Zarische Truppen, Krasnaja Poljana, 21.5.1864

Zarische Truppen, Krasnaja Poljana, 21.5.1864

Quellenhinweis zur mutmaßlichen Beseitigung von Massengräbern

Dies soll nicht der Ort sein, um zu diskutieren, was im 19. Jahrhundert während der russischen Eroberung des Kaukasus geschah und wie diese historischen Ereignisse zu bezeichnen sind. Hierzu gibt es mittlerweile eine gar nicht mehr so geringe Zahl an wissenschaftlichen Publikationen auf u.a. Russisch, Türkisch und Englisch. Hier soll es vielmehr um das Problem gehen, daß bereits gesicherte historische Fakten und vorhandenes Wissen von Medien und Öffentlichkeit nicht wahrgenommen werden. Ich verzichte deshalb hier auf eine Auflistung, entsprechende Literatur läßt sich leicht im Internet über einschlägige Datenbanken recherchieren (auf Anfrage erteile ich allderdings auch weiterhin gerne Auskunft). Ein interessiertes allgemeines Publikum sei darauf verwiesen, daß diesen Herbst ein Buch des deutschen Journalisten Manfred Quiring unter dem Titel "Der vergessene Völkermord. Sotschi und die Tragödie der Tscherkessen" erscheint.

Um in Bezug auf den aktuellen Umgang mit der tragischen Geschichte der Region nicht in den Ruf zu geraten, unbelegte Behauptungen aufzustellen und Gerüchte in die Welt zu setzen, erscheint es mir jedoch angebracht, explizit auf eine deutschsprachige Zeitungsquelle verweisen, in der die Existenz von Massengräbern und der Verdacht, daß russische Behörden diese heimlich beiseite schaffen, offen ausgesprochen wird.
Im Artikel von Teresa Eder "Olympische Spiele auf tscherkessischem Friedhofsgelände", erschienen am 11.6.2012 in der österreichischen Tageszeitung Der Standard, heißt es:
"Massengrab bei Bauarbeiten entdeckt
Umso größer war die Empörung unter den Tscherkessen darüber, dass Russland 2014 die Olympischen Spiele just an jenem Ort abhalten wird, an dem vordergründig heute nichts mehr an sie erinnert. Wer jedoch tief genug gräbt, den holt die Vergangenheit nach wie vor ein. So wie einen tscherkessischen Ingenieur, der bei Bauarbeiten am olympischen Gelände zufällig ein Massengrab entdeckte. "Er machte die russischen Behörden darauf aufmerksam, die aber kein Interesse an einer Aufarbeitung hatten. Letztendlich wurde er von seinem Posten abgezogen", erzählt Youghar, der diese Begebenheit von Bekannten vor Ort berichtet bekam. Öffentlich wurde die grauenhafte Entdeckung nicht."

Da ich nicht Journalistin, sondern Historikerin bin, kann ich den Wahrheitsgehalt dieser Angaben, die dem bisherigen Kenntnisstand nach allerdings auf Augenzeugenberichte zurückgehen, nicht überprüfen. Ich betrachte es als meine Aufgabe, auf derartige Berichte hinzuweisen. Aufgabe der Medien sollte es sein, diesen Berichten nachzugehen, sie auf ihren Faktengehalt zu überprüfen und bei Bewahrheitung ihre Rechercheergebnisse auch entsprechend öffentlich zu machen. Es kann nicht sein, daß die öffentliche Berichterstattung sich hier im Kreise dreht und eine Überprüfung von Aussagen und Berichten dieser Art ablehnt mit der Begründung, daß hierzu öffentlich nichts bekannt sei.


Zusatz:: In den nächsten Tagen werde ich hier eine kleine und rudimentäre, dafür aber kommentierte Literaturliste anfügen, um es interessierten Lesern einfacher zu machen, sich einen ersten Überblick über die Forschungssituation und verschiedene Interpretationen zu verschaffen. Mir liegt jedoch sehr daran, daß eine Diskussion nicht auf die Belegung mit Schlagwörtern und Positionskämpfe hinausläuft, sondern daß zuallererst die Notwendigkeit einer Diskussion als solcher erkannt wird.


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