut wie machtlos sei. Das ist eine seltsame Vorstellung für Demokraten und allemal für Verteter einer Partei, die in besonderem Maße mit ihrem "Mitmachcharakter" wirbt. Im übrigen dürfte sich im konkreten Falle dieser Einwand recht einfach dadurch widerlegen lassen, daß im Falle von Deniz Yücel gerade auch die grüne Kommunalpolitik aktiv geworden ist.

Das "Gespräch" endet, wie so viele Gespräche mit Vertretern dieser Partei enden: mit Ratlosigkeit und Schweigen. Es dürfte hierdurch deutlich werden, daß dann eben doch Machtgefälle, diverse Verflechtungen, politische Konjunkturen und an anderer Stelle gesetzte Vorlieben und Prioritäten darüber entscheiden können, wo Meinungsfreiheit verteidigt wird und wo das Recht auf freie Meinungsäußerung zwar prinzipiell bejaht, seine Durchsetzung aber letztendlich nicht überwacht wird und dem vermeintlichen "Zufall" überlassen wird, d.h. der gesellschaftliche Diskurs wird letztendlich durchsetzungsfähigeren (und oftmals finanzkräftigeren) Strukturen, den numerisch oder andersartig stärkeren Interessensvertretern überantwortet. Bislang hat damit Herr Sandkühler die Ansprüche, die er an andere stellt, nämlich auch "fremde" Meinungen zu verteidigen und selbst da, wo es für einen selbst unbequem sein könnte, für die Rechte anderer Menschen einzustehen, im eigenen Verhalten nicht eingelöst. Ich bin ihm persönlich darum nicht böse, sehe darin aber ein weiterhin ungelöstes, gesamtgesellschaftliches Problem.

Ich gebe im Folgenden meine Unterhaltung mit Michael Sandkühler vollständig und in der ursprünglichen Reihenfolge wieder, ich habe lediglich zur besseren Lesbarkeit unterteilt. 


Sandkühlers Aufforderung zum konkreten Tätigwerden und eine allgemeine Bekenntnis zu Meinungsfreiheit:


Das Konkrete, das Abstrakte und Ausnahmen: 



Das eigene Kapitulieren bei "schwierigen" politischen Situationen:



Ein kurzer, aggressiverer Anwurf (per Unterstellung bzw. Umkehr von Forderungen bezüglich Partikular- und Grundrechten ) und das sanfte Auslaufen-Lassen der Diskussion:



Donnerstag, 2. Februar 2017

Tscherkessisches Projekt in Samsun/Atakum sucht nach Unterstützern

Der tscherkessische Kulturverein "Adige Kültür Derneği" aus Samsun sucht nach Unterstützern für ein Kulturzentrum, das die Traditionen der tscherkessischen Minderheit ın der Türkei bewahren helfen soll.  Die Tscherkessen waren vor dem von Rußland verübten Völkermord im 19. Jahrhundert ins damalige Osmanische Reich geflohen bzw. dorthin deportiert worden, viele von ihnen hatten sich gerade auch in den Gegend von Samsun, einer der ersten Anlaufstellen auf der Seeroute vom Westkaukasus aus gesehen, angesiedelt.

Für Interessierte/potentielle Unterstützer
Kontaktdaten (Quelle: facebook):
Dernek Başkanı (Vereinsvorstand): 05422274159
Başkan Yardımcısı (Vize-Vorstand): 05324614510
Proje Koordinatörü (Projektkoordinator): 05326925682
(türkische Mobilfunknummern, von Deutschland aus mit +90 anzuwählen)
Bankverbindung: Türkiye İş Bankası Samsun Çiftlik Şubesi
Hesap no: 7302 0759948
An anderen Zahlungsmöglichkeiten wird gearbeitet. Falls jemand spenden möchte, aber keine Möglichkeit hat, auf ein türkisches Bankkonto einzuzahlen, ließen sich vermutlich auch individuelle Arrangements (beispeilsweise über deutsch-tscherkessische Partnervereine) finden, in diesem Falle würde sich wohl eine direkte Kontaktaufnahme mit dem Verein empfehlen.
Facebook-Seite des Vereins: "Adığe Khase" unter https://www.facebook.com/AdigeXase

 **** UPDATE **** 
Weitere Zahlungsmöglichkeit über folgende Verbindung:

Kontoinhaber: Muhammed Dirican
Kreissparkasse Reutlingen 
IBAN:DE52 6405 0000 0008 9726 35 
BIC: SOLADES1REU 
BLZ 640 500 00
Zusatz: "Für Samsun Adige Park und Museum"

Deutschsprachiger Artikel, der das Projekt "„Adige Parkı ve Etnoğrafya Müzesi” vorstellt, auf NEX24:

"[...] Das Projekt „Adige Parkı ve Etnoğrafya Müzesi” sieht ein zweistöckiges Gebäude sowie eine Gartenanlage vor. Im Obergeschoß des Gebäudes wird ein Ethnographisches Museum Platz finden, für das Erdgeschoß ist Café bzw. eine Küche, die tscherkessische Gerichte anbieten wird, vorgesehen. Der Park wird neben Bäumen, Pavillons, Skulpturen und anderen Artefakten auch eine Veranstaltungsfläche für u.a. traditionelle Tanzveranstaltungen sowie einen Kinderspielplatz bieten.
[...]
Die Einrichtung wird für ein allgemeines Publikum zugänglich sein. Der Adygische Kulturverein, der im Jahr 2008 gegründete wurde, hat bereits ethnographische Objekte und tscherkessische Kunst für das zukünftige Museum zusammengetragen. Diese wurden bisher in temporären Ausstellungen gezeigt. Die jüngste, nunmehr 5. Ausstellung, wird dieses Frühjahr in mehreren türkischen Städten (Çorum: 4.-8. März, Ankara: 11.-15. März, Balıkesir: 18.- 22. März, Bursa: 25.- 29. März, Yalova: 1.-5. April, Düzce : 8.-12. April, Istanbul: 15.-19. April) gezeigt, daraufhin soll sie nach Deutschland kommen und im Mai 2017 in Stuttgart zu sehen sein."

Vollständig lesen unter:  >>"Demokratische Öffnung" - Türkei: Tscherkessischer Verein in Samsun sucht nach Unterstützern für Kulturpark<<